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Palais Mollard-Clary, Wien 1#

Heimatlexikon - Unser Österreich

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Palais Mollard-Clary
Palais Mollard-Clary
© Alfred Wolf

Das Palais Mollard-Clary, Herrengasse 9, war seit 1250 ein Adelssitz - zuerst des Ministerialen Seifried von Mödling. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts erwarb es der Kaiserliche Kämmerer Peter von Mollard. Die in den Reichsgrafenstand erhobene Familie spielte eine wichtige Rolle am Habsburgerhof: Maria Karoline Mollard, verehelichte Gräfin Fuchs (1681-1754) war Obersthofmeisterin bei Maria Theresia. Die „Füchsin“ ruht als einzige Nicht-Habsburgerin in der Kapuzinergruft. Den ersten Entwurf zum Mollardpalais verfasste der vom Wiener Adel geschätzte italienische Architekt Domenico Martinelli. Graf Ferdinand Ernst von Mollard ließ die Pläne jedoch von anderen Künstlern, u.a. Johann Lukas von Hildebrandt, ändern. 1760 bis 1922 war das Palais im Besitz der Grafen von Clary-Aldringen. Sie machten es zu einem kulturellen Zentrum allerhöchsten Ranges: Bei der „Tischrunde Josefs II.“ traf sich der Kaiser mit kunstsinnigen Fürsten und Fürstinnen. In den 1830er Jahren befand sich die britische Botschaft im Haus. 1924-1997 war das Niederösterreichische Landesmuseum in der Herrengasse 9 untergebracht. Seit dessen Übersiedlung nach St. Pölten und der Generalsanierung haben 2005 das einzige Globenmuseum der Welt und das Esperantomuseum der Österreichischen Nationalbibliothek einen passenden Aufstellungsort gefunden.

Die Bestände des Globenmuseums umfassen zur Zeit etwa 650 Objekte. Das Hauptgewicht liegt bei den vor 1850 angefertigten Erd- und Himmelskugeln, als Leihgabe ist der älteste in Österreich erhaltenen Erdglobus zu sehen. Neben den wertvollen, unantastbaren Exponaten bietet das Globenmuseum die Möglichkeit, sich interaktiv an Computerterminals und einem virtuellen Globus mit der Materie auseinander zu setzen.

Esperanto ist die am weitesten verbreitete internationale Plansprache. 1887 veröffentlichte Ludwik Lejzer Zamenhof (1859-1917) deren Grundlagen . Er wollte eine leicht erlernbare, neutrale Sprache für die internationale Verständigung zu entwickeln. Das 1929 bei einem Staatsakt in der Hofburg feierlich eröffnete Esperantomuseum verfügt seit seiner Gründung 1927 über eine umfangreiche Bibliothek. Sie umfasst 35.000 Bibliotheksbände, 2.500 Zeitschriftentitel, 3.000 museale Objekte, 2.000 Handschriften und Manuskripte, 23.000 Fotos, 1.100 Plakate und 40.000 Flugschriften. Das Esperantomuseum der Österreichischen Nationalbibliothek vermittelt über ein modernes Museumskonzept - interaktive Medienstationen, Spielautomat, Video-Esperantio- Kurs - auf 80 m2 die wechselvolle Geschichte des Esperanto und thematisiert das Verhältnis des Menschen zur Sprache.

Quellen#

  • Helga Maria Wolf: Spurensuche Wien. Rundgänge durch die Geschichte. Erfurt 2007
  • www.onb.ac.at


Redaktion: hmw