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Holztrift#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Die Kraft des Wassers beförderte große Mengen von Stämmen und Brennholz. Früher konnte nur an Bächen und Flüssen mit großem Gefälle Holz getriftet werden. Mit der Errichtung von Klausen ließen sich auch andere aufgestaute Wasserläufe nutzen. Klausen-Leopoldsdorf in Niederösterreich verdankt seinen Namen solchen Anlagen. Seit 1670 ließ Kaiser Leopold I. (1640-1705) mehrere Klausen an den Zuflüssen der Schwechat bauen und Holzknechte ansiedeln. Die Hauptklause war bis 1939 in Betrieb, sie ersetzte 1667 den ursprünglichen hölzernen Bau. Von den 12 Nebenklausen an den Zubringerbächen der Schwechat sind vier erhalten.

Wasser, Holz und Eisen bildeten seit dem späten Mittelalter die Lebensgrundlage der Menschen an der Eisenstraße (Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark). Schmelzen, Hammerwerke und Schmieden verbrauchten ungeheure Mengen an Holz zum Verkohlen, das auf dem Wasserweg befördert wurde. Die einzige funktionstüchtige Holztriftanlage Mitteleuropas befindet sich im Mendlingtal bei Göstling an der Ybbs (Niederösterreich). Sie stand - vermutlich seit dem 15. Jahrhundert - bis zur Zerstörung durch ein Hochwasser 1992 in Betrieb. "Rechen" fingen das lose schwimmende Triftholz auf. Der Mendlingrechen besteht aus mehreren, den Bach querenden Stämmen. Dazwischen sind leiterartig Hölzer aufgenagelt. Die Holzknechte zogen das aufgestaute Holz mit ihren Sapinen in die angrenzende Rutsche (Riese, Rinne), durch die Bloche und Scheiter zur Auslände glitten 1997/1998 wurde die Klause wieder hergestellt und das Mendlingtal für Besucher zugänglich gemacht. Die "Erlebniswelt Mendlingtal" umfasst einen 3 ½ km langen Themenweg mit Gebäuden und Schautafeln.

Im Waldviertel wurde im Naturpark Nordwald bei Bad Großpertholz, eine Triftanlage teilweise rekonstruiert. Schautafeln erklären den Holz-Weg nach Wien.

Meister der Holzschwemmung waren der "Raxkönig" Georg Huebmer (1755-1833) und sein Bruder Johann. Im Auftrag der Grafen Hoyos erschlossen die Holzknechtsöhne deren Urwälder zwischen Rax und Schneeberg, um die Holzvorräte des Neuwaldes für Wien nutzbar zu machen. Die "Huebmer'sche Schwemm-Kompagnie" perfektionierte die alte Wassertrift und entwickelte komplexe technische Bauten. 1822-1827 schlugen sie einen 450 m langen, unterirdischen Schwemmkanal durch den Gschaidl-Berg. Von dort wurde das Holz über Naßbach, Schwarza und Kehrbach von der anderen Seite der Wasserscheide Richtung Wien transportiert. Auf dem Weg musste es in mehreren Klausen geschwellt werden. Der Stollen zwischen Stiller Mürz und Preinbach war der längste Tunnelbau Österreichs außerhalb eines Bergbaubetriebes. Ein um 1820 konstruierter Aufzug brachte das unterhalb des Kanals geschlagene Holz in die Höhe. Nach Wien kam es über den Wiener Neustädter Kanal.

Quelle#

Helga Maria Wolf: Mythos Wasser. St. Pölten 2009
Redaktion: hmw