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Luegtratte und Brendlalm#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Luegtratte bei Oberwölz
Luegtratte bei Oberwölz
© Willi Senft

Aus uralten Zeiten bis auf unsere Tage heraufgekommen, werden in der Steiermark immer noch „Steinkulte" praktiziert - ähnlich wie das in Tibet heute noch der Fall ist. Diese Stein-Hinterlegungen muß man als Opferungen verstehen; solche „Opfersteine" gibt es z. B. bei Oberwölz und der Brendlalm.

Am Weg von Oberwölz hinauf zur Roßalm steht eine kleine Kapelle mit einer Quelle, dem „Pfingstbründl", das heilkräftig sein soll. Etwa hundert Meter oberhalb, in der Nähe der „Luegtratten", wie der Platz auch heißt, befindet sich der sogenannte „Opferstein", der auch „Teufelstein" genannt wird. Der Sage nach soll einst der Teufel hier einen Menschen in diesen Stein verwandelt haben.

Wir waren auf einer Bergwanderung zur Roßalm unterwegs, als wir gerade in der Nähe eines an sich unauffälligen kleinen Felsblocks hinter einer offensichtlich einheimischen Familie einhergingen. Der Vater hielt plötzlich an und forderte die Kinder auf, so wie er auf den Fels einen Stein draufzulegen. Bei näherem Hinsehen merkten wir erst, daß schon viele größere und kleinere Steine dort lagen. - Man klärte uns auf, daß dies schon seit alten Zeiten so Brauch wäre und daß man außerdem für die „Arme Seele" ein Vaterunser beten sollte.

Interessant ist, daß auf der Oberwölzer Luegtratten traditionell am Pfingstmontag immer auch von der Landjugend ein Ranggeln durchgeführt wird - es handelt sich hier zweifellos um einen sehr alten, wahrscheinlich vorchristlichen Kultplatz.

Gedenkstein für die „ Tote Kramerin '.
Gedenkstein für die „Tote Kramerin".
© Willi Senft

Am Weg von der Brendlhütte zur Koralm kommt man an einem Bildstock vorüber, der zum Gedenken an die „Tote Kramerin" errichtet wurde, die hier schon vor längerer Zeit umgekommen ist. Angeblich ist sie einem Raubmord zum Opfer gefallen. - Die Tradition will es, daß hier die einheimischen Bergwanderer einen oft recht schweren Stein im Rucksack herauftragen. Sie schlichten ihn zu den vielen anderen Steinen rund um das „Marterl", um der „toten Kramerin zur letzten Ruhe zu verhelfen".

Wandertip#

Den ebenen Platz der Luegtratte (1.470 m) erreichen wir von Oberwölz Oberwölz, Steieremark oder Winklern aus auf leidlich gutem Fahrweg und können von hier sogar noch bis zur Vorderen Roßalm (1.647 m) weiterfahren. Unterwegs kommen wir am „Opferstein" vorbei. Von den Roßalmhütten können wir nun der Markierung durch lockeren Hochwald und später über freies Almgelände bis zur Hinteren Roßalm (2.024 m) und zum Gipfelkreuz der Roßalmspitze (2.237 m) folgen.

(Aufstiegszeit: l 3/4 Std., Karte: Freytag & Berndt; Nr.21).

Zur Brendlalm gelangen wir in knapp einstündiger Wanderung von der „Liechtensteinsäge" oder vom Gasthaus „Wirtbartl" aus und folgen nun dem markierten Weg in Richtung „Koralm-Speik" noch eine knappe halbe Stunde, bis wir zum Steinmal der „Toten Kramerin" gelangen.

(Aufstiegszeit: 11/2 Std., Karte: Freytag & Berndt, Nr. 4l)

Quellen#

  • Text und Bild aus: Steirischen Geheimnissen und Kuriositäten auf der Spur, Hilde und Willi Senft, MEDIA Marketing G.m.b.H. 2000.


Redaktion: Hilde und Willi Senft