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Krampus und Nikolo#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Nikolo
Nikolo-Darsteller
Slg. Wolf

Am Vorabend des Heiligenfestes von St. Nikolaus am 6. Dezember tritt der als Bischof kostümierte "Nikolo" auf, um bei einem Einkehrbrauch in Familien, Pfarren oder Gruppen kleine Kinder zu beschenken. Da es aber nicht immer etwas zu loben zu belohnen gab und der "heilige Mann" selbst nicht strafen durfte, bediente er sich eines dunklen Begleiters. Sein Name war Knecht Ruprecht, Krampus, Bartl o.ä.

Der historische Heilige fungierte in der Frühzeit des anerkannten Christentums als Bischof von Myra (Dembre, Türkei). Auf dem Konzil von Nicäa (325), das sich mit der Dreifaltigkeit beschäftigte, spielte Nikolaus eine große Rolle. Daher kommt auch die Zahl drei in Legenden und Darstellungen immer wieder vor: Er verschenkte drei Goldklumpen an arme Mädchen, erweckte drei ermordete Studenten zum Leben etc. Zwei Jahrhunderte nach seinem Tod begann die intensive Verehrung. Kaiser Justinian weihte Nikolaus um die Mitte des 6. Jahrhunderts eine Kirche in Konstantinopel. Im 8. Jahrhundert verbreitete sich der Kult auch in der römischen Kirche. Nach der Reliquienübertragung von Myra nach Bari, im 11. Jahrhundert, eroberte er in kürzester Zeit Europa. Tausende Kirchen sind ihm hier geweiht. Für die Ostkirche ist Nikolaus ein Erzheiliger (Hyperhagios). Viele Legenden erzählen von seiner Mildtätigkeit. Als Gabenbringer blieb er anfangs unsichtbar, daher der Brauch, abends die geputzten Schuhe oder gebastelte Schiffchen (er ist auch Patron in Seenot) bereit zu stellen, damit er sie mit Obst füllt. Die Ablöse des unerkannt bleibenden Gabenbringers durch den Einkehrbrauch wird mit dem Konzil zu Trient (1545-63) in Verbindung gebracht. Die katholischen Bischöfe mussten (nach der Reformation) ihre Gemeinden visitieren, um sich von ihrer "Rechtgläubigkeit" zu überzeugen. Ebenso visitierte der verkleidete Bischof Nikolaus in der Folge die Kinder in den Familien.

Der langjährige Direktor des Österreichischen Museums für Volkskunde, Leopold Schmidt, verwies auf die barocke Schwarz-Weiß-Kontrastierung von Nikolo und Krampus. Die pelzige Teufelsgestalt, die den Kindern mit Kette, Rute und Butte drohte, trug eine Maske mit Hörnern. Als "gefallener Engel" hatte er oft Flügel und jedenfalls eine Kette als abschreckendes Exempel der ewigen Verdammnis der in der Hölle angeketteten Unbußfertigen. Die Rute verweist auf den Schulbrauch, wo sie als Erziehungsmittel eine Rolle spielte. Seine Bezeichnung verdankte er den Krallen (ital. grampa - Klaue).

In den letzten Jahrzehnten kam der Einkehrbrauch des ungleichen Paares in Verruf, nachdem sich schon Pädagogen der Aufklärung gegen Familienbesuche der Krampusse gewandt hatten. Andererseits ist durch die Auftritte in jüngster Zeit entstandener "Krampusperchten"-Gruppen ein neuer Schaubrauch entstanden. Allein im Land Salzburg gibt an die 200 solcher Vereinigungen.

Quelle#

Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur und Geschichte. Wien - Köln - Weimar 2005
Redaktion: hmw