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Johanneswein#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Johanneswein
Johanneswein, Pfarre Sievering Wien 19, 2009
© Helga Maria Wolf

Johannes, bekannt als Apostel und Evangelist, wird in der Bibel mehrfach zitiert. Vor seiner Berufung war er Fischer und wurde - mit Petrus und Jakobus d.Ä. - zu einem der "Vorzugsjünger". Johannes starb in hohem Alter, nicht als Märtyrer. Die neuere Theologie unterscheidet zwischen dem Apostel, dem Verfasser (oder den Verfassern) des Evangeliums und dem Autor der Geheimen Offenbarung.

An der Wende vom Altertum zum Mittelalter drang der Kult in den Westen vor. Man weihte Johannes Kirchen in Rom, Ravenna und anderen italienischen Städten. Seine Verehrung spiegelt sich in zahlreichen Legenden. Am bekanntesten ist jene vom Giftbecher, an die der Brauch der Johannesminne erinnert. Als der Apostel in Kleinasien predigte, versprach ihm ein heidnischer Priester, an den Christengott zu glauben, wenn Johannes bereit sei, einen Giftbecher zu leeren. Dieser segnete den Becher mit dem Kreuzzeichen und trank ihn unbeschadet aus. Es wird auch erzählt, dass er im hohen Alter nur noch predigte: 'Kindlein, liebet einander!'.

Der Brauch, dem Andenken des Heiligen einen Minnetrunk darzubieten, begegnet häufig in Zeugnissen des frühen Mittelalters. Es handelte sich um einen Abschiedstrunk als höfische Sitte, die auch bei Hochzeiten üblich war. Wer die Minne genoss, hoffte, auf Reisen oder im Kampf keinen Schaden zu erleiden. Seit dem 13. Jahrhundert etablierte die Kirche eine Formel für die Segnung des (weißen) Johannesweins am 27. Dezember. Danach tranken die Gläubigen aus einem Pokal "die Liebe des heiligen Johannes". Zunehmend unterstützten die Priester populäre Vorstellungen. Sie reichten den Wein Reisenden, Pilgern und Soldaten zum Abschied, "Besessenen", Verurteilten vor der Hinrichtung, der Gottesdienstgemeinde zu Neujahr und Brautpaaren bei der Hochzeit. Die Gläubigen ließen auch ihren eigenen Wein segnen, in der Überzeugung, Johanneswein schütze vor allem Übel, Zauber und Gewitter, sei hilfreich für den Ertrag der Felder, als Freundschafts- und Sterbetrunk und am Ende jedes Festes. Die Donauschiffer vergossen einige Tropfen für den glücklichen Verlauf ihrer Salztransporte und gegen das Ertrinken. Martin Luther erwähnt, dass er scheidenden Gästen Johannestrunk und -segen gewährte. "Sankt Gertruds Lied" aus dem 15. Jahrhundert erzählt von einem Ritter, der seine Seele dem Teufel verschrieben hatte. Die heilige Gertrud rettete ihn durch Johanneswein: "Sankt Gertrud kocht ihm einen Trank, drein tat sie Sankt Johannis Gewalt, an Sankt Johannis Segen, daran ist alls gelegen. Er setzt die Schal an seinen Mund und trank sie aus bis auf den Grund …" Daraufhin ließ der betrogene Teufel von seinem Opfer ab.

Auch als Wegzehrung für die "letzte Reise" wurde die Johannesminne verwendet. "Sant Johanes segen nehmen" galt als Umschreibung für Sterben. Albrecht Dürer berichtete von seiner sterbenden Mutter: "sy begert awch for zw trynken sent Johans segen." Eine Biberacher Chronik des 17. Jahrhunderts bestimmte, die Siechenmagd möge immer zwei Kannen Johannesminne für die Kranken bereit halten.

Quellen#


Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur und Geschichte. Wien - Köln - Weimar 2005
Alle heiligen Zeiten. Lieder und Texte im Jahreskreis. Atzenbrugg 2010
Redaktion: hmw