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Klosterneuburg, Schleierlegende#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Stift Klosterneuburg
Joseph Knapp: Idealansicht des Stiftes Klosterneuburg (1774)
© Stift Klosterneuburg

Die Entstehung des Stiftes Klosterneuburg Stift, Klosterneuburg geht auf Markgraf Leopold III. zurück, der 1113 seine Residenz nach Klosterneuburg verlegte und im Jahr darauf in Erfüllung eines Gelübdes ("Schleierlegende") das Stift gründete.

1133 berief der Babenbergerfürst die Augustiner Chorherren nach Klosterneuburg, die über Jahrhunderte das Stift zu einem Zentrum des religiösen Lebens, der Kultur und Wissenschaft ausbauten und auch heute noch hier wirken.

Über die Gründung des Stifts berichtet die sogenannte "Schleierlegende".

Nach dieser Legende erfasste ein Windstoß den Schleier der frisch angetrauten Agnes auf der Burg am Kahlenberg und verwehte ihn. Neun Jahre später haben ihn die Jagdhunde in den Donauauen an einem Holunderstrauch entdeckt. Dem Markgrafen erschien die Gottesmutter befahl ihm, an dieser Stelle ihr zu Ehren ein Kloster zu errichten.

Die älteste schriftliche Überlieferung der Schleierlegende aus dem 14. Jahrhundert (Chronicon pii marchionis, Stift Klosterneuburg, Übersetzung: H. Dienst) lautet so:

"Leopold Markgraf von Österreich seligen Angedenkens, regierte fromm, gerecht und mit allen guten Eigenschaften eines tüchtigen Herrschers; deshalb schenkte ihm der allmächtige Gott eine gleichgesinnte Ehefrau, Agnes, die Tochter Kaiser Heinrichs IV.

So wie sie ein Fleisch geworden waren, suchten sie einmütig den Willen Gottes zu erfüllen: Sie beschlossen, zur Ehre Gottes und zu ihrem Seelenheil eine Kirche zu errichten und auszustatten und wünschten sich durch ein göttliches Zeichen den Ort kennenzulernen, der Gott für die Errichtung einer Kirche gefällig war. Da erhob sich bei ruhigem und freundlichem Wetter ein starker Wind und entführte mit einem heftigen Stoß den Schleier vom Haupte der Agnes in weite Ferne.

Neun Jahre vergingen, da fand der Markgraf auf der Jagd den damals seiner Frau vom Kopf gerissenen Schleier vollständig unversehrt auf einem Strauch (nach einem späteren Zusatz: Hollerstrauch). Das, so war er sicher, war der durch ein göttliches Zeichen bestimmte Platz für die Kirchengründung, und er ließ ihn für einen Kirchenbau herrichten. Hier steht heute die Kirche von Klosterneuburg, in der Regularkanoniker den Gottesdienst versehen."

Siebenarmiger Leuchter, Klosterneuburg
Siebenarmiger Leuchter, 12. Jhdt.
© Stift Klosterneuburg

Die Sage ist erstmals 1371 überliefert - doch den historischen Tatsachen entspricht sie ziemlich sicher nicht: Markgraf Leopold III. von Österreich heiratete Agnes 1105; die Burg auf dem Kahlenberg wurde erst im 13. Jahrhundert erbaut; und dort, wo das Stift steht, gab es keine Gelegenheit zur Jagd, denn hier befanden sich noch die Mauern eines römischen Kastells, die bewohnt waren.

Es gibt allerdings zwei historische Objekte, auf denen die Legende aufbaut:

Schleiergewebe, Klosterneuburg
Schleiergewebe
© Stift Klosterneuburg

  • den siebenarmigen Bronzeleuchter aus der Bauzeit der Kirche - das älteste erhaltene Stück der Einrichtung. Dieser wurde im Mittelalter "Holunderbaum" (sambucus) genannt - in seinem früheren Holzkern wollte man den historischen Baumstamm sehen.
  • den Schleier, den man der Markgräfin Agnes zuschrieb - das feine, zweiteilige Seidengewebe mit aus Goldfäden geflochtener Spitze stammte vermutlich aus ihrer Zeit. Im 15. Jahrhundert dürfte der Stoff als Reliquie der Gottesmutter gegolten haben.

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl