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Holzhauer#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Beruf: Holzhauer
Die Holzhauer. 1819. Farblithographie von Heinrich Papin nach Zeichnung von Josef Lanzedelly. Wien, bey J. Bermann. Gedruckt bey Höllenstein
© Ch. Brandstätter Verlag

Holzhauer waren vor dem 19. Jahrhundert ein eigener Berufsstand (»Holzerschaften«), vor allem bei den Hütten und Salinen mit ihrem gewaltigen Holzbedarf. Besonders in unwegsamen Gebirgsgegenden, wo die Holzbringung schwierig und die bäuerliche Bevölkerung spärlich war, erforderte die Waldarbeit besondere Fähigkeiten. Die Holzknechte waren ganz auf sich gestellt und nur mit einfachen Werkzeugen ausgerüstet. Nicht der Holzschlag, sondern der Transport des gefällten Holzes ins Tal war der schwierigere und gefährlichere Teil ihrer Arbeit. Sie mussten sich auf den Bau von aufwendigen Rutschbahnen, sogenannten Riesen und Klausen (Stauwehren für die Holztrift) verstehen, und dort, wo man den gewaltigen Holzaufwand für solche Anlagen vermeiden wollte, brachten die Holzhauer im Winter die schweren Stämme auf Schlitten zu Tal, ein waghalsiges und gefahrvolles Unternehmen, das vielen Menschen das Leben kostete.


Beruf: Holzhauer
»Holzhauer u. Holzschneiderinn / Fendeur de bois«. 1826. Kolorierter Kupferstich von Johann Nepomuk Passini nach Zeichnung von Johann Josef Schindler. Aus: »Costüme und Scenen von Wien«
© Ch. Brandstätter Verlag

Diese Arbeit prägte natürlich die Holzknechte und brachte ein eigenes Selbstbewusstsein hervor. »Holzer und Köhler«, schrieb Joseph Wessely in Die österreichischen Alpenländer und ihre Forste (1853), »seien in den Alpen die Könige auf dem Tanzplatze und bei den Dirnen, sie sind die Tonangeber bei den Lustbarkeiten, die Erfinder der gangbarsten Lieder und der treffendsten Schnacken.«


Die soziale Stellung der Waldarbeiter konnte sehr unterschiedlich sein. Das galt vorwiegend im Hochgebirge, wo die Holzhauer der Grundherrschaft so manche Konzession abringen konnten: So besaßen im 14. Jahrhundert die Holzhauer bei der Saline Hall das Recht, bei Lohnrückständen eigenmächtig Holz zu pfänden, und Kaiser Maximilian stellte sie um 1500 den Bergknappen gleich; denn das Bergwesen hing von der Holzzufuhr ab, und viele Bergleute verdingten sich im Winter auch im Holzschlag. Die Masse der Waldarbeiter kam aber wohl aus dem Kleinbauerntum und den unterbäuerlichen Schichten der Dörfer, die sich vom Ackerbau allein nicht ernähren konnten.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.