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Narrische Auerhähne im Salzkammergut#

Und nicht nur dort!

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Auerhahn
"Narrischer" Auerhahn bei einer "Balzvorstellung"
© Hilde und Willi Senft

Auerhahn
Die "narrischen" Auerhähne scheinen gar nicht so selten zu sein, denn bei einer Schitour wurden die Autoren von einem Auerhahn nicht nur angebalzt, sondern regelrecht attackiert...
© Hilde und Willi Senft

Da gab es vor dem Gemeindeamt Grundlsee vor einigen Jahren im ausgehenden Winter gegen Abend einen Menschenauflauf: Ein riesiger schwarzer Vogel - weit größer als ein Kikeriki-Hahn - spazierte unter einigen dort angepflanzten Nadelbäumen hin und her. "Ein Auerhahn! - Nein, das gibt es doch nicht! - Eine Trappe! - Unsinn!" Erst der ebenfalls herbeigeeilte jagdlich ambitionierte Pfarrherr schuf endgültig Klarheit: „Ein Auerhahn!"

Wie zur Bestätigung gab das Tier zwischendurch auch balzende Zischgeräusche von sich und legte, sozusagen mitten im Dorf, vor den erstaunten Zuschauern mit aufgefächertem Stoß eine „Bodenbalz" hin. Zwischendurch suchte der Hahn im Schnee nach irgendwelchen angewehten Samen, und als er seine Vorstellung beendet hatte, strich er mit schwerem Flügelschlag ab. Das Ganze wiederholte sich zum Entzücken der Zuseher an den nächsten Abenden mehrmals, bis der gefiederte Geselle schließlich auf Nimmerwiedersehen verschwand. Ein "narrischer Auerhahn!" lauteten die fachmännischen Kommentare der Jägerschaft.

In diesem Zusammenhang sollte man wissen, dass der Auerhahn normalerweise zu den scheuesten Wildtieren überhaupt zählt. Nur während der Balzzeit lässt er sich blicken. Dazu muss man allerdings schon vor dem Morgengrauen am voraussichtlichen Balzplatz sein und den "Balzbaum" aufgrund der angehäuften „Losung" bereits am Vortag ausgemacht haben. In einiger Entfernung wird dann Stellung bezogen. Wenn das gute Tier im Morgengrauen auf dem Balz-Ast einfällt, ist absolut ruhiges Verhallen unabdingbar. Um näher heranzukommen, muss man nun den Balzakt abwarten und kann sich nur, solange der Hahn beim Balzen "überschlägt", das heißt ein eigenartig schnalzendes, zischendes Geräusch von sich gibt, in einigen Sprüngen näher heranarbeiten.

Sobald das Überschlagen aufhört, muss man wie eine Salzsäule erstarren. Denn wenn der Auerhahn Sie, liebe Leser, bemerkt, streicht er sofort ab.

Quellen#

  • Hilde und Willi Senft: Geheimnisvolles Salzkammergut. Magisches, Besonderes, Kurioses und Unbekanntes. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002; 2. Auflage 2003.


Redaktion: Hilde und Willi Senft