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Nikolausspiel#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert kamen Nikolaus und Krampus am Vorabend des Heiligenfestes in die Häuser. Der Gabenbringer Nikolaus entlieh als Bischof seine Kleidung dem kirchlichen Fundus. Der Krampus, der den Kindern mit der Rute drohte, trug ein Kostüm aus Fell oder Stoff und eine Maske mit Hörnern. Als „gefallener Engel“ hatte er oft Flügel und jedenfalls eine Kette als abschreckendes Exempel der ewigen Verdammnis der in der Hölle angeketteten Unbußfertigen.

Das ungleiches Paar trat aber nicht nur beim Einkehrbrauchauf, es gab auch kirchlich forcierte Nikolausspiele, in dem die teuflischen Heerscharen auftreten. Zahlreiche biblische und liturgische Anspielungen darin lassen auf eine Entstehung in katholischen Kreisen schließen. Beim Mitterndorfer Nikolausspiel war wohl das Benediktinerkloster Admont in der Steiermark federführend. Eine Szene, die Bettlerbeichte, weist auf die schädlichen Wirkungen des Alkohols hin. Im Evangelium des Nikolaustages heißt es: „Nehmt euch in acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren ...“ (Lk. 21,34) Nikolaus verweist auf einen Vers des Thessalonicherbriefs (1 Thess. 5,2), nach dem der Tag des Herrn kommt „wie der Dieb in der Nacht“. Der Teufel zitiert indirekt Matthäus, wenn er sagt: „Wenn andere guten Samen streuen, Unkraut säe ich aus ins weite Land.“ Andachtsbücher und -bilder brachten Anregungen, bis hin zum Eheteufel, der eine Vogelmaske trägt, wie sie schon mittelalterliche Laster-Allegorien zeigten.

Der Niglo-Umzug von Windischgarsten, Oberösterreich, hat sogar die Aufnahme in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich geschafft. Vor 150 Jahren erstmals dokumentiert, führen ihn seit 1958 Mitglieder des Trachtenvereins "d’Garstnertaler" durch. Seit 2000 wird der Umzug jährlich abgehalten, davor nur alle zwei Jahre. Er besteht aus ungefähr 30 Personen, wie dem Nachtwächter, dem Nigloherrn (ein Herr in städtischer Bekleidung) und der Niglofrau (eine jüngere Frau mit weißem Kleid und Krone), mehreren Engeln und Nigeln (in Pelz gehüllte Krampusse mit Larven und Ruten, die um den Körper Schellen tragen), dem Teufel und dem Heiligen Nikolaus. Früher zogen die Akteure in „Passen“ von Haus zu Haus. Seit der Trachtenverein den Umzug organisiert, bewegt er sich vom Heimathaus und zieht durch den Markt in den Rathaushof, wo sich die Figuren auf der Bühne präsentieren, Nigloherr und Nikolaus Gedichte vortragen und die Kinder beschenken.

Quelle#

  • Helga Maria Wolf. Weihnachten Kultur & Geschichte. Wien - Köln - Weimar 2005

Redaktion: hmw