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Heimatlexikon - Unser Österreich

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Kutschen- Equipagen
Equipagen. Croquis No. 5 von R. v. Benza. Um 1820. Kolorierter Kupferstich von Sonntag. Gedr. Bei J. Rauh. Verlag und Eigenthum von L.T. Neumann in Wien
© IMAGNO

Die lebhafte Aufwärtsentwicklung im Wagenbau im 18. Jahrhundert äußerte sich nicht nur im Entstehen von Kutschenmanufakturen, sondern auch in einer verwirrenden Typenvielfalt. Es gab, um nur einige zu nennen, zweirädrige Wagen, sogenannte Velocipede, und einachsige Fuhrwerke, die vor allem in Frankreich, England und Amerika gerne gefahren wurden, wie das Gig (Dog-cart), die Charette, den Basket (ein Korbwagen), den Tilbury und die Wagonette. Es gab vierrädrige Phaetons und Amerikainen mit abnehmbarem Verdeck, Kaleschen, Landauer und Landauletts, steifgedeckte Wagen wie die Berline, Omnibusse zur Beförderung mehrerer Personen, Gesellschafts- und Dressurwagen für Land- und Jagdpartien, Leichentransportwagen und Schlitten.

An der Herstellung von Wagen und Kutschen waren immer mehrere Handwerker unterschiedlicher Profession beteiligt. Die Arbeit des Wagners bestand darin, die Räder – die aus Naben, Speichen und Felgen zusammengesetzt wurden –, die Gestelle und die Wagenkästen aus gut getrockneten Hölzern anzufertigen. Das zähe und elastische Eschenholz eignete sich vorzüglich für Gestellteile, Naben und Speichen, ebenso Ulmen-, Eichen- und das amerikanische Hickoryholz. Für den Wagenkasten und die Radfelgen griff man gern zum Holz der Buche; Fichte, Tanne und Kiefer lieferten die zum Wagenbau nötigen Bretter und Verschalungen, und das Holz der Pappel, Linde und Weide wurde hauptsächlich zu Vertäfelungen benutzt.

Besonders berühmt waren die "Lohner-Werke", die 1821 von Heinrich Lohner gegründet wurden. Bereits in den 1860er Jahren (in der dritten Generation) kam der Schritt zur Großindustrie. Als der Wagenbau um die Jahrhundertwende in die Krise kam, wandte sich Lohner dem risikoreichen Automobilbau zu. Die Firma stellte Pferdewagen, u.a. für das k.u.k. Ärar, Automobile und Flugzeuge her. 1892 durfte Ludwig Lohner seinen Betrieb "k.k. Hofwagen-Fabrik" nennen. Die Jahreszahlen 1896-1898 markieren die Schlussphase des reinen Wagenbaus.

Auch wenn die Kutschen und Wagen als Transportmittel ausgedient haben, werden sie heute noch in Traditionsbetrieben gebaut. Sie werden für Freizeitfahrer und den Turniersport hergestellt. Besonders schwierig gestaltet sich der Bau mittlerweile durch die Materialbeschaffung. Während Holz leicht zu erwerben ist, wird es spätestens bei dem Eisen für Beschläge etc. schwer, da es oft Maßanfertigungen bedarf. Diese Situation wird sich durch die schwierige Position der Spezialwerkstätten in der Wirtschaft in Zukunft sicher noch verschärfen.

Weiterführendes#

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010
  • AEIOU


Redaktion: S. Erkinger-Kovanda