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Goldschlager#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Beruf: Goldschlager
»Der Goldschlager«. Kupferstich von Christoph Weigel. Aus: »Abbildung der Gemein- Nützlichen Haupt-Stände …«. Regensburg 1698
© Ch. Brandstätter Verlag

Goldschlager (auch Goldschläger) stellten in mehreren Arbeitsgängen mit großer Geschicklichkeit und enormer körperlicher Anstrengung, unter ohrenbetäubendem Lärm, Blattgold her. Die Gesellen mit den grünen Schürzen verdünnten zuerst die in Formen gegossenen Goldstreifen (Zaine) durch Ausschmieden und Auswalzen (seit dem 17. Jahrhundert auch im Streckwerk, einem kleinen Walzenpaar). Das Band wurde dann in quadratische Blätter (Quartiere) geschnitten, von denen vierhundert bis sechshundert zwischen Pergamentpapier zu einer Form (Quetsch- oder Pergamentform) zusammengestellt wurden. Durch Schlagen der auf einem Marmor- oder Granitblock (Goldschlagerstein) liegenden Form mit dem zwanzigpfündigen Schlaghammer bei ständigem Drehen der Form entstand Quetschgold. Die Blätter wurden nochmals zerschnitten, abwechselnd zwischen Goldschlägerhaut (aus Embryonalhüllen größerer Säugetiere oder der innersten Hautschicht des Rinderblinddarms) geschichtet und so die Lotform gebildet. Es folgte nun das Schlagen mit dem Formhammer, bis die Blätter zu Goldloten verdünnt waren. Nach erneutem Zerschneiden in vier Teile wurde in der Dünnschlagform ausgeschlagen, und den Abschluß bildete das Garmachen mit dem symmetrischen Doppelhammer. Nach sechs- bis siebenstündigem gleichmäßigem Schlagen waren die Plättchen endlich hauchdünn ausgeschlagen, wurden geschnitten und von den Meisterfrauen und -töchtern mit Ebenholzzangen in Papierbücher eingelegt.


Mit Blattgold umwickelten die Goldspinnerinnen ganz verschiedene Fäden zur Weiterverarbeitung im Seiden-, Bortenmacher- oder Posamentiergewerbe; Blattgold und Silberblatt benutzten die Schwertfeger zum Feuervergolden, benötigten die Maler, Schilderer, Schnitzer und Bildhauer, die Buchbinder und Vergolder, aber auch Büchsenmacher, Schlosser, Sporer, Gürtler und Tischler gehörten zu den Abnehmern; Glaser vergoldeten das Fensterblei und Apotheker ihre Pillen.


In Nürnberg wird nicht nur schon 1373 ein »ungestüm goltslaher« urkundlich erwähnt, sondern es entwickelte sich auch zu einem der bedeutendsten Standorte der Blattgoldherstellung, neben Augsburg, Fürth, Wien und Prag. Wie komplex und schwierig dieses Handwerk war, zeigt die Tatsache, dass in Nürnberg 1554 die Lehrzeit auf ungewöhnliche sieben Jahre festgesetzt wurde. Der Einsatz von Schlagund Walzwerken um die Mitte des 19. Jahrhunderts, besonders jener des mechanischen Federhammers seit etwa 1890, rationalisierte und erleichterte vor allem dieses monotone Handwerk sehr.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.