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Pürgg #

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Pürgg
Pfarrkriche mit Grimming im Hintergrund
© Foto: Österreich Werbung / Weinhäupl W.

Der Ort Pürgg Pürgg, Trautenfels ist Teil der Gemeinde Pürgg-Trautenfels und gilt als einer der hübschsten Orte der Steiermark.

Er liegt auf einem kleinen Plateau, etwa 150 m über dem Talgrund des Grimmingbachs.

Er besteht aus wenigen engen Straßen, die weitgehend autofrei gehalten werden.

Dort drängen sich die Häuser (nummeriert nach ihrem Alter) rund um zwei Kirchen:

Pfarrkirche zum Heiligen Georg:

Eine romanische Kirche, vermutlich 1130 eingeweiht; die dreischiffige Kirche ist in ihrer Grundstruktur noch erhalten, wurde aber Anfang 14. Jhdt. gotisch ausgestaltet.

Sie überrascht durch eine weiteres Schiff einen Halbstock höher und einen zusätzlichen Andachtsraum, nochmals ein paar Stufen hinauf, der erst nach 1945 entdeckt wurde.

Johanneskapelle:

Eine romanische Kapelle, am Ostrand des Plateaus auf einem schönen Aussichtspunkt gelegen. Diese Kapelle ist berühmt für ihre Fresken aus dem 12. Jahrhundert, die zu den schönsten und besterhaltenen (und geheimnisvollsten: die Bedeutung des abgebilderten "Mäusekriegs" war lange nicht geklärt) in Europa zählen.

Die Kapelle war ursprünglich Teil einer Burganlage auf dem 786 hohen "Purgstall".

Direkt unter den Felsfluchten des Grimmings träumt der romantische Ort, der gleich mehrere „Malerwinkel" aufweist, inmitten der Bergwiesen.

Neben der sehenswerten gotischen St. Georgs-Pfarrkirche ist das kulturhistorische Kleinod von Pürgg aber die St. Johannes-Kapelle, eines der ältesten und bedeutendsten romanischen Bauwerke der Steiermark. Ihr reicher Freskenschmuck stammt aus 1160-1165, der Kruzifixus gar aus dem Jahre 1100.

„Katzen-und-Mäuse-Krieg" in der St. Johannes-Kapelle#

Christi Geburt
Christi Geburt im "Trubel des Krieges"
© W. Senft

Katzen-und-Mäuse-Krieg
"Katzen-und-Mäuse-Krieg" ist voll im Gang
© W. Senft

Kruzifix
Kruzifix aus dem Jahre 1100
© W. Senft

Obwohl schon gegen das Ennstal vorgeschoben, darf man das „Steirische Kripperl", wie Peter Rosegger das Dorf Pürgg genannt hat, noch zum Steirischen Salzkammergut zählen.

Die Fresken zeigen Christus zwischen Kain und Abel sowie ein Mäanderfries mit altarabischen Schriftzeichen, die neunmal das Wort „Allah" bedeuten, ferner die Brustbilder der drei Erzengel.

Auch die Geburt Christi mit der Anbetung durch die Hirten wird auf sehr archaische Weise darstellt: Maria dreht dabei die Spindel. Dann folgt die Speisung der Fünftausend, den fünf klugen stehen die fünf törichten Jungfrauen gegenüber usf.

Am interessantesten sind jedoch die Fresken mit dem als Sinnbild des Kampfes zwischen Tugend und Laster interpretierten „Katzen-und-Mäuse-Krieg": Von einer Brüstung aus schießt eine Maus mit Pfeil und Bogen auf Katzen (Bild links oben). Andere Mäuse schleudern von den Burgzinnen Steine auf die Widersacher. Besonders kurios ist die Darstellung einer Katze mit einem auf ihren Rücken gebundenen Schild, auf den Steine niederprasseln - Walt Disney im Frühmittelalter...?

Keineswegs! Die Symbolik des „Katzen-und-Mäuse-Krieges" beruht auf dem damaligen Kampf zwischen kaiserlicher Macht und Papsttum: Die "Burg" versinnbildlicht die Macht des von den Vertretern des Glaubens verteidigten Christentums, hier dargestellt durch die körperlich schwachen Mäuse, die sich aber ihrer Sache sicher sind. Die weltliche Macht über das Papsttum ist im Zerbrechen begriffen, wie die Abwehr des Angriffs durch die Katzen zeigt.

St. Johannes-Kapelle
Die St. Johannes-Kapelle birgt den romantischen Freskenzyklus.
© W. Senft

St. Georgs-Kirche
Die sehenswerte gotische St. Georgs-Kirche von Pürgg.
© W. Senft

Pürgg
Pürgg mit dem Grimming
© W. Senft

Wandervorschlag#

Eine sehr lohnende nicht lange Wanderung führt von Pürgg über die sog. „Himmelsleiter" (eine kurze, durch eine Leiter gangbar gemachte Steilstelle) unterhalb des Brandanger-Kogels vorbei auf das Gindelhorn (1.259 m), das in 1 1/2 Std. erreicht wird. Vom kleinen Gipfelkreuz aus genießen wir einen Prachtblick auf den direkt gegenüberliegenden Grimming. Den Rückweg nehmen wir am besten über den wunderschön gelegenen Gasthof „Dachsteinblick" auf Waldwegen zurück zum Ausgangspunkt. Diese kleine Wanderung (man kann auch den Abstecher auf das Gindelhorn auslassen) ist nur bei trockenem Wetter zu empfehlen.

Quellen#


Redaktion: Hermann Maurer