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Heimatlexikon - Unser Österreich

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Noriker#

Der Noriker ist ein mittelschweres, breites Gebirgskaltblutpferd mit tiefer Schwerpunktlage, guter Trittsicherheit und gutem Gleichgewichtssinn.

Ursprünglich war der Noriker ein reines Arbeits- und Wirtschaftspferd, heute wird er als Freizeitpferd im Reiten und Fahren verwendet und ist wesentlicher Teil des bäuerlichen Brauchtums.

Besonders geschätzt werden seine Gesundheit, Langlebigkeit, Gutmütigkeit, sein hervorragender Charakter und sein ausgeglichenes Temperament. Die hohe Leistungsbereitschaft des Norikers wird auch durch die großen Erfolge im Norikerfahrsport unter Beweis gestellt.

Österreich ist mit 4.200 eingetragenen Zuchtstuten und 180 Hengsten das größte geschlossene Norikerzuchtgebiet Europas.


Almauftrieb der Noriker-Hengste in Rauris

Alljährlich kommen die besten Noriker-Deckhengste am letzten Juni-Wochenende zusammen, um gemeinsam auf der Grieswiesalm in Rauris die Sommerfrische zu verbringen.

Um Kämpfe auf der Alm zu vermeiden, wird bereits vorher der Leithengst ermittelt. Das ist für die zahlreichen Zuschauer ein beeindruckendes Schauspiel.

Die wertvollen Zuchthengste raufen sich die Alphahengst-Rolle am Bodenhaus im Raurisertal aus. Nach dem "Kampf der Giganten" werden alle Pferde in die wohlverdiente Sommerfrische geschickt, wo sie den Sommer über Kraft tanken können. Gemeinsam mit Rindern, Schafen und Ziegen werden der Leithengst und die anderen Noriker den Sommer auf der Grieswiesalm in Rauris, Kolm Saigurn verbringen.

Charakteristika der Rasse

Mittelschwer, Stockmaß zirka 160 cm, derber schweren Kopf, kurzer kräftiger Hals, breite Brust und breiter Rücken, mittellange Beine.

Großer Beliebtheit erfreut sich der Noriker aufgrund seiner Farbenvielfalt: neben den klassischen Farben Braune, Rappen und Füchse gibt es noch Tiger, Mohrenköpfe und Schecken.

Geschichte

Der Noriker ist die älteste der Altösterreichischen Pferderassen und auch die einzige Rasse, die auf dem Gebiet des heutigen Österreichs ihren Ursprung hat.

Bekannt war die Rasse bereits im Reich Karls des Großen (ca. 800 n. CHr.); ihren Namen hat sie von der damaligen römischen Provinz Noricum.

Die kräftigen, mittelgroßen Pferde wurden nicht nur in der Land- und Forstwirtschaft und im Saumhandel eingesetzt, sondern auch als Repräsentationspferde der Salzburger Erbischöfe.

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts engagierte sich das Erzbistum Salzburg für die Norikerzucht - durch den Ankauf des Gestüts Schwaighof und die Festlegung von besonderen Maßnahmen zur Hebung der Norikerzucht wurde der Erhalt der Rasse gesichert.

Dies begann mit Johann Jakob von Kuen um 1580 und Paris Graf Lodron; bereits 1688 erließ Erzbischof J. E. Graf Thun in Salzburg die Anordnung, dass Mutterstuten nur von Hofbeschälern (= zugelassene Zuchthengste) gedeckt werden dürfen und der Staat nur Fohlen von Hofbeschälern kaufen darf.

Deshalb gilt sie heute noch als eindeutige Rasse, auch wenn sie nach dem 2. Weltkrieg zusammen mit Oberländern (aus Bayern) und Pinzgauern als süddeutsches Kaltblut bezeichnet wurden.

Ursprünglich war das Zuchtgebiet der Noriker im Salzburger Raum vor allem rund um das Gebirgsmassiv der Tauern. Der Noriker war ein reines Arbeits- und Wirtschaftspferd, heute wird er als Freizeitpferd im Reiten und Fahren verwendet.

Anfangs wurden auch englische oder belgische Hengste eingekreuzt, heutzutage wird die Norikerzucht in einem geschlossenen Zuchtbuch in Reinzucht betrieben.

Im 20. Jahrhundert versuchte man erfolgreich, durch Zuchtwahl die ursprünglich schweren Pferde in mittelschwere zu verändern und dabei die guten Eigenschaften zu erhalten. 1925 schlossen sich die Pferdezuchtgenossenschaften zu einem Verband zusammen - seither ist die ganze Zucht registriert.

Quellen#


Redaktion: K. Ziegler, I. Schinnerl