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Holzknechtmarterl#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Waldbewirtschaftung - Bäume fällen und das aufgearbeitete Holz transportieren - war und ist ein gefährlicher Beruf. Arbeitstechniken und soziale Rahmenbedingungen haben sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts stark verändert - vom Holzknecht zum Forstfacharbeiter; von Axt und Säge zur Motorsäge; bei der Holzbringung von Riesen, Trift und Waldbahn zum Forstschlepper und Seilkran. Trotzdem erleiden alljährlich 1.500 bis 2.000 Forstfacharbeiter Unfälle, viele davon schwer. Im Jahr 2010 verunglückten 23 Arbeiter tödlich. Die meisten verloren die Kontrolle über ihre Motorsäge, über einen Ast oder stürzten im unwegsamen Gelände. Zur Erinnerung an die Verunfallten wurden bis ins 20. Jahrhundert Flurdenkmale gesetzt, die so genannten Holzknechtmarterl. Manche haben die Form von an Gedenk- oder Grabsteinen, andere sind wie Marterl mit Bildern und Inschriften versehen. Diese Bilder zeigen den Unfallhergang, einige in der Art von Votivbildern auch religiöse Motive wie die Dreifaltigkeit, das Auge Gottes, Jesus, Maria, Engel, Schutzheilige oder tragen Kreuze. Eine Zusammenfassung für vier Bundesländer erschien im "Jahr des Waldes" 2011 mit Farbfotos und informativen Texten, herausgegeben von "Land&Forst Projekte Österreich".

Die Fachleute zogen aus den schlichten, aber detailreichen Bildern Rückschlüsse auf Arbeitsgeräte, -methoden und Unfallhergang:
* Noch im 20. Jahrhundert wurden Arbeiter durch Bäume erschlagen, die bei der Fällung stürzten. Ursachen können falsche Fälltechnik oder mangelnde Einschätzung des Baumwuchses oder Windes sein.
* Im 19. Jahrhundert wurden als Einstreu in den Ställen zerkleinerte Äste, Reisig (Graß) Blätter oder Nadeln von Waldbäumen verwendet. Bedienstete und Kinder gewannen mit dem Rechen "Bodenstreu". Zum "Schneiteln" bestieg man Bäume und hackte Äste und Zweige herunter. Graßziehen oder Streugehen, bezeichnete den Gang in den Schlag, wo das Graß zerkleinert und meist mit dem Schlitten als Einstreu zum Hof gebracht wurde. Die händische Rückung von Blochholz nannte man Holztreiben oder Holzbürsten. Dabei wurden die Bloche im steilen Gelände auf rutschfähigem Boden (Nässe, Schnee) mittels eines Sappels talwärts ins Rutschen gebracht.
* Schlitteln war eine besonders gefährliche historische Holzbringungstechnik im Winter. Ein Mann bewegte mit einem Schlitten bis zu 4 fm Holz im Gewicht von 3 t. Bei Regen konnte auf steilen Wegen manchmal nicht mehr gebremst werden. Wer mit der Fuhre Holzbloche aus der Schlittbahn kam und gegen einen Baum prallte, überlebte selten. Brennholz wurde für den Transport auf dem Schlitten mit Spannketten befestigt. Durch einen Kettenriss konnte sich die Ladung lösen und den Lenker erschlagen.
* Schlitteln im tierischen Zug erfolgte mit Ochsen oder Pferden. Entlaufene Ochsen und scheuende Pferde führten oft zu tödlichen Unfällen.
* Bei Aufräumarbeiten nach Lawinenabgängen kann nachstürzendes Rundholz gefährlich werden oder die Schneedecke einbrechen.
* Häufig führen bei Waldarbeiten verwendete Ackerschlepper (Traktor) ohne spezielle Ausrüstung zu Unfällen.

Quelle#


Gerold Jäger, Hans Kiessling, Wilhelm Lutz (Fotos): Holzknechtmarterl in Österreich. Wien 2011
Redaktion: hmw