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Neujahrskarten#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Neujahrskarte
Neujahrskarte, Holzschnitt um 1500
Slg. Wolf

Seit dem ausgehenden Mittelalter verbanden adelige und geistliche Kreise persönliche Wünsche mit dem Jesuskind als Boten für ein gutes Jahr. Holzschnitte und Kupferstiche zeigen ein Spruchband und das, meist nackte, Jesulein, das einer Blume entsteigt, auf einem Polster, in der Krippe oder in einem Korb liegt. Die Schöpfer von Neujahrszetteln des 18. Jahrhunderts umgaben das Kind mit einer Fülle allegorischer Zeichen oder biblischer Szenen.

Daneben gab es um 1800 viele weltliche Motive in luxuriöser Ausführung. Mehr als 40 Verlage beschäftigten sich mit der Herstellung der "Wiener Kunstbilletts". Ein raffiniertes System versteckter Hebel öffnete Blumenkelche und Türen, bewegte Figuren und ließ überraschende Pointen auftauchen. 1794 hatte allein der Kunsthändler Johann Hieronymus Löschenkohl 323 Sorten Neujahrskarten auf Lager. Außerdem konnte man aus einer Kollektion verschiedener Texte und Bilder individuelle Karten zusammenstellen. 1808 schickte eine Wiener Freundin Johann Wolfgang v. Goethe einige Billetts, für die sich der Dichter begeistert bedankte.

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts verwendeten bestimmte Berufsgruppen gedruckte Neujahrskarten, mit denen sie gratulieren (heischen) gingen. Die "Dienerschaft" eines Wiener Kaffeehauses verteilte an die "Hochzuverehrenden Herrn Gäste" kolorierte Lithographien. Diese neue Technik verursachte eine Bilderflut, gegen die sich die mit Gratulationskarten beglückten Bürger mit einem Antibrauch zu helfen wussten: Sie befestigten so genannte Enthebungskarten am Haustor. Man erhielt diese gegen eine Spende bei Pfarrern oder Sozialeinrichtungen und konnte so dokumentieren, dass man schon Gutes getan hatte und von weiteren Besuchern, die ein Trinkgeld erwarteten, verschont bleiben wollte. 1829 führte die Wiener Pfarre Schottenfeld nach Klagenfurter Vorbild die ersten Enthebungskarten ein.

Quelle#

  • Helga Maria Wolf: Weihnachten. Kultur und Geschichte. Wien - Köln - Weimar 2005

Redaktion: hmw