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Judenplatz#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Die Wiener Judenstadt mit Synagoge, Spital und Lehrhäusern befand sich 1294 bis 1421 im Bereich der heutigen Straßenzüge Stoß im Himmel, Schwertgasse, Färbergasse, Drahtgasse, Schulhof, Kurrentgasse, Kleeblattgasse, Schultergasse, Jordangasse. Ihr Zentrum war der heutige Judenplatz.

Das 2010 neu gestaltete Museum Judenplatz im ehemaligen Misrachi-Haus informiert über die jüdische Gemeinde im Mittelalter, die zu den größten und bedeutendsten Europas zählte. Berühmte Rabbiner machten Wien zu einem gelehrten Zentrum. Dies fand 1420/21 durch die "Wiener Gesera" ein jähes Ende. 1995 entdeckte man die Reste der damals zerstörten Synagoge. Sie war der zentrale Ort der Glaubenslebens, der Gerichtsbarkeit, Administration und des Lernens. Auf 480 m2 Fläche umfasste die „Schul“ verschiedene Bereiche wie Unterrichtsräume oder getrennte Beträume für Männer und Frauen. Die Ausgrabungen sind im Untergeschoß des Museums zu besichtigen.

Schoah-Mahnmal, © Peter Diem
Schoah-Mahnmal
© Peter Diem

Lessing-Denkmal, © Peter Diem
Lessing-Denkmal
© Peter Diem

Oberirdisch erinnert das Schoah-Mahnmal von Rachel Whiteread an die Opfer des Nationalsozialismus. Der 10 mal 7 Meter große und 4 Meter hohe Betonkubus stellt eine Bibliothek dar, wobei die Buchrücken nach innen gewandt sind. Seit 1982 steht das Denkmal für Gotthold E. Lessing (1729-1781) auf dem Judenplatz. Die von Siegfried Charoux (1896-1967) ausgeführte Statue erinnert an den Dichter, dessen Schauspiel „Nathan der Weise“ zur Zeit der Kreuzzüge von einem Juden aus Jerusalem handelt. Lessing zeichnete von Nathan ein Bild edelster Menschlichkeit, die über die Beschränktheiten der Volks- und Religionsunterschiede erhaben ist.

Quelle#

  • Helga Maria Wolf: Spurensuche Wien. Erfurt 2007
Redaktion: hmw