Marillenblütenwanderung - Austria-Forum : Heimatlexikon

Marillenblütenwanderung#

Marillengärten im weißen Kleid


Heimatlexikon - Unser Österreich


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"Heimatlexikon - Unser Österreich"
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Karte
Karte
© André Winter

START: Kirchenplatz

KURZFASSUNG: Zentrum, Rotes Tor, Weingärten, Marillenkulturen, 1000-Eimer-Berg, Zentrum

HÖCHSTE WEGSTELLE: 350 m

HÖHENUNTERSCHIED: 125 m

REINE GEHZEIT: 1½ Stunden

SCHWIERIGKEIT: Charakter eines Spazierweges

TIPP: Einkehr beim Heurigen „Lagler“ ab 17 Uhr (So. u. Mo. geschlossen)

Marillenbaum
Marillenbaum
© Susanne und Rainer Altrichter

Marillenbaum, Aprikosenbaum (Prunus armeniaca)#

Familie: ROSENGEWÄCHSE (Rosaceae)

Urheimat der Marille ist China, heute ist sie in ganz Europa verbreitet. Der Baum wird in Plantagen gezogen, ca. 4 m hoch, freistehend etwas größer. Seine Krone ist rund, gespreizt, mit nach unten hängenden Ästen. Die mittelgroßen, ovalen Blätter sind herzförmig, gezahnt und spitzig. Die weiß bis hellrosa Blüten sind groß und sitzen auf sehr kurzen Stielen. Ihre Blütezeit (Vollblüte dauert ca. 1 Woche) ist Ende März, Anfang April, wobei für ein gutes Gedeihen der Früchte warmes, trockenes Blühwetter ohne Frost sein sollte. Im harten Kern der Früchte liegt der Same in Form einer kleinen Mandel. Diese und die Aprikose sind ein wichtiges Nahrungsmittel der Hunza, eines kleinen Bergvolkes im Karakorum, bekannt für seine gesunde Ernährung und die damit verbundene hohe Lebenserwartung.

Die Eine oder Keine! Was macht die Einzigartigkeit und spezielle Note der Wachauer Marille aus, die als geschützte Marke, gekennzeichnet mit dem „Pflückkorb“, verkauft wird.

Für die unvergleichliche Qualität sorgt das Zusammenspiel mehrerer Klimagegebenheiten in der Wachau. Hier trifft das pannonische Klima auf die rauen Wettereinflüsse des Waldviertels, die Nähe zur Donau und die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht.

Nicht zu vergessen die Bauern der Region, die sorgsam ihre ca. 150.000 Marillenbäume pflegen. Das Resultat ist eine Frucht, die sich sehen und vor allem schmecken lassen kann.

Prall mit roten Bäckchen, die Haut samtweich und flaumig, das Fleisch saftig, aromatisch und soooo süß! Wertvolle Inhaltsstoffe, Mineralstoffe und Vitamine machen die Marille obendrein gesund, und mittlerweile genießt sie sogar EU-Schutz.

Es heißt, man sollte drei Mal im Jahr in die Wachau reisen: Das erste Mal im Frühling, wenn im Rausch der Romantik die Marillenkulturen eine duftig weiße Blütendecke über die Ufer der Donau breiten und dieses ohnehin schon schöne Tal besonders prächtig aussehen lassen. Das zweite Mal zum traditionellen „Marillenkirtag“ in Spitz, wo sich alles um das besondere Früchtchen dreht, und nicht zuletzt im Herbst, wenn in den Kellern der Most zum Wein reift, die Winzer in den Buschenschänken zur Verkostung laden und das Laub der Reben in wunderbaren Goldtönen gefärbt ist.

Wachau#

Dass die Wachau ein besonderer Gunstplatz ist, erkannten schon frühsteinzeitliche Nomaden und Siedler. Davon zeugen die weltberühmten Steinstatuen der 32.000 Jahre alten Venus vom Galgenberg und die etwas jüngere, umso bekanntere Venus von Willendorf.

Kirchturm Spitz
Kirchturm Spitz
© Susanne und Rainer Altrichter

Um die Zeitenwende erstreckte sich das römische Weltreich bis hierher und trug zur Verfeinerung der Weinbaukultur der ansässigen Kelten bei.

Die wichtigsten natürlichen Grundlagen für den Erfolg des Weines der Wachau waren der Boden, besondere klimatische Verhältnisse und vor allem der unermüdliche Einsatz von Winzergenerationen, die seit Beginn der Weinkultur die typischen Trockensteinmauern und Terrassen anlegen. Diese ermöglichen erst eine intensive Nutzung, indem sie vor Erosion schützen und eine sichere Bewirtschaftung gewährleisten. Durch ihre Speicherleistung verstärken sie die ohnehin schon äußerst günstigen klimatischen Bedingungen im Donautal und bieten außerdem Flora und Fauna eine Heimat. Hier sieht man unter anderem die geschmeidigen Smaragdeidechsen und das Steinfedergras im Trockenrasen, welche schließlich auch Weinkategorien der Wachau den Namen gaben.

Verwitterungsböden des Urgesteins von geringer Tiefe in den oberen Hangbereichen bis hinunter zu den tiefergründigen, tonigen Böden am Fuß der Hänge geben den Weinen ihren unverwechselbaren Charakter. Die bodenständige Weinkultur hat mittlerweile weltweite Anerkennung gefunden, und unzählige Auszeichnungen sowie Lobeshymnen von Weinkritikern ergießen sich über die Wachauer Winzer. Einer langen Tradition folgend werden mit gutem Grund Weißweine bevorzugt angebaut, mit Abstand am häufigsten der Grüne Veltliner (710 ha), gefolgt vom Riesling (190 ha), über Müller-Thurgau, Neuburger bis zum Weißen Burgunder und roten Sorten wie z. B. dem Zweigelt. Mit „Steinfeder“, „Federspiel“ und „Smaragd“ wurden Kategorien von „leicht“ und „spritzig“ über „kräftig“ bis „groß“ und „gehaltvoll“ eingeführt, um dem Weingenießer die Wahl zu erleichtern.

Auf sehr sympathische Weise macht man seine Weinerfahrung in den Heurigen und Buschenschänken. Seit Kaiser Joseph II. im Jahre 1784 den Winzern das Ausschenken eigener Weine und das Anbieten von Speisen aus eigener Erzeugung per Dekret erlaubte, sind diese eine Institution geworden, die aus Weinbaugegenden nicht mehr wegzudenken sind.

Ein besonders romantischer Ort in der Wachau ist Spitz. Geprägt durch die Lage an der Donau, am Fuße des legendären 1000-Eimer-Berges, ist Spitz ein Wahrzeichen der Wachau, ebenso wie das legendäre Dürnstein, bekannt durch die Stiftskirche mit dem blauen Turm, die Raubrittergeschichten der Kuenringer und die romantische, wenn auch historisch nicht stichfeste Mär des Kreuzfahrerkönigs Richard Löwenherz. Dazu kommen noch die liebevoll sanierte Altstadt von Krems, die prächtige Stiftsbibliothek von Melk, Klöster wie Stift Göttweig und viele andere mehr, die bewirkten, dass die Wachau in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde.

Durch Weingärten und Marillenkulturen#

Anreise auf der A 1, von Osten Ausfahrt Krems/Wachau, Bundesstraße über Dürnstein und Weißenkirchen. Von Westen Ausfahrt Melk/Wachau, Bundesstraße über Willendorf und Schwallenbach. Parkplätze entlang der Donaulände von Spitz.

Spitz
Hoch über Spitz
© Susanne und Rainer Altrichter

Die Wanderung beginnt im Ortszentrum von Spitz beim Kirchenplatz. Der Weg führt um die 500 Jahre alte, spätgotische, 3-schiffi ge Kirche durch eine schmale Gasse Richtung Rotes Tor. Vorbei an Heurigen, wie Lagler, bis zum Hotel/ Restaurant Ulrike. Die Abzweigung nach rechts bringt uns auf einer kurzen Wegstrecke durch Marillenanger, die Bäume von weißen Blütenschleiern überzogen, mit Blick auf die berühmten Rieden Singerriedel und Hochrain. Ein weiterer schmaler Wirtschaftsweg führt nach links, hügelaufwärts, später als Hohlweg, direkt zum Roten Tor, dessen Name an blutige Auseinandersetzungen im 30-jährigen Krieg erinnert und andeutet, wie weit die Befestigungen der heutigen Ruine Hinterhaus reichten.

Von hier aus etwa 100 Meter abwärts zum Winzer Bracher und auf seinem Wirtschaftsweg bergauf.

Auf der Wanderung durch die Weingärten und Marillenplantagen hoch über Spitz erfreut uns ein anmutiger Reigen von Frühjahrsbotinnen. Große, magentablaue Blütenglocken der Kuhschelle, gelbe Blumenkronen der heilkräftigen Echten Schlüsselblume mit Goldton in der Mitte, zartblaue Hundsveilchen wirken wie vom Wind hingeweht, mit etwas Glück auch das echte dunkelviolette Veilchen mit seinem verführerischen Duft und unzählige kleine Feldstiefmütterchen in Weißgelb, die alle verführerisch an den Wegrändern warten, entdeckt zu werden, um den Frühling farbenfroh in unsere Herzen zu zaubern. Kleine Steiglein und Traktorwege zu beiden Seiten machen neugierig und locken.

Stets mit freiem Blick auf die umliegenden Weingärten, blühenden Marillen und Kirschen und vereinzelt rosarot heraus leuchtenden Pfirsichbäumchen geht es, dem Fahrweg folgend, durch die Riede Pluris, Steinborz und Gasselreit auf den Friedhof zu. Beim Gästehaus Kausel 20 m geradeaus, dann 20 m nach rechts, gleich darauf biegt ein Schotterweg links ab. Dieser leitet leicht ansteigend um den 1000- Eimer-Berg herum, mit Blick auf die Ruine Hinterhaus, die trägen Schleifen der Donau und die Ruine Aggstein am gegenüberliegenden Ufer. Bei einer markanten Gruppe von Granitblöcken rechts des Weges führt ein steiles Steiglein hinauf zum Turmberg. Nach Erreichen des legendären Weinberges wählt man den Weg frei zurück Richtung Friedhof und weiter durch die Friedhofsgasse, vorbei am Alten Schloss von Spitz, zum Zentrum der Marktgemeinde.

Für Radfahrer bietet sich eine Rundfahrt über den Donauradweg, unter Benutzung der Rollfähren von Spitz und Weißenkirchen, an. Dabei geht es auch durch die ausgedehnten Marillenkulturen, die vom 1000-Eimer-Berg zu sehen waren.

Marillenblüte
Marillenblüte
© Susanne und Rainer Altrichter

Echte Schlüsselblume
Echte Schlüsselblume
© Susanne und Rainer Altrichter

Feldstiefmütterchen
Feldstiefmütterchen
© Susanne und Rainer Altrichter

Smaragdeidechse
Smaragdeidechse
© Susanne und Rainer Altrichter


Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung des Stocker Verlags aus dem schönen Buch:

Susanne und Rainer Altrichter. Die schönsten Blütenwanderungen in Tirol und Österreich. Leopold Stocker Verlag, Graz 2010.


--> Bestellung des Buches (Leopold Stocker Verlag)

--> Web Book

« Diese Seite wurde am Montag, 2. April 2012, 13:00 von Ziegler Katharina erstellt, zuletzt geändert am Mittwoch, 27. März 2013, 11:41 von Ziegler Katharina (Version 8).
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