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Maibräuche#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Bild Maibaum
Maibaum
© Alfred Wolf
Der Mai, in dem nach den legendären "Eismännern" (Gedenktage der Heiligen Pankratius, Servatius und Bonifatius) zur Monatsmitte die kalte Jahreszeit beendet scheint, vereint eine Reihe von Bräuchen, die sich im Freien abspielen. Außerdem fallen oft die nachösterlichen Feste - Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam - in den Monat, der als Marienmonat gilt und in dem man auch den Muttertag feiert.

Schon die Nacht zum 1. Mai war brauchmäßig besetzt. Die "Walpurgisnacht" galt als Unruhnacht. Junge Männer führten Rügebräuche aus. Missliebigen Frauen setzten sie statt grünender Bäumchen dürre Äste als Schandmai vor die Fenster. Bauern fanden ihre Geräte auf Dächern und Bäumen. Wo Burschen einen Maibaum aufstellen, müssen sie ihn gut bewachen, um ihn vor dem Umschneiden oder Stehlen der "Maibaum-Piraten" (Linz) oder verfeindeter Gruppen zu bewahren. Im Weinviertel, Niederösterreich, ist in jüngster Zeit der Maistrich wieder sehr beliebt: Zwischen den Häusern unverheirateter Paare werden - oft kilometerlange - Kalkspuren gezogen, Sprüche und Herzen auf Gehsteige gemalt. Den Frauen bleibt die undankbare Aufgabe, die Spuren vor ihrer Tür möglichst schnell zu beseitigen. Erschwert wird das durch die Verwendung eines Kalk-Öl-Gemisches. In Wien bilden Fackelzüge den Auftakt zu den sozialdemokratischen 1. Mai-Feiern.

Der dienstfreie Tag der Arbeit wird seit 1890 begangen. 1889 gedachte der Internationale Arbeiterkongress in Paris des Hundertjahr-Jubiläums der Französischen Revolution. Aus diesem Anlass wurde beschlossen, den 1. Mai als Weltfeiertag des Proletariats auszurufen. Manifestationen in allen Ländern sollten die Forderung nach dem Achtstundentag unterstützen. Der 1. Mai war ein Fixpunkt im sozialistischen Festkalender, der traditionelle Aufmarsch in der Prater Hauptallee oder auf der Wiener Ringstraße (seit 1926) ein Antibrauch zum feudalen bzw. bürgerlichen Praterkorso und als "roter Umgang" zur Fronleichnamsprozession. 1919 erhob die Nationalversammlung den früheren Streiktag zum allgemeinen Ruhe- und Festtag (Staatsfeiertag).

In vielen ländlichen Gemeinden, aber auch in der Stadt, findet man Maibäume. Der Maibaum hat nicht das Geringste mit einem heidnisch-germanischen Frühlingskult zu tun. Er ist einer aus der großen Familie der Festbäume, zu der u.a. Kirtagbaum, Hüterbaum, Sonnwendbaum oder die Bäumchen zur Dachgleiche zählen. Maibaum-Feste in den heute bekannten Formen mit Volkstanz etc. sind eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Die flächendeckende Verbreitung des Brauches setzte im 20. Jahrhundert ein. Dazu trug die nationalsozialistische Brauchpflege bei, die das Aufstellen als angeblich "uraltes Symbol der erwachenden Natur" für das ganze Reich anordnete. Leopold Schmidt (1912-1981) bewies in seinem Werk "Volkskunde von Niederösterreich", dass es sich um eine städtisch-mittelalterliche Gepflogenheit handelt: Bald nach der ersten bekannten Nachricht (Aachen, 1224) erfährt man 1230 von einem Maibaum am Babenbergerhof in Wien. Das Aufstellen und Schmücken war ebenso wie das anschließende Fest eine Pflicht der weltlichen Obrigkeit. Aus Städten in Niederösterreich sind barocke Archivalien erhalten.

Die Kirche setzte den profanen - vitalen wie politischen - Bräuchen Eigenes entgegen. Sie erklärte den Mai, einen der wenigen Monate, in die keine Marienfeste fallen, zum Marienmonat. Die Verehrung der Gottesmutter Maria war ein wichtiges Anliegen der Gegenreformation. Bräuche für alle Sinne, die an vorreformatorische anknüpften, sollten das "Volk" von der Schönheit der katholischen Konfession überzeugen. 1654 erschien in Köln ein Büchlein zur Maiandacht, 1725 eine Anleitung in Parma. 1815 befürwortete der Papst die Maiandacht. Mitte des 19. Jahrhundert und besonders nach dem Dogma der Unbefleckten Empfängnis, 1854, setzte sie sich weltweit durch. Von den älteren kirchlichen Maifeiertagen ist vor allem Fronleichnam aam 60. Tag nach Ostern, durch seine Prozessionen im öffentlichen Bewusstsein. Der Umgang mit dem Allerheiligsten in der Monstranz, die der Priester unter dem alten Machtzeichen des Baldachins (Himmel) trägt, ist seit 1273 in der deutschen Abtei Benediktbeuern, in Wien seit 1334 überliefert.

Von den 54 Ländern, die den Muttertag begehen, feiern ihn 36 im Mai. Dies entspricht der geschichtlichen Entwicklung. Die Amerikanerin Anna Jarvis (1864-1948) aus West-Virginia feierte den Todestag ihrer kurz zuvor verstorbenen Mutter mit besonderer Dankbarkeit. Diese, Ann Marie Reeves Jarvis (+ 9. 5. 1905), hatte als Gattin eines Methodisten-Predigers elf Kinder und setzte zahreiche soziale und humanitäre Initiativen. Die erste Feier organisierte Anna Jarvis in einer Kirchengemeinde der Methodisten. 1909 feierten 45 Unionsstaaten den Muttertag, 1912 erhoben ihn die Methodisten zum kirchlichen, 1914 der amerikanische Kongress zum staatlichen Feiertag. 1917 kam der Muttertag über die Heilsarmee in die Schweiz. In Österreich engagierte sich Marianne Hainisch (1839-1936) , die Mutter des ersten Bundespräsidenten der Republik, für die Einführung des Muttertags, der hier seit 1924 gefeiert wird.

Quellen#

  • Alois Döring: Rheinische Bräuche durch das Jahr. Köln 2006. S. 203 f.
  • Leopold Schmidt: Volkskunde von Niederösterreich. Horn 1972. Bd. 2/S. 217 f.
  • Helga Maria Wolf: Österreichische Feste und Bräuche im Jahreskreis

Redaktion: hmw