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Osterbräuche#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Ostereier
Ostereier
© H. M. Wolf

Ostern ist ein bewegliches Fest. Das Konzil von Nicäa (325) bestimmte den Sonntag nach dem Frühlingsvollmond als Termin, der zwischen 22. März und 25. April liegt. Die Evangelisten überliefern die Passion Christi von der nächtlichen Ölbergszene im Garten Getsemani, die Kreuzigung und Auferstehung. (Mt 26-28; Mk 14-16; Lk 22-24; Joh. 13-20) Daraus lassen sich die Daten der Kreuzigung (Freitag, 7. April 30) und der Auferstehung (Sonntag, 9. April 30) rekonstruieren. Die Bezeichnung des christlichen Festes leitet sich in den meisten Sprachen von Pesach (in der griechischen Übersetzung Pascha) ab.

In vielen Kirchen findet zu Ostern eine Speisensegnung ("Eierweihe") statt. Die Benedictio ovorum wurde im 12. Jahrhundert eingeführt. Man lässt Eier, Brot, Schinken und Salz weihen. Daran knüpft sich der Glaube, dass diese, gemeinsam verzehrt, die Familie zusammen halten. Die Jesuiten propagierten die Speisensegnung, während sie die Reformatoren ablehnten. Die evangelischen Pfarrer verboten den Kindern, sich von ihren Paten Ostereier zu holen, was wiederum die katholischen Geistlichen forderten.

Eier sind das klassische Symbol für Ostern. Als Zeichen des Lebens und der Auferstehung braucht man sie nicht lange zu deuten. Dass sie gerade zu Ostern eine so große Rolle spielen, hat mehrere Gründe. Auf den Tellern, die symbolische Lebensmittel für das jüdische Paschafest enthalten, ist neben Kräutern, Gemüse, Nüssen und Äpfeln auch ein hart gekochtes Ei als Zeichen der Hoffnung. Die christlichen Gemeinden der ersten Jahrhunderte kannten Ostereier, ursprünglich nur rot gefärbt. Zeitweise durften Eier in der Fastenzeit nicht gegessen werden, umso mehr waren danach vorhanden. Als Naturalabgabe für den Grundherrn, Pfarrer, Mesner oder Lehrer wurden sie nicht freiwillig abgeliefert. Andererseits gab es gefärbte und verzierte Schenkeier für Kinder, Paten, als Liebes- und Verehrungsgabe. 1615 verschenkten Straßburger Bürger zu Ostern bemalte, gekratzte, marmorierte und goldene Eier. Zu den traditionellen Bräuchen zählt das Eierpecken. Dabei versucht ein Spieler, mit der Spitze seines hart gekochten Ostereies jenes des Gegners zu beschädigen. Wessen Ei ganz bleibt, der gewinnt alle anderen.

Als Dekoration ist seit den 1960er- Jahren der Osterbaum üblich. Man steckt lange, blühende oder Palmkätzchenzweige in eine Bodenvase und schmückt sie mit ausgeblasenen, verzierten Eiern. Inzwischen gibt es wetterfesten Schmuck zu kaufen, sodass die mit Eiern, Häschen oder Kücken gezierten Osterbäume wie ein Christbaum für alle in Vorgärten und Parks stehen. Die Dekorationen zählen auch zum Angebot der Ostermärkte, die nach dem Vorbild der Weihnachtsmärkte, oft mit sozialen Intentionen, in vielen Orten stattfinden.

Kindern erzählt man, dass der Osterhase die Eier legt. Auch Henne oder Hahn galten als Gabenbringer. Alte Holzschnitte zeigen, dass Hasen, Federvieh und Brot ebenso wie Eier zu den Naturalabgaben zählten. Eine andere Erklärung hängt mit tierförmigen Gebäcken ("Gebildbroten") zusammen, in die ein gefärbtes Ei eingebacken wurde. Von "Haseneiern" ist 1682 die Rede. 1757 verfasste man im bayrischen Ansbach ein amtliches Protokoll über einen Eier legenden Hasen. Kräftigen Aufschwung erfuhr der Osterhasenglaube mit der industriellen Herstellung von Schokolade und Konditorwaren im 19. Jahrhundert. Das Schenken von Schokoladehasen und Zuckereiern war ein Brauch der städtisch-bürgerlichen Oberschicht. Er entsprach jener Familienkultur, die auch das Christkind mit seinem Baum erfand. Landkindern hätte man nicht weismachen können, dass ein Hase Eier legt.

Hingegen ist das Osterlamm ein altes Symbol. Schon Johannes der Täufer bezeichnete Jesus von Nazaret als "Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt." (Joh 1,29) - makellos, wie das Opferlamm der Juden. Das Lamm mit der Fahne symbolisiert den Sieg des Auferstandenen. Man findet es auf zahlreichen Darstellungen, u.a. als Berufswappen der Fleischhauer und als österliches Brauchgebäck aus feinem Biskuitteig.

In der kirchlichen Osternachtfeier wandelt sich die Trauer zur Freude. Die Christen gedenken der Auferstehung mit Halleluja, Orgelspiel und Glockenklang. Die Osternachtfeier ist die ritenreichste in der katholischen Kirche. Die Neuordnung der Liturgie der Karwoche erfolgte schon vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1955/56), da sich im Lauf der Jahrhunderte der Zeitpunkt (Nacht von Samstag auf Sonntag) immer mehr auf den Morgen des Karsamstags verschoben hatte. Die einzelnen Elemente sind historisch und geographisch verschiedener Herkunft. Es handelt sich um die Lichtfeier (mit der Segnung des Feuers, der Bereitung und dem Einzug der Osterkerze und dem Lobpreis des Lichtes, Exsultet), den Wortgottesdienst (mit neun Lesungen, Psalmen und Gebeten), die Tauffeier (mit Wasserweihe und Taufbekenntnis) und die Eucharistiefeier. Auch der evangelische Gottesdienst sieht den Einzug mit der Osterkerze, Wechselrufe und die Austeilung des Lichtes vor. Sie ist aber nicht an bestimmte Riten gebunden.

Zu den katholisch Osterbräuchen in der Kirche zählten Osterspiele, Ostermärlein (Ostergelächter, risus paschalis) und der Tanz über das Labyrinth. Die Darstellungen der Osterspiele - wie der Besuch der Frauen am Grab (Visitatio) mit der Salbenkrämerszene der koketten Maria Magdalena - wurden phantasievoll ausgestaltet, dass sie nicht mehr in den heiligen Raum zu passen schienen. Ostermärlein waren meist derbe Schwänke, die der Pfarrer in die Predigt einflocht, um die Gläubigen zum Lachen zu bringen. Sie waren in der Steiermark bis vor den Ersten Weltkrieg üblich. Im Boden gotischer Kathedralen befanden sich labyrinthförmige Mosaiken. Statt einer Straf-Wallfahrt, konnte man seine Buße dort verrichten. Zu Ostern durfte man sich mit einem Tanz über die irdischen Bindungen erheben.

Quelle#

Helga Maria Wolf: Österreichische Feste & Bräuche im Jahreskreis. St. Pölten 2003

Weiterführendes#


Redaktion: hmw