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Mach, Ernst#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ernst Mach
Ernst Mach. Foto, 1900
© Bildarchiv der ÖNB, Wien

Ernst Mach wurde am 18. Februar 1838 in Chirlitz-Turas Chrlice (Chrlice Turany, heute Tschechische Repubik) als ältestes von drei Kindern eines Gymnasiallehrers geboren. Sein Vater übersiedelte 1842 mit der Familie nach Untersiebenbrunn bei Wien und widmete sich dort der Bewirtschaftung eines Gutes.

Unterricht erhielt Ernst Mach hauptsächlich von seinem Vater, nur 1848 besuchte er zwischenzeitlich das Benediktiner-Gymnasium in Seitenstetten, der dortige Unterricht konnte jedoch nicht Machs Aufmerksamkeit wecken.


Im Alter von zehn Jahren erlebte er die Revolution von 1848 mit. Wie viele andere Liberale dachten auch seine Eltern an eine Auswanderung nach Amerika. Als Vorbereitung wurde Ernst Mach zwei Jahre lang zum Tischler ausgebildet. Mit 15 Jahren trat er wieder in ein Gymnasium ein (in Kremsier, heute Kromeritz, Tschechei), wo sein Interesse für Physik und Naturwissenschaftsgeschichte geweckt wurde.


Mit 19 Jahren begann Ernst Mach das Studium der Mathematik und Physik bei Andreas von Ettingshausen, Josef Stefan und Josef Petzval an der Universität Wien, das er nach nur vier Jahren abschließen konnte. In der Folge widmete er sich mehr der Medizin, insbesondere der Sinnesphysiologie. Er habilitierte er sich für Physik und hielt ab 1861 physikalische Lektionen für Medizinstudenten, daraus erwuchs sein "Compendium der Physik für Mediciner" (1863).


Finanzielle Gründe zwangen ihn, nebenbei populäre Vorträge zu halten, er referierte über die Helmholtz'sche Lehre der Tonempfindung sowie Musiktheorie, erteilte Privatstunden in Mathematik und unterrichtete sogar an einer Volksschule, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten trugen ihm ein Stipendium der Wiener Akademie der Wissenschaften ein, das seine finanzielle Lage verbesserte. 1864, im Alter von 26 Jahren, wurde Mach zum Ordinarius für Mathematik nach Graz berufen. Für experimentelle Arbeiten standen ihm jedoch weder ein geeignetes Institut noch die erforderlichen Mittel zur Verfügung. Die notwendigste wissenschaftliche Ausstattung beschaffte er sich auf eigene Kosten. 1866 wurde der Lehrstuhl in eine Professur für Physik umgewandelt.

In Graz lernte er auch seine zukünftige Gattin, Ludovica Marrusig, kennen, die er am 1. August 1867 heiratete. Dieser Ehe entstammten vier Söhne und eine Tochter. Nach nur dreijähriger Tätigkeit in Graz wurde Mach nach Prag berufen, wo er in der Folge 28 Jahre lang unterrichtete.


1867 trat Mach die Nachfolge Christian Dopplers an der Prager Universität am Lehrstuhl für experimentelle Physik an. Er bekleidete mehrmals Universitätsämter, so war er 1879/80 Rektor der Prager Karls-Universität und nach der Teilung der Universität in voneinander unabhängige deutsche und tschechischen Universitäten 1883/84 Rektor der Deutschen Karl-Ferdinands-Universität. 1895 wurde Mach an die Wiener Universität auf den Lehrstuhl für "Philosophie, insbesondere Geschichte und Theorie der inductiven Wissenschaften" berufen.


1898 erlitt Mach einen Schlaganfall und wurde linksseitig gelähmt. Er trat deshalb 1901 offiziell von seiner Professur zurück. Die letzten drei Lebensjahre verbrachte er bei seinem Sohn Ludwig Mach in Vaterstetten bei München.

Er verstarb einen Tag nach seinem 78. Geburtstag, am 19. Februar 1916.


Mach war der erste - zu einer Zeit als es weder Kinematographie noch Flugzeuge gab - der Funkenaufnahmen der Bahnen fliegender Geschoße machte.

Ernst Mach gilt als Pionier auf dem Gebiet der Kurzzeitfotografie. Das Verhältnis der Bewegungsgeschwindigkeit eines Körpers zur Schallgeschwindigkeit wurde als "Mach-Zahl" eingeführt, ein Faktor mit großer Bedeutung für den Überschallflug. 1860 gelang Ernst Mach der experimentelle Nachweis der von Christian Doppler 1842 aufgestellten Theorie, dass die bei Annäherung oder Entfernung einer Schall- oder Lichtquelle vom Empfänger wahrgenommene Frequenz erhöht bzw. erniedrigt ist. Mach schlug vor, die Violett- bzw. Rotverschiebung der Spektrallinien von Sternen als optischen Doppler-Effekt zu deuten und daraus die Geschwindigkeit dieser Himmelskörper relativ zur Erde zu berechnen.

Werke (Auswahl)#

  • Compendium der Physik für Mediciner. Wien 1863
  • Die Geschichte und die Wurzel des Satzes von der Erhaltung der Arbeit. Prag 1872
  • Optisch-akustische Versuche. Die spectrale und stroboskopische Untersuchung tönender Körper. Prag 1873
  • Die Mechanik in ihrer Entwicklung historisch-kritisch dargestellt. Leipzig 1883
  • Die Prinzipien der Wärmelehre. Historisch-kritisch entwickelt. Leipzig 1886
  • Beiträge zur Analyse der Empfindungen, 1886
  • Erkenntnis und Irrtum. Skizzen zur Psychologie der Forschung. Leipzig 1905
  • Kultur und Mechanik, 1916

Literatur#

  • Heller, K. D.: Ernst Mach. Wegbereiter der modernen Physik (Wien, New York 1964)
  • F. Stadler, Vom Positivismus zur wissenschaftlichen Weltauffassung am Beispiel der Wirkungsgeschichte von E. Mach in Österreich von 1895-1934, 1982
  • J. Thide, E. Mach, in: Centaurus 8, 1963 (mit Bibliographie)
  • Hoffmann, D., u. H. Laitko (Hrsg.): Ernst Mach (1838-1916). Beiträge zu Leben und Werk (Berlin 1989)
  • Österreichisches Biographisches Lexikon
  • Neue Deutsche Biographie

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl