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Hüzn und Knoschpm im Ausseerland#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Knoschpm
„Knoschpm" werden von geschickten Händen angefertigt.
© Willi Senft

Von den ganz alten Werktagskleidungen, den „Urtrachten", hat sich in der Steiermark nur eine Fußbekleidung erhalten, die hölzernen Schuhe des Ausseerlandes, die „Hü(l)z(e)n" und die „Knoschpm". Erstere sind komplett aus Holz gefertigt, bei den Knoschpm besteht das Oberteil aus aufgenageltem Leder, und heute werden fast ausschließlich diese verwendet, weil sie vom Gewicht her leichter sind. In alter Zeit war das Leder zu teuer und man trug fast nur die Hüzn.

Wer im Ausseerland zu Fuß unterwegs ist, der wird vor vielen Haustüren die Knoschpm zum sofortigen Gebrauch stehen sehen; wenn man das Haus kurz verlassen muß, um in den Garten zu gehen, und bei den Bauern zum Betreten des Stalls. Eine sehr zweckmäßige, trockene und warme Fußbekleidung. - Das alte Ausseer Haus betrat man übrigens grundsätzlich nicht mit Schuhen.

Die Geräte zur Anfertigung der Knoschpm sind seit vielen Jahrhunderten die Hoanzlbank, das Reifmesser und die Stemmeisen, denn eine industrielle Fertigung gibt es auch heute noch nicht. Natürlich verwenden einige aus dem halben Dutzend der Knoschpm-Fertiger im Ausseerland schon Bandsägen zum Ausschneiden der Rohlinge, aber sonst sind die Werkzeuge noch dieselben geblieben.

Als Rohstoff wird fast ausschließlich Ahornholz verwendet, selten auch Ulmenholz, das noch leichter ist. Gerne wird grünes Holz genommen, weil es einfacher zu bearbeiten ist. Der Kunde bringt eine Zeichnung seines Fußumrisses mit, und dann werden aus dem rohen Holz schon der grobe Umriß herausgeschnitten und die seitliche Hochleiste und die Höhlung - genau nach Maß - herausgestemmt. Heutzutage wird auf die Unterseite ein Gummi genagelt. Früher verwendete man für die Sohle besonders im Winter „Scheankn" - Nägel mit erhabenen Köpfen.

Ein bis vier Jahre - je nach Strapazierung - hält so ein Knoschpm. Bei guter Paßform sind manche Leute damit sogar auf die Alm gegangen, und es hat angeblich welche gegeben, die außer zum Kirchgang das ganze Jahr über ausschließlich ihre Holzschuhe trugen. - Das war vielfach auch eine finanzielle Notwendigkeit, denn noch in den Zwanziger- und Dreißigerjahren unseres Jahrhunderts konnten sich viele nur ein Paar Schuhe leisten.

Quellen#

  • Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft