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Hofnarren#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Beruf: Hofnarren
»Der Schalcksnarr« (Schalksnarr). Kupferstich von Jost Amman. Aus: Hans Sachs und Jost Amman. »Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden …«. Frankfurt am Main 1568
© Ch. Brandstätter Verlag

Hofnarren waren schon im Altertum fixer Bestandteil des fürstlichen Aufwandes, des Stolzes, der Prahlerei und der Belustigung ihrer Herren. Die römischen Cäsaren waren besondere Liebhaber von »artigen« Zwergen. Marcus Antonius besaß einen Zwerg, den er zum Spott Sisyphos nannte; Augustus ließ seinen Lieblingszwerg Lucius bei Schauspielen auftreten, weil er »nur 17 Pfund wog« und eine »sehr starke Stimme« hatte; Kaiser Domitianus wiederum ergötzte sich an nächtlichen Fechtspielen zwischen Zwergen und »Weibern«.


Nach den Kreuzzügen verbreiteten sich die Spaßmacher in ganz Europa, und seit dem 15. Jahrhundert gehörten sie zu jedem vollständigen Hofstaat. Entweder waren es feingebildete witzige Hofleute oder Männer von gelehrter Bildung, die das Vorrecht (Narrenfreiheit) hatten, durch beißenden Witz und geistreichen Tadel die Gesellschaft zu unterhalten und zu geißeln, wie Maximilians I. Narr Kunz von der Rosen. Oder es waren Krüppel, Zwerge, Idioten, über die man sich lustig machte. Renaissance- und Barockfürsten übertrafen einander gelegentlich an »amüsanten« Einfällen: Zwerge wurden in Pasteten und Kuchen versteckt, bei Tisch aufgetragen und sprangen dann, der Gelegenheit entsprechend, heraus, um auf der Tafel »herumzuscharmutzieren«. Der Hofzwerg des Polenkönigs Stanislaus II., Nikolaus Ferry, von seinem Gönner Bébé genannt, musste bei einer Festtafel in der Uniform der Garde du Corps einem als Festung gestalteten Backwerk entsteigen und wurde prompt von den anwesenden Gästen mit Bonbons beschossen. Nach seinem Tod 1764 wurde Bébés kleiner Körper durch den Leibarzt des Königs seziert und das Skelett in der öffentlichen Bibliothek zu Nancy aufgestellt. Ein anderer, wegen seines schlagfertigen Witzes bekannter Zwerg war Klemens Perkeo aus Salurn in Südtirol, der um 1720 Hofnarr und Kammerherr des Kurfürsten Karl Philipp von der Pfalz war.


Der Dichter Joseph Viktor von Scheffel (1826–1886) verewigte den Kleinwüchsigen in einem Lied, in dem es unter anderem hieß:

 

»Das war der Zwerg Perkeo vom Heidelberger Schloß, /
vom Wuchse klein und winzig, vom Durste riesengroß. /
Man schalt ihn einen Narren, doch er dachte: Liebe Leut’, /
wärt ihr wie ich doch alle feuchtfröhlich und gescheit!«


Es wird erzählt, dass der nicht nur kluge, sondern auch trinkfeste Zwerg, der wahrscheinlich mit bürgerlichem Namen Johannes Clement hieß, auf die Frage, ob er das große Fass zu Heidelberg austrinken könne, mit Perche no? geantwortet habe, was ihm den Spitznamen »Perkeo« eintrug. Nach seinem Tod erhielt der »feuchtfröhliche und gescheite« Narr im Hof des Heidelberger Schlosses ein Denkmal.


Bedeutende Maler wie Josef Heintz der Ältere (Erzherzog Ferdinand mit Hofzwerg), Velázquez (Las Meninas), Rubens (Alatheia Talbot, Gräfin Arundel mit Hofzwerg Robin), Carracci (Arrigo der Haarige, Pietro der Narr und Amon der Zwerg) und der in der Sammlung auf Schloss Ambras in Tirol vertretene Georg Hoefnagel waren bemüht, die missgestalteten Protegés ihrer Auftraggeber zu verewigen. Als literarischer Fürsprecher der kleinen Menschen galt der »lachende Philosoph« Carl Julius Weber, selbst ein Mann von kleiner Statur und ein vielgelesener Autor des 19. Jahrhunderts, der meinte, »kleine Männchen erzeugen einmal lustigen Humor, den sie meist selbst besitzen, denn die Lebensgeister finden sich in ihnen leichter zusammen. Große aber erregen Ernst und Furcht, wie der Teutonenkönig Teutobald. Homo longus raro sapiens (ein langer Mensch ist selten klug), woran selbst Baco glaubte, weil er Länge mit hohen Häusern verglich, deren oberster Stock meist leer sei.«


Hofnarren waren an ihrer Tracht, die für sie Vorschrift war, zu erkennen: die Narrenkappe oder Gugel mit rotem Hahnenkamm, Eselsohren und Schellen sowie das Narrenzepter, eine Art Keule mit Narrenkopf, und ein breiter Halskragen.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.