Künstlergärten in St. Leonhard - Austria-Forum : Heimatlexikon
Künstlergärten in St. Leonhard#
Indianische Kultur in Waldviertler Künstlergärten - Der Jaguar von St. Leonhard

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Auf der Suche nach einem geeigneten Ort für seine Arbeit war der Tiroler Bildhauer Peter Bär vom Waldviertel angezogen und auf den weiten Höhen von St. Leonhard am Hornerwald fündig geworden, mit einem kleinen Anwesen, in dem er sein Atelier einrichten konnte und das genug Platz für die Aufstellung der Skulpturen bot. 2001 wurde umgezogen und die Gestaltung der neuen Umgebung energisch in Angriff genommen, vor allem im Außenbereich. Das Haus war von knorrigen Bäumen mit alten Apfel- und Zwetschkensorten umgeben. Sie blieben stehen und wurden durch Neupflanzungen von regionalen Obstsorten und autochthonen Heckensträuchern ergänzt.
Neben seiner schöpferischen Tätigkeit am Stein und seiner Arbeit als Kunsterzieher in Krems wurde Peter Bär damit zu einer Art Landschaftspfleger, der mittlerweile auch für die Erhaltung von Künstlergärten verantwortlich zeichnet. Schuld daran ist seine Frau Ingeborg. Sie hatte Beziehungen zu mexikanischen indigenen Künst- lern aus Chiapa geknüpft, die seit 2002 nach St. Leonhard eingeladen werden, um hier als Artist in Residence ihre Idee eines Gartens zu verwirklichen. Die Wiese unterhalb des Hauses ist der ideale freie Raum, in dem aus Holz, Metall oder Stein und den natürlichen Farben, Formen und Gerüchen von Blumen und Kräutern völlig unterschiedliche Beete komponiert werden; an sich selbständige Arbeiten, die aber aufgrund ihres gemeinsamen Konzepts zur Gesamtinstallation der Künstlergärten verschmelzen.
Im Jahre 2003 gab es bereits eine Ausstellung in St. Leonhard. Unter dem Titel „La Sonrisa del Lagarto – Das Lächeln der Echse“ wurden acht Positionen aktueller Kunst aus dem Süden Mexikos im örtlichen Handwerksmuseum gezeigt. Ein kleines Wunder innerösterreichischer Akzeptanz war geschehen: Die beiden zugereisten Tiroler galten nach kürzester Zeit als Waldviertler und bauten ihrerseits als Einstand einen kulturellen Brückenkopf nach Lateinamerika. Mit einem ausführlichen Artikel einer New Yorker Kunsthistorikerin in einer renommierten Kulturzeitschrift wurde die Welt auf die künstlerischen Aktivitäten in St. Leonhard aufmerksam.
2004 überschritt der Jaguar, ein heiliges Tier der Indianer, die neue Brücke – vorerst mit der Ausstellung „Bajo la piel del Jaguar – Unter dem Fell des Jaguars“ im österreichischen Kulturzentrum im Palais Pálffy in Wien. Eröffnet wurde sie durch den mexikanischen Wirtschaftsminister Fernando Canales Clariond. In den Künstlergärten erschien der Jaguar 2006, als Werk des Malers Antun Kójtom Lam. Auf einigen wenigen Quadratmetern hat der Künstler das Gesicht dieser Großkatze als Garten angelegt, der zu jeder Jahreszeit dem Betrachter die gewaltige kultische Bedeutung des Jaguars erahnen lässt.
Mittlerweile wurde von Ingeborg Bär diesseits und jenseits des Atlantiks Knochenarbeit verrichtet, um hier Ausstellungsmöglichkeiten und dort Reisekostenunterstützungen für die Künstler auszuhandeln. Öffentliches Geld für das „Projekt Künstlergärten“ gibt es keines – ein Umstand, der sich für die Initiatoren letztlich als Segen herausgestellt hat. Sie haben sich damit Freiheit und Unabhängigkeit erhalten.
Und die Zukunft? Viele neue Künstlergärten sowie ein Textbildband mit Geschichten aus dem Waldviertel und Erzählungen der Indianer. Ingeborg Bär plant die Ausgabe in allen daran beteiligten Sprachen: Indianisch, Spanisch, Deutsch und im Waldviertler Dialekt, ergänzt durch Arbeiten der am Projekt beteiligten Künstler.
Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch: Hannes Gans, Eva Wrazdil: Geheimnisvolles Waldviertel. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2007.
Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)


