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Lechtpartien#

Man muss dabeigewesen sein, um ihr Geheimnis lüften zu können

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Lechtfischen
Lechtfischen mit dem Zugnetz
© Hilde und Willi Senft

Ein Banause würde sagen: "An sich ist es nichts anderes als das Braten von Steckerlfischen" - aber zwischen dieser Banalität und dem persönlichen Erlebnis einer Lechtpartie liegen Lichtjahre.

Saiblinge
Prächtig ist die Färbung der Saiblinge in der Laichzeit
© Hilde und Willi Senft

Doch schön der Reihe nach: Der Ausdruck "Lecht" kommt von "laichen", und im Spätherbst, in der Laichzeit, findet auch das "Lechtfischen" statt. An bestimmten seichten Plätzen versammeln sich die im Hochzeitskleid herrlich rotorange gefärbten weiblichen und männlichen Saiblinge in großer Zahl, und nun lohnt sich auch das Netzfischen besonders. Am Grundlsee geschieht dies - seit alten Zeiten - mit dem Zugnetz. Nach jedem Fang werden die zu kleinen Fische zurück ins Wasser geworfen und die übrigen zum Kalter gebracht, wo sie in weibliche Fische, die "Rogner", und in männliche, die "Milchner", sortiert werden.

Am nächsten Tag wird mit der Nachzucht begonnen. Dabei wird der Rogen (ein Weibchen hat ungefähr achthundert Eier) ausgestreift, wozu Erfahrung und Fingerspitzengefühl nötig sind. Gleichzeitig streift eine zweite, ebenso erfahrene Person dem Männchen die Milch aus. Beide Produkte werden in einem Auffanggefäß gesammelt und mittels einer einfachen Gänsefeder vermischt. Dabei findet - ähnlich wie in der Natur - die Befruchtung statt. Anschließend werden die befruchteten Eier im Brutraum einer Spezialbehandlung unterzogen - aber das sind schon Fischergeheimnisse.

Die weiblichen Tiere werden nun wieder in den See gegeben, die männlichen aber landen in der Bratpfanne oder am Grillspieß.

Laichen
Dem weiblichen Fisch werden die Eier zur Gewinnung der Nachzucht vorsichtig ausgestreift.
© Hilde und Willi Senft

Leichen
Den männlichen Fischen wird die "Milch" ebenfalls ausgestreift und im gleichen Gefäß mit dem "Rogner" vermischt.
© Hilde und Willi Senft
Eine Lechtpartie bezieht sich somit lediglich auf diese Jahreszeit und hat mit der Tätigkeit eines Fischers nichts zu tun. Am Altausseer See und am Grundlsee versteht man darunter im Herbst einen fröhlichen Schmaus frischgefangener und auf Holzspießen am offenen Feuer gebratener Saiblinge - eine köstliche Delikatesse!

Die Fischer holen die Saiblinge knapp vorher aus dem Kalter, töten sie, nehmen sie aus und fahren mit der Plätte über den See hinüber zur Lechthülle, die recht verborgen und romantisch in der Nähe der tiefsten Stelle des Grundlsees liegt.

Grundlseer Lechthütte
Idyllisch umgeben Wasser und Bergwald die Grundlseer Lechthütte
© Hilde und Willi Senft

Die Gäste fahren auf der Straße über Wienern bis etwa zwanzig Gehminuten an die Hütte heran und legen den Rest des Weges auf jenem Steig zurück, der bei der bekannten Umrundung des Grundlsees begangen wird. Am Hinweg ist es noch hell, aber für den Heimweg erweist sich eine Taschenlampe als unerlässlich.

Grundlsee
Herbststimmung am Grundlsee
© Hilde und Willi Senft

Die Hütte selbst ist ganz einfach mit Tischen und Bänken ausgestattet. Gut ein Drittel wird von einer gemauerten Feuerstelle für das offene Feuer eingenommen. Auf der einen Seite sind Holzscheite zum Trocknen bis unter die russschwarze Decke gestapelt; der Rauch entweicht durch die Dachsparren. Solche Fischerhütten mit ähnlicher Ausstattung hatten schon unsere Vorfahren vor Jahrhunderten in Verwendung.

Die Saiblinge stecken auf dünnen Holzspießen an einem Eisengestell, und wenn die Glut passt, ist es erstaunlich, wie rasch die Fische, von erfahrenen Händen rechtzeitig gewendet, essfertig sind.

Brot, Salat, Wein und Schnaps bringen die Gäste selbst mit. Die Veranstalter sorgen meist auch für Musik, so dass der Fröhlichkeit keine Grenzen gesetzt sind - achtgeben muss man nur, dass man nicht zuviel Schnaps erwischt, denn der Rückweg führt über Stock und Stein. Mit der Plätte führen die Fischer ihre Gäste nicht so gerne zurück, denn es sind schon "zu viele ins Wasser gefallen..."

Völlig entspannt, hat sich noch jeder Besucher in der urigen Hülle unbeschreiblich wohlgefühlt - weit weg von Straßenlärm und Technik, auch wenn es den Rauch manchmal herunterdrückt oder ein kühler Luftzug bei der Tür hereinstreicht. Die Sorge der Fischer, "ob es wohl an nichts gebreche", tut noch das ihrige dazu.

Glutstock
Sobald der Glutstock niedergebrannt ist, werden die frischen Saiblinge von kundigen Händen gebraten.
© Hilde und Willi Senft
'Musi' zur Unterhaltung
Je nach Anlass sorgt eine mehr oder weniger stark besetzte "Musi" für Unterhaltung.
© Hilde und Willi Senft

Bis vor wenigen Jahren war es am Grundlsee, der im Besitz der Bundesforste steht, eine hohe Ehre, zu einer Lechtpartie eingeladen zu werden, und nur jenen Stammgästen vergönnt, die gleichsam schon die "höheren Weihen" erhalten hatten. Für den Altausseer See, dessen Fischereirechte einer Reihe örtlicher Familien gehören, gilt dies heute noch. Aber seit die Bundesforste eine Aktiengesellschaft geworden sind, kann auch der normal Sterbliche eine Lechtpartie "anmieten" wegen der Kosten am besten gemeinsam mit bis zu zehn Freunden. Dazu muss man sich jedoch schon Monate zuvor beim Berufsfischer der Bundesforste im Forsthaus an der Seeklause anmelden.

Quellen#

  • Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft