unbekannter Gast

Landkartenmaler und -stecher#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Astronom
»Der Astronomus« (Astronom). Kupferstich von Jost Amman. Aus: Hans Sachs und Jost Amman. »Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden …«. Frankfurt am Main 1568
© Ch. Brandstätter Verlag

Landkartenmaler und -stecher übertrugen die geographischen Erkenntnisse von See- und Landfahrern, Navigatoren, Soldaten, Kaufleuten, Geographen, Geologen, Forschungsreisenden, Kolonisten, Pilgern und Landvermessern in eine graphische Darstellung in Form von handlichen Karten, deren Genauigkeit mit der Zeit stetig zunahm. Die ersten kartographischen Versuche waren Aufzeichnungen eher primitiver Art, die als Erinnerung an einen Ort oder für den Rückzug auf Papyrus, Bast, Häuten, Knochen oder Holz festgehalten wurden. Die Bewohner der Marshallinseln bedienten sich noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts eines feinen Netzwerks aus Palmblattfasern zur Orientierungshilfe, wobei Muschelschalen die Lage der einzelnen Inseln andeuteten. Noch bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts wurden Karten mit der Hand auf Papier oder meist auf Pergament gezeichnet und gemalt, reichlich verziert mit Miniaturen, die das Leben in fernen Ländern, Schiffstypen, Wappen, Windgötter, Porträts der Herrscher und dergleichen abbildeten.

Der griechische Naturforscher Claudius Ptolemäus, der in Alexandria wirkte, fasste im 2. Jahrhundert nach Christus das geographische Wissen, welches sich durch Anaximander, Eratosthenes, Hipparch, Posidonius, Strabo, Marinus von Tyrus und andere Philosophen, Astronomen und Geographen angehäuft hatte, kartographisch zusammen. Dadurch, dass er die Örtlichkeiten nach ihrer geographischen Breite und Länge verzeichnete und die sphärische Erde auf einem Kegelmantel darstellte, kann er als der erste wissenschaftliche Kartograph angesehen werden. Seine Kartenwerke dienten noch den Karten stechern der Renaissance als Vorlage.

Die Römer brauchten »Straßenkarten« besonders zu militärischen Zwecken und hatten schon im 1. Jahrhundert vor Christus eine Übersichtskarte des Reichs, die auf Straßenvermessung beruhte: die Weltkarte des Agrippa. Der Inhalt der Römerkarten bildete den Kern der späteren Mönchskarten, die, meist rund, als »Radkarten« Osten (mit dem Paradies) oben, Jerusalem in der Mitte zeigten. Die große Ebstorfer Weltkarte, auf dreißig Pergamentblättern um 1235 gemalt, zeigt das Weltbild des christlichen Mittelalters am vollkommensten. Diese mappae mundi mit einem Durchmesser von dreieinhalb Metern wurde 1830 in dem Benediktinerkloster zu Ebstorf (in der östlichen Lüneburger Heide) entdeckt, wo die Mönche sie als Altarbild verwendeten. Im Zweiten Weltkrieg verbrannte das unersetzbare Meisterwerk bei einem Bombenangriff auf das Staatsarchiv von Hannover. Gegen Ende des Mittelalters erschienen in Hunderten von Handschriften sogenannte »T-O«-Karten. Gezeichnet wurde eine T-förmige Figur, die den Erdkreis in drei Teile teilte. Gesehen wurde die Karte vom »Westende« der Erde, der Enge von Gibraltar, bei den Säulen des Herkules. Afrika lag zur Rechten, Europa zur Linken und Asien zwischen beiden; die Grenzen wurden durch das Mittelmeer und den Querbalken der Figur gebildet, der das Asowsche Meer mit dem Don (Tanais) und den Nil darstellte. Umflossen wurde das grob schematisierte Weltbild vom mare oceanum, in das sich nach Dantes Wort kein Sterblicher wagen dürfe:

»Die Ufer beide sah ich bis nach Spanien /

Und nach Marokko und der Sarden Eiland, /

Und all’ die andern, die dies Meer umspület. /

Ich war nebst den Genossen alt und schwer schon, /

Als wir zu jenem engen Schlund gelangten, /

Wo Herkules sein Grenzmal aufgerichtet, /

Damit der Mensch sich weiter hin nicht wage.«

(Inferno, XXVI. Gesang)

Unberührt von dieser abendländischen Kartographie, die mehr oder minder in Imaginationen und Legenden aus der Heiligen Schrift festgefahren war, gingen Schiffskapitäne und Navigatoren (vorwiegend Italiener und Katalanen) ans Werk, um sogenannte Periplus anzulegen, brauchbare Karten aller Häfen, Küsten und Strecken, die sie befuhren. Dabei bedienten sie sich bereits des magnetischen Kompasses, und ihre Karten, die Portolankarten genannt wurden, zeichneten sich durch regelmäßig darauf verteilte Windstrahlenbüschel oder Rumbenlinien als Navigationshilfe und reichgegliederte und beschriftete Küsten aus. Doch je weniger ein Land bekannt war, um so mehr freie weiße Flächen blieben auf den Karten zurück. Die kühnen Entdeckungsreisen Marco Polos, Ibn Battutas, der Piloten Heinrich des Seefahrers, jene Engelbert Kämpfers, David Livingstones und Sven Hedins, um nur ein paar zu erwähnen, waren immer auch ein Kampf um diese »weißen Flecken«. Bartolomeo Diaz umsegelte während eines dreitägigen Sturms, ohne es zu wissen, im Winter 1487 die Südspitze Afrikas und nannte sie Cabo tormentoso (das »stürmische Kap«; später änderte der portugiesische König den Namen in »Kap der guten Hoffnung «). Zehn Jahre später fand Vasco da Gama über dieselbe Route den Seeweg nach Indien, und Fernando Magellan, dem portugiesischen Seefahrer in spanischen Diensten, gelang zwischen 1519 und 1521 die erste Erdumsegelung, womit der Beweis für die Kugelgestalt der Erde erbracht war.

Zum erwähnten Kompass erscheint die Anmerkung nützlich, dass die Chinesen schon recht früh die richtungweisende Eigenschaft des Magnetsteins kannten. Die magnetisierte Nadel als nautischer Wegweiser, die zunächst, auf einem Strohhalm liegend, in einem mit Wasser gefüllten Gefäß schwamm, wird in der europäischen Literatur am Ende des 12. Jahrhunderts erwähnt. Als Geburtsstätte gilt allgemein die italienische Stadt Amalfi. Aber schon im 14. Jahrhundert waren Kompasse vorhanden, die den heutigen sehr ähnlich waren. Christoph Kolumbus kannte und benutzte den Kompass, doch sein fester, aber irrtümlicher Glaube, er hätte auf seiner ersten Reise 1492 Indien entdeckt, beruhte auf der damals völlig falschen Einschätzung des Erdumfanges. Der Atlantische Ozean sei, wie er erklärte, »nicht sehr breit«. Tatsächlich landete die Expedition am 12. Oktober auf einer der Bahams-Inseln, die von den dort lebenden Indianern Guanahani genannt wurde. Das erste gedruckte Kartenwerk, auf dem der Name »Amerika« – freilich nur für den Südkontinent – verwendet wurde, war die 1507 erschienene große Weltkarte Universalis cosmographia der Kartographen Martin Waldseemüller und Matthias Ringmann. Sie wählten den Namen America zu Ehren des fälschlicherweise für den Entdecker des neuen Kontinents gehaltenen Amerigo Vespucci, der immerhin die erste Beschreibung verfasste. In ihr vertrat er die These, es handle sich bei dem neugefundenen Land nicht um Asien, sondern um – »quartam pars mundi« – einen neuen Weltteil, einen anderen Kontinent.

Das historische Ereignis des 15. Jahrhunderts war der Fall Konstantinopels 1453, durch den nicht nur die griechischen Gelehrten und damit die Kenntnisse des Ptolemäus ins Abendland gelangten, sondern der auch – weil die Osmanen den Zugang nach Indien gesperrt hatten – die verzweifelte Suche eines direkten Seewegs dorthin auslöste. Hinzu kam, dass Buch- und Plattendruck gerade begannen, die Verbreitung solcher Kenntnisse zu fördern: die Ptolemäuskarten in Holzschnitt und Kupferstich wie jene berühmten, 1482 in Ulm gedruckten Karten des deutschen Kosmographen Donnus Nicolaus Germanus. Die erste moderne in Deutschland in Kupferdruck hergestellte Karte, die nicht auf Ptolemäus zurückging, zeigte Zentraleuropa und wurde 1491 in Eichstätt in Kupfer gestochen. Ihre Anfertigung wurde dem Philosophen, Kirchenpolitiker und späteren Kardinal von Brixen Nicolaus Cusanus (Nikolaus von Kues) zugeschrieben, der um 1451 in Eichstätt (damals Eichstädt) gelebt haben soll. Wir wissen allerdings, dass er bereits 1464 in Umbrien starb. Sehr wahrscheinlich handelt es sich bei der Eichstätt-Karte daher um die gestochene Kopie einer von Cusanus früher gezeichneten Karte, die allerdings den Hinweis enthält, dass für diese Karte dem Cusanus Dank gebühre.

Astronom
Holz-Kassette mit vier Tafeln die zusammengesetzt eine Reliefkarte der gesamten Reiseroute von Wien bis Corfu der Kaiserin Elisabeth von Österreich ergeben. Im Deckel die Symbolfiguren für die Austria und Bavaria in einer allegorischen Darstellung bezogen auf die Hochzeit (nach einem Gemälde von Leander Russ 1954) Holzrelief. Um 1860.
© Ch. Brandstätter Verlag

Im Jahre 1578 kam der letzte große »Ptolemäus« heraus, hundert Jahre nach dem ersten, gestochen von dem flämischen Geographen Gerhard Kremer, besser bekannt unter dem Namen Gerhardus Mercator. Er war ein Schüler des Mathematikprofessors und Globenmachers Gemma Frisius und übertraf alle früheren Karten dadurch, dass er seine geographischen Karten kritisch bearbeitete und ihnen einen ihrem Inhalt und Zweck gemäßen Netzentwurf gab. Schon um 1544 entwarf er einen Globus in handlicher Größe, der sehr genau gezeichnet und auch an Bord zu verwenden war. Seine größte Leistung war freilich die Weltkarte ad usum navigantium 1569, die Mercatorkarte, der er einen Zylindermantel mit vergrößerten Breiten zugrunde gelegt hatte, in erstmaliger Nutzanwendung ihrer winkeltreuen Eigenschaft. Die nach ihm benannte Mercatorprojektion führte dazu, dass zwei beliebige Punkte auf der Karte durch eine Gerade, die sogenannte Loxodrome, verbunden werden konnten, die alle Meridiane unter dem gleichen Winkel schneidet. Diese Besonderheit war für die Seefahrt von größter Wichtigkeit, da es die einfachste Art war, den richtigen Kurs zu bestimmen. Es ist schwer zu sagen, wann Mercator den Entschluss gefasst hatte, eine umfassende Kartensammlung mit der Bezeichnung »Atlas« herauszubringen. Er selbst berichtete im Jahre 1578 in einem Brief, dass er dafür bis zu hundert Karten würde anfertigen müssen. Der Mangel an fähigen Kupferstechern, aber auch an verlässlichen Quellen trug zum schleppenden Fortgang der Arbeiten bei, und erst 1585 konnte der erste Teil des Atlas sive cosmographicae meditationes de fabrica mundi et fabricati figura, bestehend aus einundfünfzig Tafeln betreffend Gallia – Belgia – Germania erscheinen. Vier Jahre später folgte der zweite Teil Italia – Slavonia – Graecia, der dreiundzwanzig Karten umfasste. Mercator war es nicht vergönnt, die Vollendung seines epochalen Werkes zu erleben, das schließlich sein jüngster Sohn Rumoldus 1595 der Öffentlichkeit vorstellte.

Die Idee, die Titelseiten von Kartenwerken mit dem Bild des Titanen Atlas, der die Welt auf seinen Schultern trägt, zu verzieren, allerdings ohne die Bezeichnung »Atlas« zu gebrauchen, stammt von dem angesehenen Kupferstecher Antonio Lafreri (eigentlich Antoine Lafréry aus Besançon), der sich in Rom niedergelassen hatte und dessen Kartenwerke zum nationalen Denkmal erklärt wurden.

Mit dem Verkauf der Mercatorschen Kupferplatten nach Amsterdam (1604) ging die Führung im Kartenwesen auf Holland über. Dort erschienen die großen Atlanten von Jodocus Hondius und Willem Janszoon Blaeu, einem Schüler von Tycho Brahe. Schon 1645 traten durch Nicolas Sanson – er und sein Sohn gaben mehr als dreihundert Karten heraus – französische Atlanten neben die holländischen. Aber erst seit 1700 mit Guillaume Delisle, der die astronomischen Beobachtungen umfassend zu verarbeiten begann, wurde das Kartenbild der Erde inhaltlich erneuert. Übertroffen wurde er nur von dem großen kritischen Kartographen Jean Baptiste Bourguignon d’Anville, der alles verwarf, was er nicht nachweisen konnte. »Das Ausräumen unrichtiger Vorstellungen«, war er überzeugt, »ist an sich eine der Bedingungen für den Fortschritt der Wissenschaften.«

Auch Deutschland begann wieder mit eigenen Karten und Atlanten aufzutreten: Johann Baptist Homann (1702), Johann Michael Franz (1730), Johann Matthias Hase (mit seiner kritischen Karte von Afrika kam er 1737 d’Anville zuvor), Tobias Mayer (mit einer kritischen Karte von Deutschland 1750) und der Tiroler Pfarrer Georg Matthäus Vischer, der in mehreren Kartenwerken eine Reihe österreichischer Länder neu kartierte.

Für die Darstellung des Geländes waren bis zu Beginn der Flächenvermessungen im 17. Jahrhundert sogenannte Kammzeichen (in Ornament-, Sägezahn-, Wellen- und Zackenform) und Maulwurfshügel vorherrschend, und die Wasserflächen füllte man mit Wellen, Schiffen und Seeungetümen aus. Was man nicht wusste, die »weißen Flecken« auf den Karten, versuchte man oft mit grotesken Zeichen und Figuren zu kaschieren. Jonathan Swift, der irische Schriftsteller und Satiriker, machte sich darüber in einem Vers lustig: »Geographers in Afric maps / With savage pictures fill their gaps / And over inhabitable downs / Place elephants, for want of towns.«

Dann kam man allmählich über die »Kavalierperspektive« zum Grundriss, fast stets mit den Vorläufern unserer Schraffen als Bildelementen. Unter »Kavalierperspektive« verstand man die längengetreuen (isometrischen) Darstellungen in Halbperspektive, wie sie Beobachter vom »Kavalier«, dem hochgelegenen Wall älterer Festungsbauten, über das Vorfeld hatten. In der schwierigen Aufgabe der Raumabbildung des Geländes kam es zu neuen Lösungen durch den sächsischen Militärkartographen Johann Georg Lehmann (1799) mit seiner gesetzmäßigen Schraffierung zur Darstellung der Böschungsverhältnisse, deren Verbreitung durch Senefelders fast gleichzeitige Erfindung der Lithographie gefördert wurde. Zur plastischen Wiedergabe der Geländeformen behalf man sich mit Schattenschraffen, Höhenlinien und farbigen Höhenschichten. Durch Schummerung erreichte man eine Flächentönung in gleitenden Übergängen (zum Beispiel dunkle Töne für steile, helle Töne für flache Hänge, Ebenen bleiben weiß). Karl Peucker leitete in Wien die Veröffentlichungen des Kartenverlags Artaria, mit dessen Farbenplastik die Höhen maßanschaulicher wurden. Eines seiner Hauptwerke erschien 1898 und trägt den Titel Schattenplastik und Farbenplastik.

Die »edle« Technik des Kupferstichs zur Herstellung eines Kartenbildes wurde abgelöst durch die Heliogravüre (Photogravüre) unter Zuhilfenahme der Galvanoplastik. Zur Vervielfältigung übertrug man Fettdrucke auf Stein. Der Steindruck, die Lithographie, war vorherrschend. Gerippe und Schrift entstanden dabei durch Gravur oder Tuschzeichnung auf Stein oder durch Zeichnung auf Papier und ihre photomechanische Übertragung auf Kupfer, Zink oder Aluminium (Photoalgraphie), meist aber auf Stein (Photolithographie). Stich wie Zeichnung und Photographie auf den Originalplatten gelangten durch Umdruck auf die Druckplatten.

Quellen#

  • Verschwundene Arbeit, R. Palla, Christian Brandstätter Verlag, 2010


... mit freundlicher Genehmigung des Christian Brandstätter Verlags.