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Kamptal-Kraftwerke#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ottensteiner Stausee
Ottensteiner Stausee
© Hilde & Willi Senft

Der Kamp, der Hauptfluss des Waldviertels, fließt von Westen nach Osten und hat 2 Quellflüsse - Großer Kamp und Kleiner Kamp - die sich bei Rappottenstein vereinigen. Bei Zwettl mündet die gleichnamige Zwettl in den Kamp; ab hier durchfließt dieser in Mäandern das mittlere Kamptal - ein enges Tal, das wegen seiner landschaftlichen Schönheit ein beliebtes Ausflugsziel ist.

Von der Quelle bis zur Mündung in die Donau im Tullnerfeld findet der 159 Kilometer lange Lauf seinen Weg vom rauen Granithochland des oberen Waldviertels bis zu den warmen Lössterrassen des Kamptaler Weingebietes. Bis Zwettl durchziehen die Zuflüsse ein Hochland mit Granitfelsen und Mooren, östlich von Zwettl entstand in den 1950er Jahren durch die Errichtung der Kraftwerke Wegscheid-Thurnberg, Krumau-Dobra und Ottenstein (mit einer 65 m hohen Staumauer) eine künstliche Seenlandschaft mit fjordartigem Charakter, die zahlreiche Bademöglichkeiten bietet.

Die drei Stauseen (Ottensteiner Stausee, Dobra Stausee und Thurnberger Stausee) haben – obwohl von Menschenhand geschaffen - zu einer großen Bereicherung der Landschaft geführt.

Die weitere Flussstrecke zwischen Wegscheid, Steinegg und Rosenburg wird durch Wanderwege erschlossen und bietet mit ihren Schluchten ein ökologisch wertvolles Rückzugsgebiet für seltene Tier- und Pflanzenarten.

Im Kamptal wurde am 1898 das erste Dreiphasen-Wechselstromkraftwerk der Monarchie (der elektrischen Kraft- und Licht-Centrale der Zwettler Elektricitäts-Genossenschaft) in Betrieb genommen.

Ursprünglich war zwar ein Gleichstrom erzeugendes Werk geplant gewesen, dann aber betrieb eine Girard-Turbine einen Drehstrom Generator.

Damit war Zwettl Zwettl der erste Ort in der gesamten Monarchie, der diese neue Technologie in einem Kraftwerk anwendete. Schon 1898 wurde in Zwettl eine elektrische Straßenbeleuchtung installiert.

Die heutige EVN geht ursprünglich auf das 1907 gegründete Landes-Elektrizitätswerk des Erzherzogtums Österreich unter der Enns zurück. Das Landes-Elektrizitätswerk baute für die Elektrifizierung der Mariazellerbahn und die Belieferung der Stadt St. Pölten das Wasserkraftwerk Wienerbruck, das bei seiner Eröffnung 1911 das größte Speicherkraftwerk Österreich-Ungarns war. Nach dem Zerfall der Habsburger-Monarchie und der Trennung des Erzherzogtums in die Bundesländer Niederösterreich und Wien wurde 1922 die NEWAG (Niederösterreichische Elektrizitätswirtschafts-Aktiengesellschaft) gegründet.

Die Stromerzeugung erfolgte überwiegend aus Wasserkraft. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde das Unternehmen in "Gauwerke Niederdonau AG" umbenannt.

Die Gauwerke Niederdonau übernahmen mehrere bis dahin selbstständige Elektrizitätswerke; die Städte Horn, Krems, St. Pölten, Waidhofen an der Ybbs und weitere Eigentümer von größeren Elektrizitätswerken wurden mit Vorzugsaktien der Gauwerke Niederdonau abgefunden, kleine E-Werke wurden (unter politischem Druck) bar aufgekauft.

Nach 1945 strebten einige ehemalige Besitzer die Restitution ihres Eigentums an. Eines der beiden Kraftwerke des Elektrizitätswerks Lichtenstern in Wilhelmburg wurde seinem jüdischen Eigentümer rückgestellt, das zweite, größere, verblieb im NEWAG-Eigentum.

Mit der Verstaatlichung der österreichischen Elektrizitätswirtschaft 1947 (2. Verstaatlichungsgesetz) wurde das Land Niederösterreich Alleineigentümer der NEWAG. Die meisten der noch bestehenden selbständigen Elektrizitätsversorger wurden von der NEWAG übernommen.

Die EVN ging 1986 aus der Verschmelzung der niederösterreichischen Landes-Elektrizitätsgesellschaft NEWAG mit dem Erdgas- und Fernwärmeunternehmen NIOGAS hervor.

Die EVN wurde 1989 und 1990 zu 49 % teilprivatisiert; die Mehrheit von 51 % des Aktienkapitals gehört dem Land Niederösterreich.

Ein langer Rechtsstreit um das von den Wiener Stadtwerken versorgte Wiener Umland wurde erst im Zuge der Marktöffnung Ende der 1990er Jahre beigelegt, als EVN und Wiener Stadtwerke die EnergieAllianz Austria gründeten.


--> Kamptal-Stauseen (Die schönsten Seen Österreichs)

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl


Sehr schöner und informativer Beitrag über die aus der Stromerzeugung resultierende herrliche Naturlandschaft aus "zweiter Hand." Leider hat die EVN eine Reihe kleinerer Kraftwerke wie etwa jenes des Stiftes Herzogenburg stillgelegt. Dieser schwere energiepollitische Fehler sollte so rasch wie möglich korrigiert werden.

-- Glaubauf Karl, Dienstag, 6. Dezember 2011, 19:57