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K.u.k. Hoflieferanten#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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J. Lohner, Wien 9
Geschäftshaus und Wagen des Hoflieferanten Lohner, Wien 9
© Slg. Wolf

Der - bis 1918 verliehene - Hoflieferantentitel war in der österreichisch-ungarischen Geschäftswelt, aber auch im Ausland sehr begehrt. Er war an keine bestimmte Branche gebunden und die Verleihung mit einer relativ hohen Taxe verbunden. Ursprünglich wurden Firmen bevorzugt, die für den Haushalt bei Hof wichtig waren. Gegen Ende der Monarchie wurde daraus ein Ehrentitel. Voraussetzung blieben aber Schuldenfreiheit und geschäftlicher Erfolg des Betriebes. Vom Inhaber selbst wurde verlangt, dass er in moralischer, familiärer und staatsbürgerlicher Beziehung tadellos und unbescholten sei. Dem Kunden garantierte der Titel hervorragende Qualität.

Die erste Auflistung von Hoflieferanten stammt aus dem Jahr 1782. Sie verzeichnete je einen Spezereihändler, Glaser-, Fischer-, Müllermeister, Hofgeflügelmayer, Hofobstler, Hoföler, eine Wildbrethändlerin und zwei Wachshändler. 1804 kamen ein Hofbäcker und Hofzuschrotter (Fleischhauer) dazu. Die Gewerbetreibenden waren vertraglich an den Hof gebunden, der sich dadurch besserer Leistungen versichern wollte. Der Hof war aber nicht verpflichtet, bei diesen Firmen einzukaufen. 1883 gab es in Wien 399 Hoflieferanten, 1918 bereits 506.

1996 widmete sich die Ausstellung "Kunde: Kaiser" im Schloss Schönbrunn den ehemaligen k.u.k. Hoflieferanten. Damals durften sich in Wien 98 Firmen dieses Privilegs erfreuen. Dazu zählen so bekannte Namen wie die Klavierfabrik Bösendorfer, Konditorei Demel, Lobmeyr-Glas, die Hotels Imperial oder Sacher. Der Schuhmacherbetrieb Rudolf Scheer & Söhne bewahrt in einer Vitrine mit Erinnerungsstücken u.a. die Leisten von Schuhen für Kaiser Franz Joseph auf. Die Wagenbaufirma Lohner lieferte Pferdewagen, Autos und entwickelte Elektromobile (System Lohner-Porsche), die auch als Geländewagen bei Kaisermanövern im Einsatz waren. Weitere Hoflieferanten bestanden in Tirol, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und Kärnten, sowie in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, den Niederlanden, Tschechien, Ungarn und den USA.

Quelle#

Ingrid Haslinger, Kunde: Kaiser. die Geschichte der ehemaligen k.u.k. Hoflieferanten. Wien 1996
Redaktion: hmw