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Staudenknöterich #

(Fallopia japonica, F. sachalinensis, F. x bohemica)

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Staudenknöterich
Japanischer Staudenknöterich.
Foto: Michael Gasperl. Aus: Wikicommons unter CC

Wann, Woher, Wie:#

Im 19.Jahrhundert wurden verschiedene Knötericharten als Zierpflanzen nach Europa eingeführt: Der Japanische Knöterich (F. japonica) stammt ursprünglich aus Japan, China und Korea, der Riesenknöterich (F. sachalinensis) aus Japan und dem östlichen Russland. Außerdem findet man in Europa noch einen Hybriden zwischen dem Japan- und dem Riesenknöterich, den Böhmische Knöterich (F.x bohemica) (Nentwig et al. 2011)

Biologie:#

Diese Knötericharten sind ausdauernde Pflanzen. Im Winter sterben die oberirdischen Teile ab und das Rhizom überdauert den Winter, von wo die Pflanze im Frühjahr wieder austreibt. Die Pflanze zeigt ein schnelles Wachstum (in der Hauptwachstumszeit bis zu 15cm am Tag! (Kowarik 2010)) und ist ausgesprochen regenerationsstark: bereits winzige Wurzelstücke reichen, dass die Pflanze wieder austreibt. Die Pflanzen werden an optimalen Standorten 3-4 Meter hoch und bilden dichte Bestände. Meist findet man diese Staudenknötericharten entlang von Fließgewässern, sie kommt aber auch an trockeneren Standorten vor.

Wo jetzt – Lebensraum:#

Inzwischen sind die Knötericharten beinahe in ganz Europa verbreitet. Häufig findet man sie entlang von Gewässern, sie sind aber nicht auf diese beschränkt. Der Riesen/Sachalinknöterich ist im allgemeinen seltener als der japanische Staudenknöterich und fehlt im wärmeren Süd- und Südosteuropa (Kowarik 2010).

Staudenknöterich
Japanischer Staudenknöterich.
Foto: Frank Vincentz. Aus: Wikicommons unter CC

Problem:#

Diese Knötericharten gehören zu den Pflanzen die in Europa die größten Probleme bereiten. Sie verursachen mit ihren Wurzeln Schäden an Straßen und Gebäuden und sind extrem invasiv. Die Triebspitzen durchdringen auch Beton, Asphalt, Fundamente, Rohre etc.!

Durch die starke Ausbreitung bilden sich großflächige Bestände und besonders an Flüssen verbreiten sie sich rasch durch abgebrochene Stängel und Wurzelstücke. Durch die hohe Regenerationsfähigkeit muss Erde mit Knöterichstücken als Sondermüll entsorgt werden! Das schnelle Wachstum der Pflanze im Frühjahr führt zu einer starken Beschattung der Fläche und einem Verdrängen anderer Pflanzen. Auch die Verfrachtung von Erde (mit abgebrochenen Pflanzenteilen) tragen zu der Verbreitung der Pflanze bei. Problematisch ist in dieser Hinsicht auch Schnittgut aus Gärten. Es gibt kaum pflanzenfressende Insekten auf diesen Staudenknöterich Arten, wodurch bei großflächiger Verbreitung dies auch einen negativen Einfluss auf die insektenfressenden Vögel und Frösche der Umgebung haben lann.

Potentiell positive Aspekte: Es wird in der Literatur erwähnt, dass Extrakte des Staudenknöterichs (F. sachalinensis) vorbeugend gegen Mehltau verwendet werden können und die Resistenz gegen Feuerbrand erhöhen. Extrakte des Japan-Knöterichs können gegen Krautfäule an Tomaten und Grauschimmel an Paprika eingesetzt werden. In Ostasien wird die Pflanze auch als Heilpflanze mit durchblutungsfördernder, harntreibender und entgiftender Wirkung verwendet. Beide Knötericharten können erhebliche Mengen an Schwermetallen aufnehmen, weshalb Versuche laufen um sie zur Sanierung stark belasteter Böden einzusetzen (Kowarik 2010).

Bekämpfung:#

Ein Abreißen der Pflanze bewirkt nur sehr wenig und zeigt wenn überhaupt nur bei sehr kleinen Beständen Erfolg. Größere Bestände können durch mehrmaligen Schnitt (min. 6 Mal in der Vegetationsperiode) geschwächt werden. Optimaler Weise sollte der Schnitt stattfinden sobald die Sprosse ca. 40cm hoch sind. Diese Maßnahme kann eine Etablierung anderer Arten bewirken. Um langfristigen Erfolg zu zeigen, muss dies aber konsequent über mehrere Jahre durchgeführt werden. Die Beweidung durch Schafe scheint Erfolg zu zeigen, wobei diese lieber die ausgereiften als die frischen Blätter fressen (Kowarik 2010). Auch Herbizidbehandlungen mit Glyphosat sind möglich. Ein umgraben des Bodens (auf 50cm Tiefe) bewirkt einen intensiven Neuaustrieb wodurch die Pflanze empfindlicher auf die Herbizide wird. Aber auch in diesem Fall ist eine Behandlung über Jahre notwendig, außerdem erlaubt der häufig gewässernahe Standort meist keinen Einsatz von Herbiziden. In England wird derzeit eine japanische Blattflohart zur biologischen Bekämpfung dieser Knötericharten untersucht. (Nentwig et al. 2011) Insgesamt sind wegen des großen Aufwandes Bekämpfungen nur im Einzelfall empfehlenswert und müssen dann über Jahre durchgehalten werden (Kowarik 2010)


--> Neobiota und Invasive Arten (Allgemeine Einführung)


Literatur:

  • (Grüne Reihe 2005) Grüne Reihe des Lebensministeriums: Aliens – Neobiota in Österreich, Herausgegeben vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Band 15, Böhlau Verlag Wien, 2005, S.263
  • (Kowarik 2010) Kowarik Ingo: Biologische Invasionen – Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. Mit Beiträgen von Wolfgang Rabitsch, 2. wesentlich erweiterte Auflage, Eugen Ulmer Verlag, 2010 , S.259ff
  • (Nentwig 2011) Nentwig Wolfgang (Hrsg.): Unheimliche Eroberer – Invasive Pflanzen und Tiere in Europa. , Haupt Verlag, 2011 S. 33ff


Links:

--> Japanischer Staudenknöterich, Wikipedia

--> Staudenknöterich (Land Steiermark)


Staudenknöterich in Neoflora:


Redaktion: Maga. Lisa Maurer