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Palais Augarten#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Palais Augarten
Palais Augarten
© Österreich Werbung

Im Jahr 1614 ließ Kaiser Matthias in den Donauauen einen Lustgarten Palais Augarten, Wien anlegen, der später durch Kaiser Ferdinand III. vergrößert wurde. Hier entstand auch ein kleines Schloss, damit der Monarch nach den Strapazen des Dreißigjährigen Krieges seine Sommer friedlich verbringen konnte. Der Garten war nach damaliger Mode holländisch gestaltet. Erst Mitte des 17. Jahrhunderts ließ Kaiser Leopold I. auf diesem Gelände ein Lustschloss bauen, das den Namen Favorita erhielt und durch eine Allee mit dem Prater verbunden war. Kaiserin Eleonore bevorzugte allerdings die neue Favorita auf der Wieden, weil sie bequemer zu erreichen war.

Während der Türkenbelagerung 1683 wurden das Lustschloss und die Gartenanlagen zerstört. Nach einem teilweisen Wiederaufbau durch Joseph I. diente das Schloss als Witwensitz für seine Gemahlin, Kaiserin Eleonore. Nach ihrem Tod herrschte für das Schloss nur geringes Interesse. Küchelbecker berichtet: „Eine sehr schöne und angenehme Promenade ist der sogenannte Au-Garten, oder die alte Kayserliche Favorita ... [es ist bedauerlich] dass die Annehmlichkeiten dieser schönen Promenade durch den traurigen Anblick deren Ruinen der ehemaligen Kayserlichen Favorita, so von den Türken 1683 eingeäschert worden“, beeinträchtigt werden. Kaiser Karl VI. ließ den Park durch Jean Trehet in französischer Manier erneuern. Erst Kaiser Joseph II. vergrößerte das Areal durch Zukäufe und ließ das benachbarte ehemalige Palais Trautson umgestalten, in dem er jeweils im Frühjahr und im Sommer einige Tage verbrachte. Er ließ die in Trümmern liegenden Gebäudeteile sanieren, zahlreiche große Bäume pflanzen und Alleen und Spazierwege anlegen. Jedes Jahr setzte er Nachtigallen im Park aus und ließ einen prachtvollen Rosenhügel errichten. Im Sommerhaus, dem Kaiser-Joseph-Stöckel, erbaut von Isidor Canevale, empfing Joseph II. Zar Paul von Rußland und Papst Pius VI., der sich aber nach seinem Wien-Besuch enttäuscht sah: In Fragen der Kirchenpolitik waren sich Kaiser und Papst nicht nähergekommen.

Palais Augarten
„Der k. k. Augarten“. Lithographie von J. V. Waage, um 1840
© Brandstätter Verlag

Das Hauptschloss wurde in der Art von Johann Bernhard Fischer von Erlach im späten 17. Jahrhundert für den Ratsherrn Zacharias Leeb erbaut und 1780 von Kaiser Joseph II. angekauft. Hier wohnten unter anderen Herzog Albert von Sachsen- Teschen und seine Gattin Marie Christine, von 1847 bis 1855 die Witwe des Palatin Erzherzog Joseph, Maria Dorothea, mit ihrer Tochter Maria, der späteren Königin der Belgier, von 1860 bis 1863 Erzherzog Karl Ludwig, der Bruder Kaiser Franz Josephs, und schließlich ab 1867 der erste Obersthofmeister Konstantin Fürst Hohenlohe-Schillingsfürst, der berühmte Gäste wie Richard Wagner, Franz Liszt und Hans Makart in seinem Domizil empfing. Von 1934 bis 1936 bewohnte der spätere Bundeskanzler Kurt Schuschnigg das Palais.

1775 öffnete Joseph II. den Park für das Publikum und ließ folgende Aufschrift am Hauptportal anbringen: „Allen Menschen gewidmeter Erlustigungs- Ort, von Ihrem Schätzer.“ Einige Lokalitäten wurden dem Traiteur Ignaz Jahn unentgeltlich überlassen, um die Besucher des Parks mit Speisen, Getränken und Erfrischungen zu versorgen. Der Park der alten Favorita war „modern“ geworden. Frühmorgens traf sich hier die bessere Gesellschaft Wiens, um „Gesundheitswässer“ zu trinken. Die Räumlichkeiten Jahns wurden gerne für Matinées, Dîners, Soirées, Hochzeiten und Bälle gemietet, sein Etablissement nahm immer stärker aristokratischen Charakter an. Im Gartensaal des Palais Trautson gab es ab 1772 sogenannte Morgenkonzerte; hier dirigierten Mozart und Beethoven, Schubert gab Konzerte, und von 1820 bis 1847 fanden in diesem Saal die Maikonzerte von Johann Strauß Vater statt. Als diese Art von „Belustigungsorten“ in Wien immer beliebter wurde, entstand für den Augarten starke Konkurrenz. Schon Jahns Sohn konnte das Restaurant nicht mehr gewinnbringend führen; nach mehreren Besitzerwechseln wurde es schließlich aufgelöst. Ein Kaffeesieder sorgte nun mit Erfrischungen für die Besucher des Parks und der Konzerte.

Palais Augarten
Schloß Augarten von der heutigen Augartenstraße. Kolorierter Stich von C. Schütz und J. Ziegler, 1782
© Brandstätter Verlag

Zur Zeit des Wiener Kongresses (1814/15) erlebte der Augarten mehrere Feste. 1817 feierte man hier die Hochzeit von Erzherzogin Leopoldine, einer Tochter Kaiser Franz’ II. (I.), mit Dom Pedro, dem Kronprinzen von Portugal und späteren Kaiser von Brasilien. 1822 war der Augarten Schauplatz der ersten großen Landwirtschaftsausstellung.

In den Jahren 1830, 1848, 1860, 1864 und 1866 dienten die Gebäude im Augarten als Spital zur Aufnahme von Cholera- und Typhuskranken sowie Verwundeten aus den Kämpfen der Revolution von 1848 und des österreichisch-preußischen Kriegs 1866. 1848 wurde das kaiserliche Hofwaschhaus, das seinen Standort im 2. Bezirk hatte und bei den Oktoberkämpfen abgebrannt war (es besorgte die Reinigung der kaiserlichen Wäsche), provisorisch bis zum Wiederaufbau in die ehemaligen Räume des Traiteurs Jahn verlegt.

Nach dem Selbstmord Kronprinz Rudolfs wurde der Neffe Kaiser Franz Josephs, Franz Ferdinand, zum Thronfolger ernannt; er erkrankte aber an Tuberkulose (1895–1898), sodass sein jüngerer Bruder Otto bereits als Thronfolger angesehen wurde und von Kaiser Franz Joseph das Augartenpalais 1897 als Wohnsitz zugewiesen erhielt. Zu diesem Zweck wurde das Schloss gründlich renoviert und erhielt ein weiteres Stockwerk aufgesetzt. Überdies fügte man dem Gebäude zwei dreistöckige Flügel an.

1923 fand die neugegründete Wiener Porzellanmanufaktur Augarten im Schloss eine Heimat, seit 1948 sind auch die Wiener Sängerknaben hier untergebracht.

Quellen#

  • I. Haslinger, G. Trumler, So lebten die Habsburger, Brandstätter Verlag, 2007