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Kamptal#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Stift Altenburg
Stift Altenburg
© Österreich-Werbung, Foto: Wiesenhofer

Der Kamp ( keltisch "camp-" = krumm, 791 erstmals urk. erw. als "Camp") ist mit ca. 160 km Länge der größte Fluss des Waldviertels. Der Große Kamp entspringt bei Liebenau (Oberösterreich) auf rund 930 m Seehöhe und bildet auf 11 km Länge die Grenze zu Niederösterreich . Unweit der niederösterreichischen Burg Rappottenstein vereinigt er sich mit dem Kleinen Kamp, der im Weinsberger Wald entspringt. In der gleichnamigen Stadt mündet der nächste Zubringer, die Zwettl, in den Kamp. Ein weiterer Zufluss ist der Purzelkamp, der unterhalb von Spielberg und Traunstein entspringt und in den Ottensteiner Kamptalstausee fließt. Die Täler des Großen, des Kleinen und des Purzelkamp wurden zum Naturpark erklärt.

Das Kamptal verläuft überwiegend im Granit- bzw. Gneishochland der Böhmischen Masse, dem Waldviertel. Dessen Entstehungsgeschichte reicht 300 Millionen Jahre zurück. Charakteristisch für die stark gewellte und eingekerbte Hochfläche sind aufragende Granitformationen. Bei Ottenstein verlässt der Kamp das Granitgebiet und schneidet in die Schieferhülle des östlichen Waldviertels ein. Bis Schönberg ist der Talverlauf durch Serpentinen gekennzeichnet. Hier bildet der Fluss eine geographische Grenze: Am rechten Ufer erhebt sich der Gföhler Wald mit einer Seehöhe bis 600 m, am linken fällt das Horner Becken bis 300 m ab. Die Gföhler Hochfläche ist ein Hügelland mit Laubwäldern und Äckern. Den Unterlauf kennzeichnet der Löss gekennzeichnet, der als guter Boden für den Weinbau bekannt ist. Die Gegend um Langenlois gilt als größtes geschlossenes Weingartgebiet Österreichs.

Geschichte: Das untere Kamptal und das Horner Becken sind reich an prähistorischen Funden. Die Museen in Eggenburg, Horn und Langenlois bewahren Relikte aus der paläo- bis neolithischen, bronze- und eisenzeitlichen Besiedlung. Die Römer hatten zur Zeit der Markomannenkriege, um 280 n. Chr. in Plank am Kamp ein Marschlager. Auf dem Schanzberg bei Gars am Kamp befand sich ein slawisches Herrschaftszentrum. In dieselbe Gemeinde verlegte Markgraf Leopold II. anno 1090 seine Residenz. Im Spätmittelalter wurden die Stifte Zwettl (1426) und Altenburg (1427) von den Hussiten zerstört. Horn, Greillenstein und Rosenburg waren protestantische Zentren, ehe die Gegenreformation das Waldviertel zu einer "katholischen Sakrallandschaft" umgestaltete. Zurzeit Kaiser Joseph II. sollte der Kamp von der Donau aufwärts bis Gars schiffbar gemacht werden und von dort ein Kanal nach Norden führen. Der Plan scheiterte am "krummen" Verlauf des Flusses. Seit 1875 führt die Franz-Josefs-Bahn ins Waldviertel. Dies war mit ein Grund, das Kamptal um die Jahrhundertwende als Sommerfrische zu entdecken. Zahlreiche Villen und Freibäder erinnern an diese Zeit.

Bis heute beliebte touristische Ziele im Kamptal sind u.a. Arbesbach (Reste der Kuenringer-Burg), Rappottenstein (Burg mit Kapelle und Museum), Stift Zwettl, die Stauseen Ottenstein, Dobra und Thurnberg, Stift Altenburg, Gars am Kamp (Archäologischer Park am Schanzberg, Burgruine, Kurpark), Buchberg (Schloss), Plank (Mühlen, Strandbad), Schönberg (Weinlehrpfad), die Weinstadt Langenlois und Grafenegg (Schloss und Park).

Quellen#


Zwischen Bedrohung und Bewahrung (Hg. Werner Gamerith). Wien 1987
Susanne Hawlik: Sommerfrische im Kamptal. Wien 1995
Othmar Pruckner: Das Kamptal. Wien 1994
Redaktion: hmw