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Industrieregion Steyr#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Steyr
Steyr
© Österreich Werbung/Wiesenhofer

Die Gegend um Steyr war schon in frühester Zeit besiedelt (der Name Steyr kommt aus dem keltischen Stiria)

Nach langer Herrschaft der Bayernherzöge über Steyr traten 1055 die aus dem Chiemgau stammenden Otakare, deren Erbe an. Sie hatten sich mit geschickter Heiratspolitik große Besitzungen in der Steiermark zu Eigen gemacht, darunter auch den Erzberg, dessen Abbau von den Otakaren intensiv gefördert wurde. Steyr wurde zum Handels- und Verarbeitungszentrum des in "Innerberg" (heutiges Eisenerz) geförderten Eisens ("Innerberger Eisen") und gewann unter der Residenz den Otakaren weiter an wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung.

Unter den Babenbergern erfolgte der Aufstieg der Stadt zur Eisenmetropole nördlich der Alpen. Handwerker, vor allem Waffen- und Rüstungsschmiede, hatten am Fuße der Burg Schutz und Lebensraum gefunden.

Sie nutzten die Wasserkraft der Steyr. Dazu wurde ein System von Kanälen angelegt, das im Wesentlichen bis heute erhalten ist.

Unter den Habsburgern wurde Steyr 1254, vom Erzberg getrennt und zum 'Lande ob der Enns' geschlagen; 1287 bestätigte Herzog Albrecht I der Stadt die alten Rechte im Handel und in der Verarbeitung des Eisens. In diesem "Großen Privileg" wurde den Steyrer Bürgern unter andern das Stapelrecht für Holz und Eisen gewährt (3 Tage lang mussten diese Rohstoffe den Steyrer Bürgern zu einem bevorzugten Preis angeboten werden, ehe sie ihren Weg zur Donau fortsetzen durften)

Die 1287 durch Herzog Albrecht I eingeräumten Vorrechte im Eisenhandel machten die Stadt und ihre Bürger reich, Handelsbeziehungen mit Deutschland und Osteuropa, sowie Venedig sind seit 1190 belegt. Das rasche Aufblühen der Stadt im 14. Jahrhundert förderte den Zuzug von Handwerkern. Neben Harnischmachern und Klingenschmieden waren es vor allem Messerer. Mitte des 15. Jahrhunderts erreichte die Stadt ihren wirtschaftlichen Höhepunkt. Steyr war damals neben Wien eine der wohlhabendsten und vornehmsten Städte Österreichs!

Doch in den Wirren der Zeit verlor der Handel mit Eisen immer mehr an Bedeutung. Im 15. Jahrhundert begannen sich die ersten Anzeichen für den Niedergang des Eisenwesens bemerkbar zu machen. Der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, Gegenreformation und der große oberösterreichische Bauernkrieg führten zum wirtschaftlichen Niedergang der Stadt.

Die katastrophale Wirtschaftslage und der 1625 ergangene Ausweisungsbefehl für Protestanten hatte die Auswanderung von 228 Steyrer Familien zur Folge: es waren Steyrer Messerer, die die berühmte Solinger Stahlwarenerzeugung gründeten.

Um das darniederliegende Eisenwesen zu beleben, kam es 1625 zur Gründung der Innerberger Hauptgewerkschaft, der Vereinigung von Radmeistern, Hammerherren und Eisenhändlern zu einem Konzern, aus dem später die Alpine Montangesellschaft hervorgehen sollte.

Im 18. Jahrhundert begannen hier ansässige bürgerliche Meister mit der Erzeugung von Säbeln, Bajonetten und Gewehrbestandteilen. 1830 gründete schließlich Leopold Werndl einen Betrieb, in dem er mit 450 Arbeitern Gewehrbestandteile erzeugte. Dem Sohn, Josef Werndl, gelang der große Schritt vom einfachen Unternehmer zum Großindustriellen. In wenigen Jahren baute er die Fabrik seines Vaters zu einer der größten und modernsten Waffenfabriken der Welt aus.

In ihrem Gefolge schlugen hier eine Reihe anderer Industrieunternehmungen ihre Sitz auf: u.a. die Gummifabrik Reithoffer (bis 1932), Nägel- und Drahtstiftfabriken, Messer- und Bestecke-Produktion.

Das weitere Schicksal der Waffenfabriks AG mit der Umstellung zum Autobau nach dem Ersten Weltkrieg, mit der Umwandlung zur Steyr-Werke AG (1925) und zu Steyr-Daimler-Puch-Werke AG ist wie das Schicksal der Stadt überschattet von der Weltwirtschaftskrise.

Zu den Ingenieuren, die für die PKW-Produktion von Steyr-Daimler-Puch arbeiteten und als Pioniere des österreichischen Automobilbaus gelten, gehörten u.a. Hans Ledwinka (Tatra), Professor Ferdinand Porsche und Karl Jenschke.

Nach dem Anschluss an das Deutsche Reich wurden die Steyr-Daimler-Puch-Werke wieder zu einem Rüstungskonzern umgeformt. Während des Zweiten Weltkrieges dominierte die Rüstungsproduktion mit ca. 32.000 Beschäftigten das den Reichswerken Hermann Göring angeschlossene Unternehmen. Die Produktionspalette wurde auf die Produktion des deutschen Standardgewehres, des Karabiners K98, ausgeweitet, und Entwicklung und Produktion des Maschinengewehrs MG 42 und des Sturmgewehrs StG 44 wurde aufgenommen.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt Steyr als Industriestandort und somit als strategisches Bomberziel schwere Zerstörungen und Verluste.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bestand ein großer Bedarf an Nutzfahrzeugen und Traktoren. Die Produktion von Lastwagen Type 370 mit V8-Benzinmotor wurde 1946 aufgenommen, die Produktion von PKW wurde 1940 beendet. Auf dieser Dieselentwicklung beruht auch die Produktion der Steyr-Traktoren.

Mitte der 1960er Jahre umfasste das Produktionssortiment Pkw, Lkw, Geländewagen, Traktoren, Landmaschinen, Wälzlager, Jagdwaffen, Panzer, Motorräder, Fahrräder und Werkzeuge.

Ab 1980 war die Steyr-Daimler-Puch AG das drittgrößte Industrieunternehmen Österreichs mit etwa 17.000 Beschäftigten.

Ab 1988 begann die Zerteilung und der Verkauf der Steyr-Daimler-Puch AG: den Beginn machte der schwedische SKF-Konzern, der das Steyrer Wälzlagerwerk übernahm, dann wurde das LKW-Werkes an den deutschen Konzern MAN verkauft; auch die deutsche Zahnradfabrik (ZF) und der Magna-Konzern von Frank Stronach kauften sich in Steyr ein.

Von 1942 bis 1945 war im Stadtteil Münichholz das KZ-Nebenlager Steyr-Münichholz: hier waren bis zu 3.000 Häftlinge untergebracht, die in den Steyr-Werken zur Rüstungsproduktion herangezogen wurden.

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl