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Murecker Schiffsmühle#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Murecker Schiffsmühle
Murecker Schiffsmühle
© I. Schinnerl

Schiffsmühlen prägten über Jahrhunderte die Uferlandschaften der großen Flüsse – so drehten sich auch auf der unteren Mur dank der Wasserkraft die Räder der Schiffsmühle. Hierher haben die Bauern aus den umliegenden Dörfern, die sogenannte Mahlgäste, ihr Getreide gekarrt, um es schroten oder mahlen zu lassen.

Die Murecker Schiffsmühle Mureck liegt inmitten einer wunderbaren Aulandschaft, unmittelbar an der Grenze zu Slowenien, in der Mur verankert.

Die Mühle wurde 1997 nach originalem Vorbild errichtet und ist die einzige schwimmende und funktionierende Mühle Mitteleuropas in traditioneller Bauweise.

Nach dem Prinzip eines Hausbootes gebaut, befindet sich bei diesem Mühlentyp die gesamte Mühlen- und Mahltechnik einschließlich des Antriebs – dem Wellrad, das an das Schaufelrad eines Raddampfers erinnert, auf einer schwimmenden Plattform.

Soweit überhaupt vorhanden, gab es nur Planunterlagen mit einigen wenigen Hauptmaßen, wie sie die einstigen k.u.k.-Behörden noch verlangten; feinere Detailmaße waren nirgends zu finden, lag doch auch hier das besondere Wissen - wie in vielen anderen alten Handwerkszweigen - in der mündlichen Überlieferung und Erfahrung. Gewisse Anhaltspunkte konnten noch alte Fotos aus dieser Gegend geben, denen stilistische Details zu entnehmen waren.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung diesseits und jenseits der Mur, die in der Südsteiermark Grenzfluss zwischen Österreich und Slowenien ist, fand am 4. April 1997 der Stapellauf der gekoppelten Schiffe (ohne Aufbauten jedoch mit dem provisorisch eingebauten Wellrad) statt.

Mur Aulandschaft
Mur Aulandschaft
© I. Schinnerl
Die Schiffsmühle erhielt den Namen des einstigen Murecker Marktrichters und Baumeisters Bartholomäus Lorber, der nach 1665 den Auftrag erhielt, "das Rathaus samt Uhrturm und Uhr" zu bauen.

Bereits zwei Mal wurde die Schiffsmühle Opfer des Hochwassers und versank in der Mur, konnte jedoch in mühsamer Arbeit jedes Mal wieder gehoben werden.

Der Mühlenhof, ein 250 Jahre altes Bauernhaus, wurde im nicht weit entfernten Oberschwarza abgebaut, in originalgetreuer Feinarbeit am Ufer neben der Schiffsmühle wieder aufgebaut und als steirisches Wirtshaus eingerichtet.

Bei den Führungen auf der Schiffsmühle kann man sich den gesamten Mahlgang von der Einspeisung bis zu den Siebkästen, dem Antrieb über das Wellrad und die Kraftübertragung durch das Getriebe erklären lassen.

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl