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Graben, Wien 1#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ende des 12. Jahrhunderts wurde bei der Babenbergischen Stadterweiterung der Graben des römischen Militärlagers Vindobona zugeschüttet, um neues Bauland für die wachsende Stadt zu gewinnen. 1294 findet sich die erste urkundliche Erwähnung als Verkehrsfläche, 1300 als Marktplatz. Die Umgebung der heutigen Häuser mit den Nummern 17 bis 21 trug verschiedene Bezeichnungen: Milchgraben (1300), Kaltenmarkt (1402), Fleischgraben (1507), Grüner Kräutelmarkt (1701).

Unter freiem Himmel handelte man hier im Jahr 1300 mit Milch, 1320 mit Kraut, 1338 und 1418 mit Brot und Grünzeug, 1371, 1526 und 1630 mit Mehl. Das Brothaus Nr. 16 diente im 14. und 15. Jahrhundert als städtische Vorratskammer für Brot und Getreide. Mitte des 15. Jahrhunderts wichen die Brotbänke städtischen Fleischbänken, welche die Gemeinde an Fleischhauer aus der Umgebung (Gäufleischhacker) vergab. 1507 hieß der Straßenzug „Fleischgraben“. 1564 mussten die Fleischer auf den Tiefen Graben übersiedeln. Im 17. Jahrhundert stand auf dem Graben der Krippen- und Christkindlmarkt, wo „Peckn, Lebzelter und Zuggerpacher“ ihre Hütten aufschlugen. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde am „Grünen Markt“ oder forum herbarium Gemüse verkauft.

Nach dem Bau vornehmer Bürgerhäuser war der Graben Schauplatz öffentlicher Feste: Die Erbhuldigung, die Anerkennung eines neuen Landesfürsten durch die Stände, erfolgte in feierlichem Zug über den Graben zum Stephansdom und weiter in die Hofburg, wo der eigentliche Huldigungsakt stattfand und die Übergabe der Insignien an die Inhaber der Erbämter erfolgte.

Auch der erste Elefant, den die Wiener sahen, zog über den Graben ein. Das Tier befand sich 1552 im Tross des Erzherzogs Maximilian. Daran knüpft sich die Sage, dass in den Massen der Neugierigen ein kleines Kind vor die Füße des Elefanten geriet. Er zertrampelte es aber nicht, sondern hob es behutsam mit den Rüssel auf und gab es der Mutter. Danach erhielt das Elefantenhaus am Graben seinen Namen. Zunehmend siedelten sich noble Geschäfte, italienische und französische Kaufleute und Kaffeehäuser an. Der Graben wurde vom Marktplatz zur städtischen Flaniermeile und schließlich 1971 zur ersten Fußgeherzone Wiens.

1679 gelobte Leopold I. nicht nur den Bau der berühmten Pestsäule, des Wahrzeichens am Graben, sondern stimmte auch dem Ersatz der bisherigen Brunnenfiguren durch Heiligenstatuen (Leopold und Josef) zu. Diese blieben bis 1804 auf den Brunnen und dann wurden durch Bleifiguren von Johann Martin Fischer abgelöst.

Quelle#


Helga Maria Wolf. Die Märkte Alt-Wiens. Geschichte & Geschichten. Wien 2006

Redaktion: hmw