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Beifußblättrige Ambrosie (Ambrosia artemisifolia)#

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Heimatlexikon - Unser Österreich

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Beifußblättrige Ambrosie
Beifußblättrige Ambrosie.
Foto: Arnold van Vliet. Aus: Wikicommons unter CC

Wann, Woher und Wie:#

Die Ambrosie wurde in Europa erstmals 1786 im Freiland nachgewiesen, kultiviert wurde sie auch schon früher. Die Meldungen über Bestände häuften sich in verschiedenen europäischen Ländern seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Aber erst in den letzten Jahrzehnten breitet sich die Ambrosie rasant aus. Die Ambrosie stammt ursprünglich aus den Prärielandschaften Nordamerikas und wurde vor allem durch verunreinigtes Saatgut o. landwirtschaftlichen Produkten (Getreide, Sonnenblumensamen, Vogelfutter) eingeführt. Sie galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts sogar als Indikator für nordamerikanische Herkunft - es wurde sogar europäisches Saatgut mit Ambrosiasamen vermischt um amerikanische Herkunft vorzutäuschen (Kowarik 2010).

Biologie:#

Die Ambrosie ist einjährig und vermehrt sich nur über Samen, wobei die Samen recht konkurrenzschwach sind. Die Pflanzen keimen ab Mai, die Samen reifen erst im September, aber jede Pflanze produziert 2000-3000 Samen, die bis zu 40 Jahre im Boden keimfähig bleiben. Die Pflanze kann bis 1,5m hoch werden, kann aber auch sehr klein und bereits 30 Tage nach der Keimung schon blühen!

Wo jetzt – Lebensraum:#

Bis in 1970er Jahre war die Ambrosie nur ein „normales Unkraut“ dann begann eine explosionsartige Ausbreitung. Innerhalb kurzer Zeit wurde sie zu einem extrem häufigen Unkraut im landwirtschaftlichen und urbanen Bereich, z.B. in Ungarn, Kroatien, Serbien, Slowakei, Ukraine, Russland…

Beifußblättrige Ambrosie
Beifußblättrige Ambrosie.
Foto: Lisa Maurer

Problem:#

Die Beifußblättrige Ambrosie verursacht vor allem gesundheitliche Probleme: Sie kann jeden Tag bis zu 2 Milliarden Pollen produzieren, welche sehr stark Allergien auslösen können und auch bei nicht Allergikern zu Asthma führen können. Die Pflanze besiedelt vor allem offene, gestörte Standorte. In der Sukzession verschwindet die Pflanze meist rasch wieder, da sie auf gut bewachsenen Flächen relativ konkurrenzschwach ist. Sie stellt daher aber auch ein problematisches Ackerunkraut dar.

Bekämpfung:#

Es ist anzunehmen, dass sich die Ambrosie durch klimatischer Veränderungen weiter in den Norden ausbreiten wird, wo das kühlere Klima derzeit noch ein Ausreifen der Samen im Herbst verhindern.

Es gibt aber zumindest ein Beispiel wo die Pflanze regional zurückgedrängt werden konnte: In Montreal (Kanada) wurde die Ambrosiapollenkonzentration in den 30er Jahren durch langfristige Programme über mehrere Jahrzehnte stark gesenkt werden (Nentwig 2011). Mit Nachlassen der Maßnahmen stiegen die Konzentrationen allerdings wieder. Wenn die Pflanze frühzeitig entdeckt wird, ist eine Ausrottung möglich.

Die Bekämpfung erfolgt am besten durch Ausreißen der Pflanze. Da die Pflanze bei empfindlichen Personen Hautreizungen verursachen kann, ist es sinnvoll dabei Handschuhe zu tragen. Ein Atemschutz ist unbedingt notwendig sobald die Pflanze zu blühen beginnt (ab Juli). Um wieder austreibende oder spätere Pflanzen zu erreichen, sollten mehrfach Kontrollgänge über den Sommer stattfinden. Pollenallergiker sollten diese Arbeit zu dem Zeitpunkt am besten gar nicht verrichten. Größere Flächen können auch gemäht werden, das sollte aber den ganzen Sommer bis in den Oktober alle 5-6Wochen erfolgen. Sollten einige Pflanzen dennoch blühen, sollte das Schnittgut nicht liegenbleiben. Da die Samen mehrere Jahrzehnte im Boden keimfähig bleiben müssen diese Maßnahmen über lange Zeit hinweg durchgeführt werden. Hilfreich ist es auch eine geschlossene Vegetationsdecke zu fördern, da die Ambrosiasamen eher spät keimen und relative konkurrenzschwach sind. Vorsicht ist bei Erdbewegungsarbeiten und Bodenbearbeitung geboten, da die Samen im Reifenprofil und über Erde leicht weiterverbreitet werden können.

Im Ackerbau können zum Teil auch Herbizide verwendet werden, wobei allerdings häufig Resistenzen auftreten.

--> Neobiota und Invasive Arten (Allgemeine Einführung)

Literatur#

  • (Kowarik 2010) Kowarik Ingo: Biologische Invasionen – Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. Mit Beiträgen von Wolfgang Rabitsch, 2. wesentlich erweiterte Auflage, Eugen Ulmer Verlag, 2010 , S.171ff
  • (Nentwig 2011) Nentwig Wolfgang (Hrsg.): Unheimliche Eroberer – Invasive Pflanzen und Tiere in Europa. , Haupt Verlag, 2011 S. 25ff


Links:


Redaktion: Maga. Lisa Maurer