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Notgasse - Felszeichnungen#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Blick in die Notgasse
Blick in die Notgasse, Foto: Willi Senft
Weltbild.jpg
Das "Weltbild"
Aus Mandl 1998

Die Notgasse hat bis zu 60m hohe Felswände.

Sie wirkt schon deshalb düster und geheimnisvoll. Dieser Eindruck wird durch die eingeritzten Symbole und Zeichen verstärkt, von denen man ähnliche an vielen Stellen des Dachsteinplateaus findet, aber nicht nur dort, sondern in kleinen Varianten auch in anderen Teilen Europas.

Der Fundort ist in gut einer Stunde zu Fuß über zum Teil unmarkierte, steinige und schmale Steige von der Brünnerhütte (1736 m Seehöhe) auf dem Stoderzinken im Wesentlichen abwärts gehend erreichbar.

Auch zwei andere Zugänge, weniger spektakulär, sind möglich.

Von einer Begehung ohne gutes Kartenmaterial und einem Führer ist abzuraten: der Weg ist schlecht und steinig, und selbst wenn man genaue Angaben zu den Felsmarkierungen hat, findet man sie kaum:

Sie liegen oft tiefer als man erwartet, weil der Boden im Lauf der Jahrhunderte durch herab fallendes Material heute höher ist als zu jener nicht genau bekannten Zeit, zu der die Felsritzereien gemacht wurden.

Ohne guten persönlichen Führer (eventuell über die Gemeinde Gröbming oder den Verein ANISA organisierbar) ist eine Besichtigung auch deshalb wenig ergiebig, da die dunklen feuchten Wände leider auch in jüngerer Zeit noch zu Einritzungen einluden, durch die fallweise ältere Bilder zerstört oder ganz ausgelöscht wurden.

Die Notgasse ist eine Wegverbindung von Gröbming zu den höher gelegenen Almen und Wäldern. Hochgelgene Almen (in Einzelfällen bis fast 2.000m) wurden Jahrhunderte lang bewirtschaftet, wobei am Weg durch die Notgasse wohl häufig ein glückbringendes Symbol eingeritzt wurde. Daher stammen die Ritzungen auch aus aus den verschiedensten Zeiten.

Die Notgasse ist auch die kürzeste Verbindung von Gröbming nach Aussee oder Hallstatt, wenn man zu Fuß unterwegs ist. Sie wird seit Jahrtausenden begangen, wie man aus Funden weiß. Ob die Felszeichnungen ähnlich alt sind, ist nicht nachgewiesen.

Überblick über einige wichtige Ritzungen
Felsritzung bei Station 21
Aus Mandl 1996

Die berühmteste Fundstelle ist nach der Beschreibung von Mandl (siehe Quellenangaben) „Station 21“, die im ersten Bild gezeigt wird. Man sieht am deutlichsten im linken Teil eine zweiholmige Leiter mit 9 Sprossen, am linken unteren Ende ein Pentagramm. Auch ein verwittertes Kreuz ist zu sehen sowie im rechten Teil „das Weltbild“, wie die Darstellung im zweiten Bild (Mandl 95) genannt wird.

Die Deutung der Symbole ist eine Wissenschaft für sich: die Symbole sind nur deshalb einigermaßen enträtselbar, weil sie wie oben erwähnt an vielen Stellen in Europa zu finden sind.

Zeitlich gesehen sind die ältesten Ritzungen in der Notgasse wohl 1200 oder mehr Jahre alt. Ob die Angabe dass die Felsbilder der Notgasse „laut letzten Forschungen als bis zu 4.000 Jahre alte geheimnisvolle Reste der Vorzeit sind“ wie es in dem Buch von Pürcher und Reinisch (siehe Quellen) steht wird aber wegen echter fehlender Beweise angezweifelt.

Quellen#

  • Mandl, Franz: Band 1: Dachstein- Vier Jahrtausende Almen im Hochgebirge, Verein ANISA, Gröbming 1966, S. 151 u.a.
  • Mandl, Franz: Band 2: Dachstein- Vier Jahrtausende Almen im Hochgebirge, Verein ANISA, Gröbming 1998, S. 110
  • Burgstaller, Ernst: Felsbilder in Österreich, Felsbildmuseum Spital a. P., 1989, , S. 144 ff.
  • Pürcher, Alois und Reinich, Erwin: Erelbnis Salzkammergut. Mit den schönsten Wanderungen und Touren. Verlag Styria, 1992, S. 98 ff

Die folgenden und andere Tourenbeschreibungen untertreiben oft. In einer Tourbeschreibung wird die Tour als "leicht", aber mit Gehzeit 8.5 Stunden bezeichnet.


Redaktion: H. Maurer, auf den obigen Quellen basierend