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Die Kerntrag-Weiber von Hallstatt#

Wer war hier das "schwache" Geschlecht?

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Kernbank
"Kernbank" in Hallstatt, wo die Frauen mit ihrer Last rasteten.
© Hilde und Willi Senft
Kerntag-Weiber
Kerntag-Weiber (Historisches Foto - Museum Hallstatt
© Hilde und Willi Senft
Salzberg
Zwischen den Häusern geht es vom Salzberg steil herunter...
© Hilde und Willi Senft
Rudolssturm
Blick auf Hallstatt vom "Rudolfsturm".
© Hilde und Willi Senft

Die Frau, das "schwache" Geschlecht - dass man nicht lacht! Neben Kinderaufziehen, Kochen, Flicken, Schneidern, Haustiere betreuen, die kleine Landwirtschaft bestellen und weiß sonst noch was mußten die Frauen der Salz-Bergarbeiter auch Bargeld verdienen. - Die Hallstätter, das waren nämlich nicht nur die reichen Salzherren...

Neben dem Sudsalz wurde auch der reine Salz-Kern (kompaktes Steinsalz) aus dem Berg geholt und musste über eine Höhe von fünfhundert Metern in den Ort hinuntergetragen werden. Üblicherweise eine Männerarbeit - nicht aber in Hallstatt. Hier verrichteten die Frauen diese schwere Tätigkeit zur Aufbesserung des kargen Lohnes ihrer Männer, die im Bergwerk oder Sudhaus beschäftigt waren. - Bis 1890 wurde der Salz-Kern auf diese Weise ins Tal gebracht.

Zweimal am Tag gingen die Frauen mit ihren bis zu siebzig Kilogramm schweren "Kernkraxen" den Weg - womöglich im hochschwangeren Zustand! Die Folgen kann man unschwer in den Pfarrmatrikeln noch heute nachlesen: An einem Tag wurde der Name eines Neugeboren ins Taufbuch eingetragen, am nächsten stand er bereits im Totenbuch.

Dieses harte Los der Hallstätter Frauen erinnert übrigens an das nicht minder beschwerliche Schicksal der Frauen von Vordernberg, die im eiskalten Bach fast das ganze Jahr über nach Eisenresten der Hochofenschmelze suchen mussten - ihre vom Rheumatismus verformten Glieder kann man sich leicht vorstellen...

Quellen#

  • Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft