Klamschlucht - Austria-Forum : Heimatlexikon
Klamschlucht#
„Inferno nach Damaskus"

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Zugang: Vom Ort Klam
in südlicher Richtung 5 min.
Klammlänge: 1.000 m, Höhenunterschied 10 m, Gehzeit 15 min., Markierung rot, OK Blatt 52.
Beste Zeit: Ganzjährig begehbar.
Beschreibung:
Vor 20 Jahren machte man Werbung für die Klamschlucht, in dem man ein „m" dazu schmuggelte und sie auf Tafeln „Klammschlucht" bewarb. Das wäre doch ein Hit: Klamm und Schlucht zugleich! Aber sie ist nach der Burg Clam und dem Ort Klam benannt und eine echte Schlucht.
Die Klamschlucht ist ein weites Tal, das vor dem Auslaufen ins Machland bizarre Felsszenerien aufweist. Die Schlucht ist schnell beschrieben: Anfang und Ende sind sehenswert, dazwischen liegt ein „fades" Tal.
Von Klam kommend passieren Wir das Haus mit der Anschrift „Schlucht 1", einmalig in Österreich, eine ehemalige Hammerschmiede, und entdecken rechter Hand ein Marienbild mit der Inschrift „Maria in der Schlucht". Dominierend aber steht hier der Leostein, der bei entsprechender Beleuchtung dem l des Papstes Leo XIII. ähneln soll. In einer Leserreaktion wurde ich vor Jahren extra auf eine andere Deutung aufmerksam gemacht: „Da ist Leo!" heißt es beim Fangerlspiel, wenn man sich zu einer voher ausgemachten Stelle retten kann. Ein Kaiser Leo(pold) gewährte unschuldig Verfolgten Asyl. War hier auch ein „Leostein"?
Wir wandern unterhalb der Burg, die braune Farbe des Wassers und das Grün des Laubes begleiten uns zum zweiten Höhepunkt. Ein Steg und wieder Felspartien, die gewaltiger und interessanter als am Beginn sind.
Der Steig führt neben dem Bach, und beim Rabensteinblick soll eine Sage in Erinnerung gerufen werden: Im Drachenloch, einer Höhle vor der Enge in halber Höhe des Berges, ging alljährlich am Fronleichnamstag die steinerne Tür für bestimmte Personen auf, die dann in der Höhle Gold und andere Kostbarkeiten in Truhen fanden. Die Sage berichtet, dass einmal eine Frau mit dem, was sie schon an Schätzen besaß, unzufrieden war und noch weiter raffte, obwohl sich die Türe wieder zu schließen begann. Als sie dann doch noch aus der Höhle eilte, hatte sie nur Kohle in ihren Taschen.
Es gibt dort auch einen Wetterstein, von dem die Einheimischen wussten, dass er ihnen Schlechtwetter anzeigte. Wenn er nass war (vermutlich durch Kondensieren der Luftfeuchtigkeit), galt das als Anzeichen, dass es bald regnen würde.
Doch zurück zu den Schönheiten der Schlucht. Links zweigt ein „toter" klammartiger Felsgang mit einem verklemmten Felsblock ab. DerSteg läuft nun in Längsrichtung, rechts rauscht ein breiter, künstlicher Wasserfall, damit sind wir am Ende der Klamschlucht, in der Ortschaft Saxen, was wiederum „Felsen" heißt.
Um aber das Motto der Klamschlucht zu verstehen, müssen wir nochmals nach Klam zurück und die Straße, die zur Burg führt, aufsuchen. Dort steht das so genannte Stöckl, Haus Nummer 31, auf dem uns eine Inschrift Folgendes zu lesen gibt: „In diesem Haus wohnt August Strindberg, der große schwedische Dichter, während der Zeit seines Aufenthaltes im Strudengau 1893-1897." Von hier aus wanderte der Dichter oftmals in die Klamschlucht. Das Erlebnis des urgewaltigen Naturzaubers dieser Landschaft fand seinen dichterischen Niederschlag in den berühmten Werken „Inferno" und „Nach Damaskus", Hier durchlebte er auch die Wandlung vom Atheisten zum gläubige Menschen. Strindbergs zweite Frau, Frida Uhl, stammte vom Schloa Dornach (6 km südöstlich von Klam an der Donau). Zur Erinnerung an den Dichter gibt es auch ein Museum in Saxen.
Zum Schluss noch das Zitat eines Mannes, der um die Wende vor 19. zum 20. Jahrhundert die Klamschlucht so einschätzte: „Wäre sie bei einer Großstadt und müsste jeder Passant einen Heller Weggel bezahlen, so wäre ich ein reicher Mann."
Ausflugsziele in der Umgebung:#
Die Burg Clam, eine der bedeuteru sten österreichischen Burganlagen mit Führungen durch die sehen! werten Innenräume. August Strindberg-Museum in Saxen.
Text mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch:
Rudolf Speil. Klammen und Schluchten in Österreich. An tosenden Wassern. Leopold Stocker Verlag, Graz 2006; 2. Auflage 2008.
Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)