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Mondsee Mondsee, Oberösterreich #

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Mondsee
© Hilde und Willi Senft
Nördlich des Wolfgang- und westlich des Attersees erstreckt sich der – mit einiger Phantasie auf einer Landkarte betrachtet – mondsichelförmige „Mondsee“. Er ist groß und heiter, kennt aber auch ernste Uferabschnitte, denn sowohl Hügelland als auch Steilwände säumen seine Ufer. Im Norden grenzen seine Gestade an die sanften Hügel des Alpenvorlandes, im Süden werden sie von der markanten Gestalt des Schafberges, der lotrecht zum See abstürzenden Drachenwand und dem Schober umrahmt.

Zwei vorspringende Landzungen bei St.Lorenz und Pichl-Auhof engen den See im Südosten ein, so dass man meint, hier einen eigenen See, dominiert vom Drachenstein, vor sich zu haben. So findet jener Reisende, der sich dem See von Osten her nähert, ein eher dunkles Gewässer. Im größeren Nordteil ist der Wasserspiegel jedoch immer hell gefärbt – blau oder grün – je nach der Beschaffenheit des Himmels. Die Winde sind am Mondsee oft extrem böig und drehend. Gefährlich ist der Ostwind, der „Bergwind“, der von den Einheimischen gefürchtet wird. Die Hauptzuflüsse des Sees sind die Zeller Ache aus dem Zellersee und die aus dem Fuschlsee kommende Fuschler Ache. Die beiden genannten Seen werden seit alters her die „Vorwärmer“ für den Mondsee genannt.

Die Dampfschifffahrt begann am Mondsee mit dem Ankauf des kleinen Schraubendampfers „Ida“ vom Attersee im Jahre 1872, der dort demnach nur drei Jahre im Einsatz war. 1873 wurde sodann der erste Raddampfer, die „Mondsee“, die später in Stephanie umbenannt wurde, in Betrieb genommen. Wenn die „Stephanie“, von Mondsee kommend, in die Bucht von Plomberg einbog, ertönten neben dem üblichen „Annäherungspfiff“ immer auch einige kurze Einzelpfiffe. – Die Eingeweihten wussten, was sie zu bedeuten hatten: So viele Kurzpfiffe, mit so vielen Bierkrügeln hatte sich die Kellnerin am Landungssteg einzufinden… Das Motorschiff-Zeitalter nahm 1950 mit den Schiffen „Götz von Berlichingen“ und „Mondsee“ seinen Anfang.

Fährt man beim Ort „See“ am Ostzipfel des Mondsees mit dem Boot auf seine schimmernde Fläche hinaus, so kann man an schönen, windstillen Tagen in Ufernähe, am Grund des glasklaren Wassers in drei bis vier Metern Tiefe einen Wald von Pflöcken sehen. Es sind die Reste von Pfahlbaudörfern. Schon in der Jungsteinzeit lebten hier Menschen und gaben einer tausendjährigen Zeitspanne (3000 bis 1800 vor Christi) den Namen „Mondseekultur“.

Mondsee im Frühling
© Hilde und Willi Senft

Verschiedenste prähistorische Gegenstände hat man aus der Tiefe geborgen und so hat man heute ein gutes Bild davon, wie die Menschen damals lebten. Sie bauten Weizen und Gerste an, aßen Äpfel, verstanden es mit der Spindel umzugehen und zu weben. Rind, Schaf und Ziege waren auch damals schon Nutztiere. Braunbär, Wisent, Elch und Luchs wurden von den Menschen gejagt. Aus Geweih und Knochen, vor allem aber aus bestimmten Gesteinen, fertigte man Werkzeuge und Waffen. Ihre Häuser waren auf waagrecht verlegten Balken gebaut, mit Flechtwerkwänden versehen und die Fugen mit Lehm verstrichen. Seit 1970, nach umfangreichen Tauchgängen, weiß man, dass die Häuser nicht im Wasser, sondern an Land in Ufernähe standen. Durch einen Anstieg des Wasserspiegels sind die Pfahlbaureste heute überflutet. – Auch an anderen Plätzen fand man inzwischen derartige Überreste, so dass gewiss ist, dass die „Mondseekultur“ bis nach Bayern und Niederösterreich hinein reichte. Das Pfahlbaumuseum in Mondsee besitzt einen umfangreichen Bestand an Keramiken und Werkzeugen aus dieser Epoche.

Der Ort Mondsee wird von der mächtigen ehemaligen Stifts- und heutigen Pfarrkirche dominiert. Auf den Resten einer romanischen Kirche wurde die eindrucksvolle Kirche im gotischen Stil erbaut und 1487 eingeweiht. Die heutige barocke Fassade und die beiden Türme stammen aus der Zeit um 1770. Im Inneren stellt sich die Basilika als dreischiffige gotische Langhauskirche mit einem Netzrippengewölbe dar, gestützt von mächtigen Strebepfeilern. Besonders bemerkenswert sind die Altäre des berühmten Barockbildhauers Meinrad Guggenbichler. Als sein größtes Werk gilt der „Corpus Christi-Altar“, den er in den Jahren 1682 bis 1684 schuf. Das Kloster Mondsee geht auf den Bayernherzog Odilo II. zurück, der es 784 gründete. Schon um 788 entstand hier der „Tassilopsalter“, der als das älteste handgeschriebene Buch Österreichs gilt (heute in Montpellier aufbewahrt). Bis 1106 war Mondsee Besitz der Regensburger Bischöfe, deren berühmtester, der spätere Heilige Wolfgang, 976 sogar für ein Jahr in Mondsee lebte und von hier aus die Kirche in St. Wolfgang am damals Abersee genannten, heutigen Wolfgangsee, gründete. Die beliebte Wallfahrtsstätte St.Wolfgang galt über Jahrhunderte als Haupteinnahmsquelle des Klosters Mondsee.


Sagen#

Das versunkene Dorf: Manchmal vermeinen heute noch Fischer bei besonders klarem Wetter tief unten im grünen Wasser die Zinnen einer Burg und die Spitze eines Kirchturmes zu sehen und dazu auch johlende Stimmen zu hören. – Vor langer Zeit stand nämlich, dort wo sich heute der See ausbreitet, ein Dorf mit gottesfürchtigen, fleissigen Bauern und auf einem kleinen Hügel eine Burg, die von einem grausamen Ritter, einem wüsten Kerl, bewohnt wurde. Nie ging er zur Kirche und hatte seinen Gefallen daran, die Untertanen zu schinden und zu unterdrücken. Eines Nachts, es war ein Sonntag Abend, erschien dem Pfarrer die Gottesmutter im Traum und forderte ihn auf, das Dorf sofort zu verlassen, da sie sonst alle verloren wären, denn es würde ein gewaltiges Wasser kommen. Noch in der selben Nacht zogen alle mit Sack und Pack sowie dem Vieh auf einen höher gelegenen Platz. Der Ritter, der mit Zechkumpanen schon den ganzen Sonntag zugebracht hatte, wurd erst unruhig, als ein schweres Unwetter aufzog, überall Wasser hervorquoll und das Talbecken mit rasender Schnelligkeit füllte. Die steigenden Wasser schlossen sich aber blitzschnell über der Burg und such sämtliche Häuser versanken. Am anderen Morgen breitete sich dort, wo Burg und Dorf gestanden hatten, ein großer See aus. Wegen seiner mondförmigen Gestalt erhoet er den Namen Mondsee.


Steckbrief#

481 Meter Seehöhe, 21 km² Wasserfläche, 11 km lang, 2 km breit, 68 m tief.
Fischkarten: Reinanken, Aale, Hechte, Saiblinge, Weißfische.
Wärmster Badesee des Salzkammergutes. Mehrere Badeeinrichtungen; Wildbaden am Südostufer.
Bootsverleih, Segeln, Surfen, Wasserschi, Parasailing. Motorboote sind im Juli und August nicht zugelassen.
Tauchsport: Das Tauchgebiet am Mondsee liegt im bereich Innerschwand /Scharfling, sodann im Gebiet Kienbach/Wiesenau und bei der Zenzmühle. Striktes Tauchverbot im Bereich der jungsteinzeitlichen Pfahlbauten und bei den Laichschonstätten. Durch die relativ hohe Wassertemperatur (bis 26 Grad im Juli/August) ist das Wasser wegen reichlich vorkommendem Plankton ziemlich trüb mit Sichtweiten bis 5 Meter. Beste Sicht im Frühjahr und Spätherbst. In kalten Wintern erhöht sich die Sicht auf 15 Meter. Aufnahmen von schlafenden Fischen bei Nachttauchgängen möglich. Sehr spärlicher Pflanzenbewuchs wegen des verschlammten Seebodens. Besonders interessant ist die Kienbergwand mit ihrem starken Muschelbewuchs sowie der zerklüftete Fels der Harnischwand.

Quellen#

  • Die schönsten Seen Österreichs. Hilde und Willi Senft. Leopold Stocker Verlag. Graz- Stuttgart