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Traditionelle Gemüsesorten - Paprika & Pfefferoni – Capsicum annuum #

Heimatlexikon - Unser Österreich

"Heimatlexikon - Unser Österreich"#

Ein Projekt von ServusTV in Zusammenarbeit mit dem Austria-Forum

Erst in den vergangenen 100 Jahren entwickelte sich der Gemüsepaprika in Mitteleuropa zu einer wichtigen Kultur im Gartenbau. Zwar war Ungarn schon länger für seinen Gewürzpaprika weltbekannt, der Gemüsepaprika hielt aber erst spät Einzug. Von den südöstlichen Balkanländern ausgehend breitete er sich in unseren Raum aus. Möglicherweise ist Bulgarien ein Ursprungsgebiet des Gemüsepaprikas.

Die Bulgaren trugen jedenfalls zu seiner Verbreitung wesentlich bei. In den 1930-1940er Jahren beschäftigte sich der österreichische Züchter Kopetz intensiv mit Paprikaanbau und –selektion in Neusiedel. Die Nachfrage nach Gemüsepaprika war im Steigen begriffen und der pannonische Raum Österreichs bot gute Voraussetzungen für die Kultur dieses „Südgemüses“. Ein Hauptkriterium der Züchtung war die Auslese frühreifer, freilandtauglicher Sorten, eine wichtige Züchtung dieser Jahre der „Neusiedler Ideal“, der bis heute noch im Hobbygartenbau erhältlich ist. Auch in den Feldkulturen des Seewinkels wird er gelegentlich noch im Tunnel kultiviert.

Vielen Konsumenten ist nicht bekannt, dass rote und grüne Paprikafrüchte nicht etwa unterschiedliche Sorten, sondern nur verschiedene Reifegrade des Paprikas sind. Die „Marktreife“ hatte der „Neusiedler Ideal“, wenn er voll entwickelte, aber grüne Früchte trug. Vollreife, rote Paprika kamen seltener auf den Markt. Der Vorteil lag darin, dass die Gärntner früh den Markt beliefern konnten. Außerdem förderte die konintuierliche Pflücke den Ansatz junger Früchte und sorgte für höhere Erträge.

Neben dem „grünen Paprika“ gab es vereinzelt auch spitze, weißfrüchtige Sorten, sogenannte Wachspaprika (z.B. der „Wiener Wachs“). Diese Sorten befanden sich aber nur kurz auf den Sortenlisten. Ob es die mangelnde Kundennachfrage oder ungünstige Anbaueigenschaften waren, ist schwer zu sagen. Erst neuerdings werden Wachspaprika als Frischgemüse wieder stärker angeboten. Sie stammen vorwiegend aus Ungarn oder der Türkei.

Die Suche nach angepassten Sorten wurde nicht zuletzt durch die lokale Produktion von eingelegtem Paprika und Pfefferoni gefördert. Bis heute erfolgt der Anbau in Österreich in Feldkultur, was dazu führte, dass eine Reihe von Sorten heute auch noch durch österreichische Firmen erhaltungszüchterisch betreut werden.

Ein Typus des Wachspaprikas, der uns bis heute geläufig ist, ist der Apfelpaprika - in der Form des eingelegten Krautpaprikas. Die Früchte sind rund, gelblich-weiß und dickfleischig. Bei Vollreife färbt sich auch der Apfelpaprika rot. Für die rote Variante des Krautpaprikas wird allerdings ein anderer Sortentyp verwendet – der Paradeis-Paprika. Die Rotfärbung der reifen Früchte ist intensiver und bleibt auch beim Einlegen in Essig erhalten. Die Früchte sind mehr oder weniger stark gerippt, dickfleischig und süß-aromatisch. Eigentlich erstaunlich, warum der Paradeis-Paprika bei uns nicht auch als geschmackvoller und handlicher Gemüsepaprika zu mehr Anerkennung gekommen ist. Sowohl Apfel- als auch Paradeis-Paprika existieren in scharfen und milden Varianten. Mildem Einlegegemüse wurde bei uns in letzter Zeit stärker der Vorzug gegeben. So auch bei den Spiralpfefferoni, wo die Auslese schärfefreie Formen hervorgebracht hat (z.B. „Milder Spiral“).

Neusiedler Ideal
Neusiedler Ideal, Foto: Wolfgang Palme

„Neusiedler Ideal“ (Bild: Wolfgang Palme)#

  • Länglicher Blockpaprika. Eher dünnfleischig.
  • Unreif: mittelgrün. Reif: rot. Mild.
  • In den 1930er Jahren in der Zuchtstation Neusiedl auf Frühreife selektiert. 2004 noch im Handel erhältlich.

Kapia Paprika
Kapia Paprika

Kapia-Paprika (Sortengruppe) #

  • Längliche, spitzkegelige Früchte.
  • Unreif: dunkelgrün. Reif: dunkelrot.
  • Ursprünglich für die Einlegegemüseproduktion („rote Paprikastreifen“) eingeführt. Heute auch am Frischmarkt erhältlich.

Wiener Wachs
Wiener Wachs

„Wiener Wachs“ #

  • Spitzkegelige Form.
  • Unreif: weiß. Reif: rot. Mildes Fleisch. Reichtragend.
  • Bis 1958 auf der österreichischen Sortenliste. Wurde zuletzt durch den „Cece“-Sortentyp ersetzt.

Apfelpaprika
Apfelpaprika

Apfelpaprika (Sortengruppe) #

  • Runde, kaum gerippte Form.
  • Unreif: gelblich-weiß. Reif: rot.
  • Je nach Sorte mild oder mit leichter Schärfe. In Ungarn auch als „Almapaprika“ bekannt.

Sunnybrook
Paradeis Paprika

Paradeis-Paprika (Sortengruppe) #

  • Flache Form. Rippung je nach Sorte verschieden stark.
  • Unreif: dunkelgrün. Reif: dunkelrot. Dickfleischig.
  • In Österreich nur in milder Form gebräuchlich. Auch als „Gogoshari“ (Rumänien) und „Gamba“ (Jugoslawien) bekannt.

Spiralpfefferoni
Spiralpfefferoni

Spiralpfefferoni (Sortengruppe) #

  • Schmale, lange Pfefferoni. Am Kragen oft quergerippt.
  • Unreif: mittel- bis hellgrün. Reif: rot.
  • Milde oder scharfe Formen sind bekannt.

Quelle#


Alle Bilder: © Arche Noah, dem Austria-Forum freundlicher Weise zur Verfügung gestellt

Redaktion: Maga. Lisa Maurer