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Mispel (Mespillus germanica)#

Rosengewächse/Rosaceae#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Mispelbaum
Mispelbaum.
Foto: H. Zell. Aus: Wikicommons unter CC

Fossilfunde weisen darauf hin, dass die Mispel bereits im Tertiär im Bereich des Kaukasus zu finden war. Man nimmt an, dass sie von den Römern nach Mitteleuropa gebracht wurde und sie war im Mittelalter ein in Europa beliebtes Fruchtgehölz. So wurden Mispeln bereits vor über 2000 Jahren bei uns angebaut, alte Mispelbäume sind allerdings heute sehr selten.

Die Mispel ist ein etwa 3-6 m hoch wachsender kurstämmiger Baum oder breiter wachsender Strauch, der vor allem sonnige Waldränder und wärmebegünstigte Standorte liebt. Die Wildformen besitzen Sproßdornen welche bei den Kurltursorten fehlen. Die weißen Blüten öffnen sich im Mai Juni, die Früchte werden gegen Ende Oktober-November reif. Die Früchte der Zuchtformen sind mit 3-7 cm größer als die der Wildformen, welche mit 2-3cm relativ klein bleiben. Auffällig ist die braune Farbe der Früchte mit den deutlich sichtbaren Kelchzipfeln.

Erst nach den ersten Frösten sind die Mispeln gut zu verwenden, da sie davor recht hart bleiben und erst danach weich und teigig werden. Die Früchte können sonst auch schon vor dem Frost geerntet werden, dann müssen sie allerdings etwa 20 Tage gelagert werde bevor sie den typischen säuerlich-aromatischen Geschmack entwickeln. Nach dem frost geerntet oder nach längerer Lagerung lassen sich Mispeln also roh essen, ansonsten können sie gut zu Gelees und Marmeladen sowie zu Säften und Likören verarbeitet werden. Sie können auch gedorrt werden und schmecken dann ähnlich wie Kletzen.

Mispel
Mispel.
Foto: Wouterhagens. Aus: Wikicommons unter CC

Im Allgemeinen sind Mispel recht robuste Pflanzen, die kaum von Krankheiten oder Schädlingen befallen werden, sie sind allerdings für Feuerbrand anfällig.

Durch den hohen Pektin und Gerbsäuregehalt der Mispel wurde sie als Zugabe zu Marmeladen o.ä. geschätzt, da sie die Haltbarkeit der Produkte verlängern, außerdem wirkt der Pektinanteil als natürliches Geliermittel. Der Vitamin C Gehalt der Früchte ist vergleichbar mit dem von Äpfeln. Unreife Früchte haben einen Tannin-Gehalt von etwa 2,6% wodurch sie zusammen mit Blättern und der Rinde auch zum Gerben benutzt wurden. Das Holz der Mispel ist sehr hart und gut für die Kunsttischlerei, zum Drechseln und für Intarsien geeignet.

In der Volksheilkunde werden Mispel bei Nieren- und Harnwegsentzündungen eingesetzt, sowie bei magen- und Darmstörungen als stopfendes Mittel.

Literatur#

  • Siegrid Hirsch und Felix Grünberger: Die Kräuter in meinem Garten, A&M, Freya Verlag Linz, 2008, S. 398
  • Hortipendium: Mispel. Das grüne Lexikon, gefördet durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (D). zuletzt aufgerufen: April 2012
  • Helmut Pirc: Wildobst und seltene Obstarten im Hausgarten. Leopold Stocker Verlag Graz, 2009, S. 39-72
  • Weiterführende Information (zuletzt aufgerufen: April 2012)


Redaktion: Maga. Lisa Maurer