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Knappenhaus in Schladming#


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Knappenhaus
Das alte Knappenhaus in Schladming.
© Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl

Knappenhaus
„Comic“ mit Geschichte: Auf einem Fensterbalken steht der Text, auf dem anderen befindet sich das Bild.
© Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl

Knappenhaus
Hier der Kauf des Stieres durch die Knappen.
© Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl

Fast jedes Haus hat eine Geschichte. Das alte Knappenhaus in Schladming trägt seine auf den Fensterläden zur Schau: eine schaurige Sage, die – wie alle Sagen – dennoch keine Lüge ist, bei der sich die Balken biegen...

Knappenhaus
Bizarre Gebilde aus Eis in der Talbachklamm.
© Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl

Nach Schladming reist man hauptsächlich des Skifahrens wegen. Auch beim „g’führigsten“ Schnee sollte ein kleiner Stadtbummel drinnen sein – es zahlt sich aus! Die steirische Wintermetropole am Fuße der Planai überzeugt nämlich nicht nur durch trendige Sportgeschäfte und schmucke Boutiquen, sondern auch mit ihren sehenswerten Häusern. Eines davon sticht besonders hervor. Es handelt sich dabei um das alte Knappenhaus in der Ramsauer Straße. In dem um das Jahr 1700 errichteten Holzhaus bietet heute der „kleine Laden“ Deko- und Geschenkartikel zwischen Kitsch und Kunst feil – durchaus bemerkenswert. Wesentlich bemerkenswerter ist allerdings das Haus selbst. Auf den Fensterläden aus Vollholz wird nämlich die Sage von den übermütigen Knappen des Giglachstollens in Wort und Bild erzählt: Dem Prinzip eines Comics folgend steht auf jeweils einem Balken der Fenster der Text, auf dem zweiten findet man das Geschilderte bildlich dargestellt.

Knappenhaus
Übermut tut selten gut: Auf den Balken des alten Knappenhauses in Schladming wird erzählt, was den hochnäsigen Knappen des Giglachstollens widerfahren ist.
© Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl

Demnach wussten die Knappen in ihrem Übermut nicht mehr, was sie an den freien Tagen neben dem Zechen alles treiben sollten, um ihr gar nicht gottgefälliges Leben unter Beweis zu stellen. Eines Tages kauften sie auf ihrem Weg zum Saufgelage einem Bauern einen Stier ab. Vor der Ankunft in Schladming zogen sie dem armen Vieh bei lebendigem Leib die Haut ab und trieben es vor sich her. Das gehäutete Tier sollte die Stadt nicht mehr erreichen – es brach zusammen und verendete noch unterwegs qualvoll. Dessen ungeachtet zechten die Giglacher Knappen auch an diesem Abend ausgiebig, bevor sie zum Bergwerk zurückkehrten. Einige Tage später folgte die Strafe für den grausamen Übermut auf dem Fuße: Der Stollen stürzte ein und begrub Hunderte Knappen unter sich.

Knappenhaus
Hoch darüber schwebt die Gondelbahn und bringt Wintersportler auf die Planai.
© Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl

Diese schaurige Geschichte hat ihren historischen Kern und verweist auf die alte Bergbautradition in Rohrmoos, der Nachbargemeinde Schladmings, auf deren Gebiet sich der Giglachstollen befand. Noch heute kann man dort auf den Spuren der Knappen wandeln und ein Schaubergwerk besichtigen. Auch der Knappenkeller in der Rohrmooser Erlebniswelt erinnert zumindest dem Namen nach an den Bergbau in Rohrmoos.

Vom Knappenhaus zur Winterwelt in Eis#

Einige Hundert Meter vom alten Knappenhaus entfernt beginnt – oder vielmehr endet – die Talbachklamm, welcher der gleichnamige Bach den Namen gab. Die Klamm ist vor allem im Winter einen Spaziergang wert. Der Talbach, der von Untertal kommend nach Schladming hinabstürzt, zaubert in der kalten Schlucht entlang der Ufer eine Wunderwelt aus Eis. Plötzlich taucht man aus dem hektischen Getriebe der Stadt in eine große Ruhe ein, die nur durch zwei Dinge unterbrochen wird: durch das Tosen des Wassers und – einmal – durch die Gondelbahn, die hoch über dem Tal Wintersportler auf die Planai befördert.


Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch:

Reinhard M. Czar & Gabriela Timischl. Geheimnisvolle Steiermark. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2011.


--> Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)

« Diese Seite wurde am Dienstag, 10. April 2012, 13:18 von Ziegler Katharina erstellt, zuletzt geändert am Mittwoch, 27. März 2013, 09:26 von Ziegler Katharina (Version 6).
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