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Heimatlexikon - Unser Österreich

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Lurgrotte#

Schauhöhle (Tropfstein- und Wasserhöhle) in der Peggauer Wand im Grazer Bergland (Steiermark)

Die Lurgrotte zwischen Semriach und Peggau, ein zusammenhängendes Höhlensystem, ist sozusagen der Mittelpunkt eines der interessantesten Karstgebiete der Steiermark.

Durch Spalten, Risse und Hohlräume im Kalkgestein konnte (und kann) das Oberflächenwasser eindringen und sich einen Weg durch den Felsen bahnen; mitgeführtes Gestein verstärkte die lösende Wirkung des Wassers, es entstand ein Labyrinth-artig verzweigtes Höhlensystem.

An der Höhlendecke traten die Wassertropfen aus und begannen abzutropfen, wobei sich die aus dem Gestein gelösten Kalkteilchen an Decke und am Boden ablagerten und dabei Stalaktiten bzw. Stalagmiten bildeten.

Die ca. 5 km lange Höhle (längster natürlicher unterirdischer Durchgang Österreichs) wird vom Lurbach mit einem Gefälle von 220 m durchflossen. In der Lurgrotte gibt es Dome, Höhlen sowie zahlreiche Tropfsteingebilde (mit so fantasievollen Namen wie "der Riese", "der Schiefe Turm", "der Einsiedler", "das Zigeunerzelt" ...) und den unterirdischen Zierhutsee.

Beeindruckend ist besonders der "Große Dom": mit 120 m Länge, 80 m Breite und einer Höhe von 40 m gehört er zu den größten Höhlendomen Mitteleuropas.

Die älteste Darstellung der Lurgrotte stammt aus den Jahren zwischen 1601 und 1605. Schon damals vermutete man, dass der Lurbach unterirdisch von Semriach nach Peggau fließt. In den Urkunden wird die Lurgrotte Semriach erstmals im Jahr 1822 erwähnt, bis 1893 waren nur die Vorhöhlen im Eingangsbereich Semriach erforscht.

Lurgrotte, Tropfsteine
Lurgrotte, Tropfsteine
© Foto: Österreich Werbung /Markowitsch
Als eigentlicher Entdecker gilt der italienische Höhlenforscher Max Brunello, dem es am 1. April 1894 gelang, eine Verbindung zu den tiefer gelegenen Höhlenteilen zu entdecken (er konnte bis zum „Großen Dom“ vordringen). Von Peggau aus war die Höhlenerforschung durch die Wasserführung des Schmelzbachs vorerst nicht möglich, erst nach 1913 - nachdem man durch einen Entwässerungsstollen den Wasserspiegel um 7 m abgesenkt hatte – war die Höhle auch von Peggau aus zugänglich.

Wirklich bekannt wurde die Lurgrotte allerdings erst durch ein Unglück: 7 Höhlenforscher waren am 29. April 1894 trotz starker Regenfälle in die Lurgrotte eingestiegen und wurden durch das ansteigende Wasser für 9 Tage in der Höhle eingeschlossen. Erst durch eine aufwendige Rettungsaktion mit über 1000 Helfern konnten die Eingeschlossenen lebend geborgen werden.

Bereits 1895 fanden die ersten Führungen statt. Immer wieder drang man in das Innere der Höhle vor, bis es am 13. Februar 1935 gelang, die Lurgrotte von Semriach bis Peggau zu durchqueren, wobei man für die ca. 6 km Wegstrecke über 17 Stunden brauchte.

Ab 1963 konnte die Höhle auf befestigten Weganlagen, in 3 bis 4 Stunden mittels geführter Gruppen durchquert werden. Diese Weganlagen wurden 1975 durch ein verheerendes Hochwasser zerstört; seit damals sind Durchquerungen der gesamten Lurgrotte nicht mehr möglich.

Heute kann die Lurgrotte von beiden Seiten, d. h. von Peggau und von Semriach aus, besichtigt werden, wobei die zwei Eingänge geschäftlich getrennt geführt werden.

Lurgrotte\Ölgemälde von Adolf Mayer
Lurgrotte

FRANZ SCHENK - FRANZ WILD

Die Lurgrotte erzählt...


Ein Streifzug durch ihre Geschichte von den Anfängen bis heute

Herausgegeben von den Marktgemeinden Peggau und Semriach anläßlich des Erscheinens der Sonderpostmarke "Lurgrotte" und des Jubiläums "100 Jahre Erforschungsgeschichte der Lurgrotte" im Jahre 1994.


--> Lurgrotte, Sonderpostmarke 1994 (Briefmarken)
--> Tropfsteine aus der Lurgrotte (Bildlexikon)

Weiterführendes#

Literatur#

  • Lurgrotte 1894-1994, Festschrift, Landesverein f. Höhlenkunde in der Steiermark (Hg.), 1994
  • F. Schenk, F. Wild, Die Lurgrotte erzählt..., 1994


Redaktion: H. Maurer, I. Schinnerl