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Die Krankheitspatrone#

Barmherzige Brüder#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Kirche der Barmherzigen Brüder
Abb. 1: Die Kirche der Barmherzigen Brüder in der Annenstraße.
© B. Mader

Uns Menschen von heute ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir im Falle einer Erkrankung auf Einrichtungen wie auf eine Krankenversicherung, auf eine Krankenanstalt und auf eine Vielzahl von Medikamenten zurückgreifen können. Kaum einer von uns macht sich jedoch Gedanken, wie es etwa unseren Vorfahren im Falle einer Krankheit ergangen ist, welche Möglichkeiten diesen zur Verfügung standen, zu welchen Mitteln sie Zuflucht nehmen konnten, besonders auch dann, wenn ein finanzieller Rückhalt kaum vorhanden war.

Um sich davon eine Vorstellung zu machen, eignet sich gut ein Besuch der Ordenskirche der Barmherzigen Brüder in der Grazer Annenstraße. Schon die Etablierung dieses Ordens in Graz im Jahr 1615 war mit einer Heilung, einer medizinischen Glanzleistung, die vom Guardian der Wiener Ordensniederlassung der Barmherzigen Brüder gemacht worden war, verbunden (Abb. 1).

Gründungslegende der Barmherzigen Brüder in Graz #

Erzherzog Maximilian Ernst (1583–1616), ein Bruder des innerösterreichischen Landesfürsten Ferdinand, des späteren Kaisers Ferdinand II, war so unsachgemäß zur Ader gelassen worden, dass sich sein Arm entzündet hatte und man nur mehr an eine Amputation denken konnte. Man bereitete diese auch vor und berief zu deren Durchführung Fra Gabriele Ferrara (um 1543– 1627). Fra Gabriele war nicht nur ein bedeutender Chirurg, sondern gleichzeitig auch der Guardian der Wiener Ordensniederlassung. Dieser reiste eilends nach Graz. Hier gelang ihm das scheinbar Unmögliche, ohne Am- putation heilte er den Arm von Erzherzog Maximilian Ernst. Der Landesfürst erwies nun seine Dankbarkeit und ermöglichte die Gründung eines Konventspitals (1615), womit das segensreiche Wirken der Barmherzigen Brüder in Graz begann (Abb. 2).

Gründungsurkunde
Abb. 2: Gründungsurkunde der Barmherzigen Brüder.
© B. Mader

Heilung von Körper und Seele #

Als geistlicher Orden war den Barmherzigen Brüdern außer der Heilung von Kranken auch das Seelenheil ihrer Mitmenschen ein Anliegen. So entstanden neben den Hospitalbauten immer auch prächtige Kirchen. Damit bot man den Menschen auch Hilfe auf transzendenter Ebene an, wenn sie sich in ihrer existentiellen Not an die zahlreichen Heiligen, vor allem an Krankheitspatrone wenden wollten. Diese Einstellung war durchaus verständlich, konnten sich viele eine medizinische Betreuung gar nicht leisten. Da war dann schon ein „Wunder eines Heiligen“ notwendig.

Die Barmherzigen Brüder errichteten im Jahr 1615 in der Murvorstadt vorerst ein bescheidenes Ordensspital mit nur wenigen Betten, welches sie in den nächsten 20 Jahren auch mit einer eigenen Apotheke versahen. Im Spital konnte man medizinische Behandlung erfahren und in der Apotheke, sofern man Mittel dazu hatte, Medikamente erwerben.

Natürlich ging der Orden auch sofort daran, neben dem Spital ein Gotteshaus zu errichten. Vorerst war es ein bescheidener, kapellenartiger Bau, die so genannte „Rondelle“. Der Grundstein für ein zweites Gotteshaus wurde 1636 gelegt, welches 1638 vollendet wurde. Mit der dritten und letzten Kirche, nach Plänen von Georg Stengg, wurde 1735 begonnen. Sie wurde im Jahr 1769 vollendet.

Quelle#

  • Klinoptikum (Ausgabe 4/2011)


Redaktion: Mag. pharm. Dr. Bernd Mader