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Megalodon - Versteinerte Kuhtritte#

...hat mit Kühen nichts zu tun

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Megalodon
Megalodon nennt die Wissenschaft den versteinerten Kuhtritt, das einhundert Millionen Jahre alte Leitfossil des Dachsteinkalks.
© Hilde und Willi Senft

Auf vielen Wanderungen im Kalkfels des Salzkammerguts, so etwa bei der Loser-Umrundung oder beim Aufstieg zur Pühringerhütte, knapp vor Erreichen des Vorderen Lahngangsees, stoßen wir auf merkwürdige herzförmige Gebilde im Gestein, vor allem dort, wo die Eiszeitgletscher den Fels glattgescheuert und blankpoliert haben. Auf den ersten Blick sehen diese Gebilde wie der Abdruck eines Rinderfußes im feuchten Erdboden aus. „Versteinerte Kuhtritte" sagen die Leute allenthalben dazu.

Mit Kühen haben diese geheimnisvollen „Zeichnungen der Natur" aber nichts zu tun. Denn als diese vermeintlichen Abdrücke entstanden - vor rund einhundert Millionen Jahren -, gab es auf unserem Erdball noch gar keine Kühe.

Das, was wir hier finden, sind Fossilien, versteinerte Lebewesen der geologischen Vorzeit, Und wenn wir diese sogenannten Kuhtritte in Ruhe betrachten, dann entdecken wir bei genauem Hinschauen sogar Tentakeln, also last- und Fangarme, wie viele Meerestiere sie ausgebildet haben.

Verkarstete Bankungen von Dachsteinkalk
Lotrecht aufgestellte, verkarstete Bankungen von Dachsteinkalk bei der Loser-Umrundung.
© Hilde und Willi Senft

Bei unserem „Kuhtritt" handelt es sich, wissenschaftlich gesehen, um den „Megalodon", ein muschel- oder schneckenähnliches Weichtier mit harter Schale. Es ist zum Leitfossil des „Dachsteinkalks" geworden, zumal es in dieser geologischen Formation häufig vorkommt. Den Dachsteinkalk erkennt man sehr einfach an seinen typischen bankartigen Felsstufen, ob sie nun waagrecht ausgebildet sind oder sich gar, auf den Kopf gestellt, lotrecht durchs Gelände ziehen.

Wandervorschlag#

Eine sehr interessante Wanderung, die uns mitten durch verkarstetes Kalkgestein, aber auch zu einsamen Almen führt, ist die LOSER-UMRUNDUNG:

Wir beginnen sie beim Bergrestaurant am Ende der Mautstraße auf den Loser und folgen von hier der Markierung Nr. 201 und sodann den Hinweisschildern „Bräuningzinken". Bei der Bräuning-Alm verlassen wir den markierten Weg und begeben uns auf einem gut erkennbaren Pfad in nordöstlicher Richtung bis zum Schwarzmoos-Sattel mit dem markanten Nordost-Sporn des Bräuningzinken-Ausläufers. Nun ändern wir unsere Gehrichtung nach Westen und lassen uns durch Steinmännchen („Dauben", wie die Einheimischen sagen) weiterleiten. Dabei kommen wir durch ein wildes Karstgelände mit lotrecht aufgestellten Bänken von Dachsteinkalk. Die Stufen sind nur knie- bis gürtelhoch und problemlos zu bewältigen, aber Trittsicherheit ist hier doch angesagt! Nach gut zwei Stunden vom Ausgangspunkt gelangen wir zur prachtvollen, wie ein Adlernest gelegenen Gschwand-Alm. Hier befinden wir uns genau auf der Rückseite des Losers und folgen nunmehr einem angenehmen Pfad weiter bis zum Weg, der von der Blaa-Alm heraufführt, und auf diesem über die Loser-Hütte weiter zum Ausgangspunkt. Gesamtgehzeit: 4 Std. (Kompaß WK Nr. 20).

Lotrecht aufgestellte, verkarstete Bankungen von Dachsteinkalk bei der Loser-Umrundung.

Quellen#

  • Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft