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Jungfernsprung, Gösting - Heimatlexikon - Alltagskultur

Jungfernsprung, Gösting#

Liebe und Tod am Jungfernsprung#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Schloss Gösting
Nach einem Blitzschlag wurde am Fuße des Burgbergs Schloss Gösting erbaut.
© Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl

Burg Gösting
Burg Gösting, heute eine Ruine, früher Heimstätte der Anna von Gösting.
© Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl

Jungfernsprung
Von dieser heute mit einem Kreuz versehenen Stelle soll sich die unglückliche Anna in den Tod gestürzt haben.
© Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl

Jungfernsprung
Aufgrund sagenhafter tragischer Ereignisse trägt der Felsen den Namen „Jungfernsprung“.
© Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl

Einfach sagenhaft: Die zur Ruine verfallene Burg Gösting im Norden von Graz und der in unmittelbarer Nähe befindliche Jungfernsprung waren Schauplatz einer Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang.


Am 10. Juli 1723 saß Graf Attems angeblich bei Tisch, als seine Burg plötzlich von einem Blitz getroffen wurde. Daraufhin ging das seit dem 11. Jahrhundert bestehende Gemäuer in Flammen auf und brannte großteils nieder. Das heute noch für Veranstaltungen benutzte Rokokoschloss – Schloss Gösting – ließ Graf Attems daraufhin am Fuße des Burgbergs erbauen, während die Ruine verfiel. So weit die Baugeschichte in Kurzform. Was aber wäre eine Burg ohne Geheimnisse? Nun, deren kann die Ruine Gösting gleich mit mehreren aufwarten, allen voran mit der tragischen Liebesgeschichte der Anna von Gösting.

Anna und der Jungfernsprung #

Der Name des Jungfernsprungs rührt von einem unglücklich verliebten Mädchen mit einer ausgesprochen traurigen Geschichte her. Wie es zur damaligen Zeit üblich war, wurden die Mädchen für die Hochzeit mit einem Mann ganz einfach bestimmt; Wahlfreiheit gab es nicht. Natürlich waren die jungen Frauen mit der Auswahl nicht immer zufrieden. Und so kam es, dass sie aus Verzweiflung freiwillig den Tod wählten. Auch Anna, die sich von einem markanten Felsen in der Nähe der Burg, später „Jungfernsprung“ genannt, hinab in den Tod stürzte … Wie es dazu kam, schildert eine Sage in mehreren unterschiedlichen Varianten. Eine Version erzählt, Ritter Wulfing von Gösting habe zwei Töchter gehabt. Für Katharina wurde der „Ritter von Thal“ ausgesucht. Um Anna bewarben sich zwei Ritter, keiner von beiden aber stand dem Vater zu Gesicht. Daher überließ man die Entscheidung den Waffen, wie es zu dieser Zeit üblich war. Bei dem Zweikampf fiel ein Ritter dem Schwert zum Opfer. Offensichtlich der falsche – Anna konnte dies nicht verkraften, rannte zum Felsen und stürzte sich in die Tiefe. Auch der bereits erwähnte Kyselak schrieb in seinem Buch „Skizzen einer Fußreise durch Österreich“ über die Anna von Gösting und stellt eine zweite Version vor, in der Annas Vater den Geliebten der Tochter tötet (aus ebenda, Seite 90):

Zornentglüht, daß die Tochter es wagte, einen Anderen, als den vom Vater ihr Bestimmten zu wählen, erlegt Wülfings schwerer Arm den unglücklich Geliebten im Zweikampf; Anna, über des Vaters gräßlichen Sieg rasend, springt in die Tiefe der Felsschlucht; dennoch war Wülfing nicht hart genug, den Tod der Tochter zu überleben – beide sanken, Anna durch die Grausamkeit des Vaters, dieser durch die Verzweiflung der Tochter ermordet, in die Grube.

Und eine dritte Version spricht überhaupt von einem Bauernmädchen, das sich vom Jungfernsprung gestürzt haben soll, weil es sich dadurch den Nachstellungen durch einen Ritter von Gösting zu verweigern suchte.

Heute sind die Ruine Gösting und der angrenzende Jungfernsprung ein beliebtes Ausflugsziel für Jung und Alt.


Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch:

Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl. Geheimnisvolle Steiermark. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2011.


--> Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)