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Der Kammerhof in Bad Aussee#

Macht und Prunk der Salzverweser hinter Gotik- und Renaissance-Fassade

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Kammerhof
Der Kammerhof
© Willi Senft

Fensterkreuze
Gedrehte und gerautete Stäbe als Fensterkreuze
© Willi Senft

Den Chlumeckyplatz - wenn man so will, den Hauptplatz von Bad Aussee - dominiert nicht das neuzeitliche Amtsgebäude, sondern der altehrwürdige „Kammerhof", der bis 1924 Sitz der mächtigen Salinenverwaltung war und in dem die Herren Salzverweser residierten.

Der dreigeschossige Bau mit siebenachsiger Schauseite wurde im 15. Jahrhundert errichtet - wann, weiß man nicht so genau - und ab dem 16. Jhdt, mehrmals umgebaut. Bis auf den heutigen Tag verleihen die kurios anmutenden spätgotischen Fensterumrahmungen und -kreuze in Form von gedrehten und gerauteten Stäben aus rotem Fludergrabenmarmor dem stolzen Gebäude seinen besonderen Reiz. Er wird noch durch die als Erker vorspringende Westachse und die schmiedeeisernen Fensterkörbe im Erdgeschoß betont.

Über dem Eingangsportal mit geradem Sturz findet sich ein Wappenstein mit Reichsadler, der an den Besuch Kaiser Maximilians I. am 13. und 14. Dezember 1511 erinnert. Im ersten Obergeschoß ist auch das „Kaiserzimmer" zu sehen; sein Portal und der Marmorkamin sind wiederum mit gedrehten Rotmarmorstäben verziert.

Hoferhaus
Im "Hoferhaus" spukt es angeblich heute noch...
© Willi Senft

Neben dem Kammerhof steht das turmbewehrte, nicht viel jüngere „Hoferhaus", das Reste gotischer Fresken zeigt, mit denen der berühmte Salzverweser Christian Praunfalk seinen Besitz schmückte. Es ist auch eines der wenigen echten Spukhäuser Österreichs. Um das Jahr 1600 wurde das „Hoferhaus" von einer Familie Mürzer bewohnt, deren Porträts noch immer in einem der Räume hängen. Irgendwann vergiftete die Frau ihren Mann und ihre kleine Tochter und wurde daraufhin zum dreifachen Tod verurteilt auf das Rad geflochten, geköpft und verbrannt zu werden. Dies geht zumindest aus einem vergilbten Zettel hinter dem Porträt der Giftmörderin hervor, während ein anderes Papier eine bis heute nicht entzifferte Geheimschrift zeigt und mit den Worten endet: „Pastus satanis est peccata hominum"; zu deutsch: Den Teufel zu füttern (das Böse zu nähren) ist des Menschen Sünde. Seither sind die Schritte der Mürzerin immer wieder im Haus zu hören, und manchmal öffnen sich Türen von selbst, wie auch die heutigen Bewohner bezeugen. Weshalb aber das Gesicht der Mürzerin im 19. Jahrhundert übermalt und ihr andere Züge verliehen wurden, weiß niemand mehr zu sagen...

Beiden Gebäuden gegenüber stand seinerzeit der riesige Hofkasten, in dem von der Salinenverwaltung angekauftes Getreide gelagert wurde, das von den Salzfuhrleuten als Gegenladung mitgebracht wurde. Bis ins 19. Jahrhundert erhielten die Salinenarbeiter praktisch kein bares Geld in die Hand, sondern wurden vor allem durch Naturalien entlohnt.

Quellen#

  • Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft