Hagenbachklamm - Austria-Forum : Heimatlexikon
Hagenbachklamm#
„Die Mäanderklamm" #

"Heimatlexikon - Unser Österreich"
Zugang: Von St. Andrä vor dem Hagenthaie (St. Andrä-Wördern) 1 km, von Unterkirchbach 40 min, von Hintersdorf 15 min.
Klammlänge: 1.500 m
Höhenunterschied: 100 m
Gehzeit: 30 min.
Markierung rot, 404, ÖK Blatt 40.
Beste Zeit: Ganzjährig begehbar.
Beschreibung: #
Die Hagenbachklamm ist eine beschauliche Klamm, da der Hagenbach sich nicht im Kalkgestein sein Bett bahnen musste, sondern nur im „weichen" Sandstein und daher viel mäandriert. (Das Wort „Mäander" stammt übrigens von einem Fluss in der Türkei, der in der Antike so geheißen hat, jetzt Menderes. Er macht halbkreisförmige Flusswindungen, er mäandriert.) Nicht seit jeher nahm aber das Wasser des Hagenbaches den heutigen Verlauf. Einst bog er nach Osten ab und bildete so den Oberlauf des Kierlingbaches. Da die tiefer liegende und daher auch stärker erodierende Donau das Tal anzapfte, änderte der Bach seine Richtung, und so entstand auch die Klamm, die uns jetzt mit einem Holzportal begrüßt. Auf rund zehn Stegen und Brücken, die Soldaten der Pioniertruppenschule errichteten, an einigen künstlichen Wasserfällen vorbei, die dem Bach die zerstörende Kraft nehmen, können wir bei seinem Verlauf eine interessante Feststellung machen: Im unteren Teil der Klamm ist das Tal relativ eng, im Mittelteil finden wir herrliche Mäander mit für den nördlichen Wienerwald imposanten sechs Felsriegeln. Hier befindet sich das Herz der Klamm. Im letzten Drittel fließt der Hagenbach in einem etwas weiteren Tal in engen und lieblichen Mäandern dahin. Dort, wo die Klamm die erste Engstelle aufweist, befindet sich eine Tafel, die auf den Wiederaufbau der Klamm hinweist:
„Zur Erinnerung an die Wiedereröffnung der Hagenbachklamm 1948; die Gemeinden St. Andrä- Wördern, Hintersdorf, Kirchbach und Zeiseimauer unter Mitwirkung der Wiener Naturfreunde."
Zum ersten Mal für Wanderer begehbargemacht wurde die Klamm im Jahr 1908. Auf einem Sandsteinfelsen kann man noch „Josef Schoiswohi - 23. V. 1927" lesen, aber niemand weiß warum. Wer weiß, wie lang noch? An einer Stelle sieht man nämlich deutlich, wie der Fels langsam in Sand „zerrieselt".
Das geplante Abwasser-Kanalprojekt, bei dem von Unterkirchbach ein Kanal durch die Klamm gelegt werden sollte, ist Gott sei Dank aufgrund der Proteste nicht verwirklicht worden.
Auf etwas Anderes möchte ich noch hinweisen: Am unteren Ende der Klamm führte einst die Römerstraße Wien - Tulln (Vindobona - Comagena) vorbei, woran der Römerbrunnen (1921 in Stein gefasst) auf der flachen Wasserscheide Hagenbach - Kierlingbach erinnert.
Ausflugsziele in der Umgebung: Greifvogel-Zuchtstation nördlich der Klamm mit Ponyreiten und Kinderspielplatz, Naturpark Eichenhain, dessen Grenze die Hagenbachklamm ist, Maria-Lourdes-Grotte in Maria Gugging, der Planeten-Wanderweg, dessen Zentrum „die Sonne in Königstetten" ist, hat hier in der Klamm die Entfernung des Pluto. Unverständlich? Eine Tafel vor der Klamm erklärt alles!
Text mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch:
Rudolf Speil: Klammen & Schluchten in Österreich. An tosenden Wassern. Leopold Stocker Verlag, Graz 2008 (2. Auflage).
Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)
