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Kurorte aus der Monarchie#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

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Kurpromenade in Teplitz
Die Kurpromenade in Teplitz. 1876. Aquarell v. Rudolf von Alt, Deckfarben. Staatliche Graphische Sammlung München
© IMAGNO/Austrian Archives

Die lange Tradition der Heilbäder begann bereits im alten Rom; schon damals wurden heiße Dämpfe, Mineral- und Thermalquellen zu therapeutischen Zwecken genutzt und Heilbäder angelegt.

Bis um 1800 verwendete man den Begriff "Wildbäder" zur Bezeichnung der Thermen, was sich auf die natürlichen Ursprünge der warmen Heilbäder bezog.

Konstantinquelle in Bad Gleichenberg
Die Konstantinquelle des Kurorts Bad Gleichenberg. Österreich. Photographie um 1890
© IMAGNO/Austrian Archives

Ende des 16. Jahrhunderts interessierte man sich zunehmend auch für "Sauerbrunnen" und andere kalte Mineralwässer. Die Zahl der "Heilquellen" nahm hiermit stark zu, Trinkkuren gerieten in den Vordergrund.

Ende des 17. Jahrhunderts – nach dem 30jährigen Krieg - entwickelte sich das Heilbäderwesen rasch: manche der "Wildbäder" hatten den Ruf wahre "Wunderbrunnen" zu sein, und zogen ganze Pilgerscharen von Kranken an, die Heilung suchten. So wurden Badehäuser angelegt und Quartiere für die Gäste gebaut; zahlreiche Brunnen begannen einen Mineralwasserversand, teilweise auch ohne Kurortfunktion.

Bad Gastein
Bad Gastein. Salzburg. Österreich. Handkoloriertes Glasdiapositiv um 1910
© IMAGNO/Öst. Volkshochschularchiv

Bad Gastein und Baden wiesen schon im 14. bzw. 15. Jahrhundert Badebetrieb auf, Bad Tatzmannsdorf wurde 1650 entdeckt (und verfügt seit 1820 über einen Badebetrieb), die Quelle in Sauerbrunn wurde um 1800 entdeckt und wird seit 1847 genutzt.

Bad Gastein erhielt 1791 das Badeschloss, Bad Hall wurde 1820 Kurort, Bad Deutsch-Altenburg und Bad Gleichenberg folgten 1834, Bad Vöslau ist seit dem 19. Jahrhundert Kurort, die Trinkhalle in Bad Ischl wurde 1819 errichtet.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich das englische Bath zum größten Badeort in Europa - während der Hauptsaison (im Herbst und Winter) kamen damals etwa 8000 Gäste in den Ort!

Ab dem 19. Jahrhundert übertrug sich diese Entwicklung auch auf das europäische Festland: die Ostseebäder wie Heiligendamm, die böhmischen Kurorte Karlsbad und Marienbad oder die österreichischen Kurorte Bad Ischl oder Bad Gastein entwickelten sich bald zum Treffpunkt der gehobenen Gesellschaft.

In Böhmen reihten sich die Heilquellen von Bodenbach an der Elbe bis zum Alexanderbad im baierischen Fichtelgebirge: Tepliz, Bilm Eachvitz, Krondorf, Gießhübl-Sauerbrunn, Karlsbad, Franzensbad, Marienbad; auch im heutigen Rumänien gab es bekannte Kurorte: Herkulesbad (Baile Herculane) oder Buzias (Bad Busiasch).

Der tschechische Kurort Karlsbad
Der tschechische Kurort Karlsbad in einer Gesamtansicht. Photographie. Um 1930
© IMAGNO/Austrian Archives

Kurort Karlsbad
Teilansicht vom tschechischen Kurort Karlsbad. Photographie. Um 1930
© IMAGNO/Austrian Archives

Promenade in Marienbad
Promenade in Marienbad. Photographie. Tschechien. Um 1930
© IMAGNO/Austrian Archives

Durch die Entwicklung der Eisenbahn konnte sich die Sommerfrische, das beim Adel übliche Übersiedeln vom Quartier in der Stadt auf den Landsitz, noch weiter verbreiten - das unbequeme Übersiedeln des gesamten Hausstandes wurde zur Erholungsreise: bekannte österreichische Sommerfrischen der Jahrhundertwende (und bis weit in das 20. Jahrhundert hinein) waren das Salzkammergut, die Region um Semmering und Rax, das oststeirische Joglland, der Wienerwald und das Kamptal als Wiener Naherholungsräume.

Kurort Abbazia (Opatija)
Ansicht des Kurortes Abbazia (Opatija). Istrien Kroatien. Photographie von Edmund Jelussich um 1890
© IMAGNO/Austrian Archives

Erschlossen wurden die Gebiete durch die Südbahn (ab 1838), die Semmeringbahn (1854), die Westbahn (1858), die Kamptalbahn, die Salzkammergutbahn (1869) und die Salzkammergut Lokalbahn (1893).

Seebad Abbazia
Rückseite von Wintercurort und Seebad Abbazia - ein Führer für Curgäste i.A. d. Curcommission. Ill. v. Stefanie Glax. 1902/1903
© IMAGNO/Archiv Dr. Samsinger

Entlang dieser neuen Eisenbahnen entstanden Villen und Hotelbauten - so waren u.a. die Südbahnhotels ausschlaggebend für die Gründung berühmter Kurorte:

dazu zählen u.a. die Höhenluftregion Semmering (seit 1998 UNESCO-Weltkulturerbe), aber auch Toblach (heute Dobbiaco/Italien) im Südtiroler Dolomitengebiet und der adriatische Kurort Abbazia (heute Opatija/Kroatien) - alles Orte, die eng mit Österreichs Eisenbahngeschichte verwoben sind.

1892 wurde auch Grado in die kaiserliche Liste der Kurorte der Donaumonarchie als "See-Kurort" eingetragen.

Im 20. Jahrhundert bemühten sich auch kleinere Orte, die Bezeichnung "Bad" zu erhalten und als Badekurort anerkannt zu werden - "Neuentdeckungen" waren z.B. Bad Schallerbach (Oberösterreich, 1918) und Bad Bleiberg (Kärnten, Therme 1931).

Plakat für das Seebad Grado
Josef Maria Auchentaller. Plakat für das Seebad Grado Österreichisches Küstenland. 1906. Farblithographie. Druck Albert Berger Wien
© IMAGNO/Austrian Archives

Die behördliche Anerkennung eines Heilbads erfolgt auf Basis des Bundesgesetzes über natürliche Heilvorkommen und Kurorte mit den entsprechenden Ausführungsgesetzen der Bundesländer.

Voraussetzung ist das Vorhandensein eines natürlichen ortsgebundenen Heilvorkommens: dies sind ortsgebundene natürliche Vorkommen, die auf Grund besonderer Eigenschaften und ohne Veränderung ihrer natürlichen Zusammensetzung eine wissenschaftlich anerkannte Heilwirkung ausüben oder erwarten lassen - darunter fallen auch klimatische Einwirkungen. Natürliche Heilmittel können eingeteilt werden in: Heilwässer, Peloide (Schlick, Moor..), Gase (CO2) und Heilfaktoren (Klima, Lage, Höhe..)

Die behördliche Anerkennung eines natürlichen Heilmittels ist landesgesetzlich geregelt; werden über das Heilvorkommen hinaus bestimmte zusätzliche Kriterien erfüllt, kann ein Ort als Kurort bezeichnet werden.


--> Gesundbrunnen und Bäder (Kronprinzenwerk - Die österreichisch-ungerische Monarchie in Wort und Bild, Böhmen II, Band 15)

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl