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Nibelungenlied#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Nibelungenlied
Nibelungenlied, Handschrift C
Aus: Wikicommons

Das Nibelungenlied ist ein um 1200 entstandenes Sangvers-Epos. Die drei überlieferten Versionen unterscheiden sich leicht voneinander. Verschiedene Indizien sprechen für Österreich bzw. Ostbayern als Entstehungsraum. Das in 39 Gesänge (Aventiuren) gegliederte Epos verschriftlicht und literarisiert Erzählungen frühere deutscher Heldensagen. Wie die handschriftliche Überlieferung zeigt, war das Werk im Mittelalter gut bekannt und beliebt. 1480/90 entstand die "Wiener Piaristenhandschrift", der jüngste Text befindet sich im Ambraser Heldenbuch, das 1504-1515 für Kaiser Maximlilian geschrieben wurde.

Die Sage von den Nibelungen entwickelte sich aus verschiedenen historischen Ereignissen des "Heroic Age" der Germanen. Dazu zählen die Vernichtung der von König Gundahar geführten Burgunder durch den weströmischen Feldherren Aetius und hunnische Truppen (435/36) und der überraschende Tod des Hunnenkönigs Attila (453). Inhaltlich zerfällt das Epos in zwei Teile. Im Mittelpunkt des ersten Teils (Aventiure 1-19) steht Siegfried, ein Königssohn aus Xanten: seine Werbung um die Wormser Burgunderprinzessin Kriemhild, seine doppelte Hilfe für den Burgunderkönig Gunther bei der Gewinnung Brünnhilds von Island und seine hinterhältige Ermordung durch Hagen. Hagen, der auch Siegfrieds Schatz (Nibelungenhort) im Rhein versenkt, und Kriemhild sind die Hauptpersonen des zweiten Teils. Ihre Heirat mit dem Hunnenkönig Etzel gibt der Witwe die Voraussetzungen zur Rache für die Ermordung Siegfrieds. Sie lädt die Burgunder ein, an König Etzels Hof zu kommen, wo alle ein blutiges Ende finden.

Im Gegensatz zum Mittelalter erhielt das Nibelungenlied erst im 18. Jahrhundert die Funktion eines "deutschen Nationalepos" und wurde in der Folge ideologisch vereinnahmt. Unter den zahlreichen künstlerischen Interpretationen ragen die des Dichters Friedrich Hebbel (1813-1863), des Komponisten Richard Wagner (1813-1883) und des Regisseurs Fritz Lang (1890-1976), der den Stoff 1922-24 verfilmte, heraus.

Das Nibelungenlied war ein für den Gesangsvortrag bestimmtes Heldenepos mit ca. 2400 Strophen. Doch erst in jüngster Zeit hat sich nach anfänglicher Skepsis und Desinteresse der Fachwissenschaften die Erkenntnis durchgesetzt, dass die alten Epen sich erst durch gesungene Interpretation voll erschließen. Dies ist das Verdienst des Wiener Musikers Eberhard Kummer, in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftern der Universitäten in Salzburg (Ulrich Müller) und Wien (Helmut Birkhan). Die verwendete Melodie ist der Hildebrandston, eine bekannte mittelalterliche Epenmelodie. Bei der ersten und einzigen kompletten Einspielung des gesamten Nibelungenliedes (2006) sang Kummer das Epos vor Publikum in fünf Abenden zu je sechs Stunden.

Quellen#

  • Ulrich Müller: Begleitheft zur CD Das Nibelungenlied gesungen von Eberhard Kummer, CD Impact Nr. 93415
  • Nibelungenlied, Complete Recording. The Chaucer Studio, Provo, Utah/ USA (zwei MP3-CDs)


Redaktion: hmw