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Lesen#

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum


[mittelhochdeutsch lësen, althochdeutsch lësan »auswählend sammeln«, »aufheben«, »an sich nehmen«;
der Bedeutungszuwachs »Geschriebenes lesen« folgte vermutlich dem lateinischen »legere«]

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© Hauptverband d. Österr. Buchhandels

Lesen heißt, dass ein Leser einem Text (Geschriebenem, Gedrucktem, aber auch Zeichen anderer Art) im Vorgang des Verstehens Bedeutung gibt. Kompetentes Lesen erfordert nicht nur, Einzelzeichen zu entziffern, sondern darüber hinaus, Zusammenhänge eines Textes zu erschließen und ihn so synthetisierend zu verstehen.

Lesen heißt nicht, dass der Leser dem Text nur jene definierte Bedeutung mehr oder weniger korrekt »entnimmt«, die ein Schreiber ihm durch den Text »mitteilt«. Vielmehr ist Lesen eine aktive bedeutungsschaffende Tätigkeit, nicht »Sinnentnahme«, sondern Sinnbildung durch den Lesenden aus einem Text.

Neben Faktoren des Lesers (Bildung, Geschlecht, Motivation, Lesekompetenz usw.) und Faktoren des materiellen Leseobjekts (z. B. Handschrift oder Druck, Rolle oder Buch, Leserlichkeit) wie des Lesestoffes (z. B. Sachliteratur oder Belletristik) bestimmen Leseweise (Arbeitslektüre oder Unterhaltung, laut oder stumm usw.) und Lesesituation Qualität und Ergebnis des Lesens.

In der jüngsten PISA-Studie landete Österreich mit 470 Punkten nur auf Platz 31 der 34 OECD-Staaten und damit weit unter dem OECD-Schnitt (493).

Noch schlechter als beim Lesen gedruckter Texte schnitten die Schüler beim Erfassen von Texten elektronischer Medien ab (Österreich landete nur auf dem vorletzten Platz).

Die Voraussetzung dafür, mit den durch Medien und Kommunikationstechnologien vermittelten Inhalten umzugehen, sind kommunikative Kompetenzen. Dazu zählen ganz zentral Lesen und Schreiben, weil sich die neuen Kommunikationstechnologien in weiten Bereichen des Modus der Schrift bedienen.

In einer Erhebung der GfK Austria Sozial- und Organisationsforschung gaben mehr als 90 % der ÖsterreicherInnen an, sie würden mit Lesen Information assoziieren. Frauen lesen häufiger (und lieber) als Männer; Männer assoziieren Lesen stärker mit Arbeit und Pflicht.

Mit der Kampagne "Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek" veranstalten die Bibliotheken das größte Literaturfestival des Landes, das 2011 zum sechsten Mal in der Woche vor dem Nationalfeiertag stattfindet. Mit Literaturwanderungen, Vorlesestunden, Bilderbuchkino, Lese-Nächte, Literatur-Cafè und anderen Aktivitäten soll die Lust aufs Lesen geweckt werden.

Darüber hinaus gibt es im Bemühen, möglichst vielen Leuten das Lesen schmackhaft zu machen, immer wieder interessante Ansätze und Projekte, so z.B. die Gehsteig-Bücherei: eine Art "offener Bücherschrank" für alle. Die Idee stammt von Künstlern und wurde erstmals in den 1990ern umgesetzt; seitdem sind in vielen (vor allem deutschen) Städten die Büchermöbel Teil der urbanen Szenerie geworden.

Kaufte man früher seine Bücher im Fachhandel oder lieh sie sich in Büchereien aus, ist der Markt seit einiger Zeit im Umbruch: einerseits sind online-Buchhandlungen stark im Vormarsch, andererseits gibt es nicht nur 'klassische' Bücher, sondern auch Hörbucher und E-Books – und alles auch 'online' beziehbar.

Darüber hinaus plant Amazon - der größte Online-(Buch)Versandhandel, einen kostenlosen E-Book-Verleih (für Mitglieder, von denen bereits etwa 10 Prozent einen Kindle-Reader besitzen).

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl